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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-02-01 · Heft 2 (1.2.1890) · p. Seite 33

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 2 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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33 von ihr. Die Natur! ist von Gott geschaffen worden und besteht nur durch ihn, ist also, weil sie einen Anfang in der Zeit hat, endlich, veränderlich, vergänglich, ist nicht von Ewigkeit her und nicht ewig dauernd, wie Gott es ist. Gott ist demnach außerweltlich (extramundan, supernatural) und wird im sprachlichen Zusammenhänge mit Jhvh erklärt: „Ich bin und werde sein, der ich bin und sein werde" (Exod. 3, 14j); alsd das „Seiende", das Wesen, welches ist, dem allein eine wirkliche und notwendige Existenz zukogimt, während alles Geschaffene nur eine Schein-Existenz!hat, das Wesen, welches für uns endliche Menschen in seiner ganzen Wahrheit und Unendlichkeit unfaßbar und unvorstellbar ist, ein Wesen, von dem wir! wissen, daß es ist, aber seiner geistigen Wesenheit wegen, nicht vollständig und! genau wissen, wie es ist, ein selbstbewußtes, freies Wesen („Ich bin"), nicht ei» gedachter Begriff, eine abstrahirte Kraft eines Wesens, das sich seines Daseins bewußt ist und mit freiem Willen handelt, das ewig ist („Ich werde seinf) und von Menschen iveder sinnlich dargesteflt, noch ganz begriffen werden kann („Ich werde sein, der ich bin und sein werde"). Dieser theologische Gottesbegriff entspricht ganz dem wahren philosophischen. Auch Spinoza bezeichnet Gott als Eins „das Seiende". Man mißverstand oder mißdeutete diese Bezeichnung und faßte sie pantheistisch und gottesleugnerisch < atheistisch) auf; man erkannte nicht ihre wirkliche Uebereinstimmung mit der Bibel und erklärte sie als antibiblisch. Auf Veranlassung christlicher Kleriker, besonders! der Dominikaner, wurde das Amsterdamer Rabbinat zur Verfolgung und Vertreibung Spinoza's gedrängt. Ein gleicher Prozeß wurde nicht viel später nochmals gegen David Nieto versucht; aber das damalige Rabbiüat erklärte mutiger und wissenschaftlicher, eine solche Gottesbezeichnung sei weder atheistisch noch antibiblisch (vergl. Rothschild, Spinoza, Leipzig, Koschny, jetzt Heidelberg, Weiß.) Jhvh ist demnach eine Begriffsbezeichnung, kein Eigen- und Sondername Gottes. Daß sich dieser neue und veränderte Begriff an das überlieferte und allgemein übliche Jöhu (Ju) lehnt, ist nicht auffällig. Zunächst ist - auch Zu (Dju) eine Begriffsbezeichnung, und dann ist es mit unserm deutschen Ausdruck „Gott" nicht anders. „Gott" ist „Gotz" (Götze, gegossenes Bild). Der alte Ausdruck ist geblieben, der Begriff hat gewechselt. Niemand denkt heute an die ursprüngliche Bedeutung und Abstammung. Vielen ist sogar diese unbekannt geworden und abhanden gekommen, so daß man fälschlich andere Ableitungen und Erklärungen versucht hat, wie der „Gute", der „Allgütige". Aehnlich verhält es sich auch mit Jhvh. Die alte und ursprüngliche Verwandtschaft und Uebereinstimmung mit dem heidnischen Ju verlor sich, um so schneller und eher, als ethymologische Ableitung und theosophischer Begriff durchaus neu und abweichend waren. Die Griechen verstanden unter Dämon die göttliche Kraft, welche sich in ihrem Einfluß ans Leben und Geschicke des Menschen äußerte; es gab daher gute und böse Dämonen (Geister). Es entspricht dies dem hebräischen Sched, wovon Schadai „der Allmächtige", wie Abraham seinen Gott bezeichnete. Später hat Dämon wie Sched nur einen bösen, verderblichen und gewalttätigen Geist bezeichnet, im Gegensatz zu einem „Allmächtigen", der seine Macht zum Guten anwendet. In der Sokratischen Schule bezeichnete man mit „Dämonion" die dämonische Kraft im Mensche», das Göttliche in ihm göttliche Seele. Dies zeugt von dem Einfluß jüdischen Geistes die ihm innewohnende und jüdischer

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