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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-02-01 · Heft 2 (1.2.1890) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 2 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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I — 32 - „Geist und Mqterie". Die Natur ist Gott, sowohl die schaffende Naturkraft, sowie jeder einzelne Naturgegenstand. „Eine Dryade lebt in jedem Baum", sagt der Dichter. Has Wesen des Baumes, die schaffende und gestaltende Kraft desselben, ist die Göttin des Baums; sie ist unsterblich, denn sie lebt in jedem nachfolgenden Baum, wie in der ganzen "Baumart fort, hat auch vorher existirt in der ewigen Materie, aus welcher der Baum geschaffen worden. Die schaffende Kraft der Allnatur ist oberste Gottheit; sie findet in den Repräsentanten der Schöpferkraft udd Fruchtbarkeit, wie Stier und Kuh (Apis und Jo) oder Sonne und Erbe (Osiris und Isis)« ihre sichtbare Dar- und Vorstellung, die Gottheit wohnt in ihnen! oder ist ihnen gleich. Dies ist der heidnische Nätur-Polytheismus. Bei anderen Völkern wechseln die Namen der Götter und Göttinnen, wie die Gegenstände ihrer Vertretung als Symbole derselben; das Prinzip bleibt dasselbe, sie stellen die Allkraft oder Einzelkräfte der Natur dar. Der geistige Gottesbegriff kommt erst mit dem Monotheismus des Judentums auf.! Hier ist Gott nicht nur die schaffende Naturkr'aft, welche in den vielen und vergänglichen Werken der Natur sichtbar und vorhanden ist, sondern Ursprung i|tnb Inbegriff alles wirklichen, -realen und ewigen'Seins, d. h. auch alles geistigen und sittlichen Denkens und Lebens. Biblischer Ausdruck dafür ist „heilig", d. h. von allem Schein und Vergänglichen, find allem Irdischen und Sündhaften fern, nur wirkliches und ewiges Dasein, nur das Wahre und Gute selbst. „Gott ist die Wahrheit, Gott ist die Liebe, Gott ist der Friede". Auch der Mensch ist zur Heiligkeit bestimmt. „Ihr sollet heilig sein, wie der Herr euer Gott es ist", sagt die Bibel. Der Erden-Mensch erfüllt diese Aufgabe nie ganz. Gott nimmt eine höhere, die höchste Stufe der Heiligkeit ein; er ist, wie die Bibel sagt, „dreimal heilig". Als „Höchster" kann Gott nur „einzig" sein; hier ist die Grundlage des Monotheisnsus. Gott hat keinen „über" und „neben" sich; er' ist als solcher „allmächtig, unbeschränkt, vollkommen, unveränderlich, unvergänglich, ewig". Gott ist unerschaffen, von Ewigkeit her und in Ewigkeit hin; biblische „Gott war, ist und wird seifi". Das ist die Bedeutung des biblischen Gottesnamens Hhvh, gewöhnlich Jehova oder Adonai (Don) gelesen und mit „Herr" übersetzt,, oder mit veränderten Vokalen Elohim gelesen und „Gott" übersetzt. Diese Aussprache und Deutung kann nicht die ursprüngliche und richtige sein. Ebenso wenig kann diese Bezeichnung Eigenname sein und etwa einen einzelnen Nationalgott, den der Juden, bezeichnen, nach Art der verschiedenen Heidengötter und -Völker. Er wird auch biblisch als der Universal-Gott aller Menschen und Völker bezeichnet und kann wögen seiner Einzigkeit, Ewigkeit und Allmacht nur ein solcher sein. Der Name Jhvh lautet eigentlich Jehuh oder Ju. Als solcher findet er sich noch, besonders .in Zusammensetzung mit Eigennamen; etwas verändert lautet er Jo oder Jao. Dies war ursprünglich und allgemeine Gottesbezeichnung, auch bei den Heiden; so in Ju-;üter, eigentlich Dju. So in Deus, Zeus, Dieu; auch De>v, so in diable, Teufel. Im Sanscrit bezeichnet Diu den „leuchtenden Himmel"; daher dias der helle, leuchtende Tag. Auch Moses (Exod. 24, 10) vergleicht die Erscheinung Gottes mit dem „hell leuchtenden Himmel"; auch wir ^gebrauchen „Himmel" als Ausdruck für „Gott". Der „mosaische" Gottesbegriff ist indes ein anderer, vom heidnischen scharf geschiedener. Gott ist im Judentum rein geistig gefaßt, von der Natur losgelöst. Gott war vor der Natur und existiert außerhalb derselben, gesondert

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