Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 die wenigen Sätze, die von Sokrates und Pythagoras bekannt sind. Ein Spruchsammler und Erklärer aus dem sechszehnten Jahrhundert, der erste deutsche Humanist (Johann Agrikola), sagt: Gott ist klein, aber es gilt viel, klein gering Münz ist viel, aber sie gilt wenig; ein vaß voller Wein's klingt nicht sehr, aber es hat viel in sich, hinwiederumb ein leer vaß klingt feindlich und hat nichts in ihm". Später aber war die bildliche Einkleidung und Weiterentwickelung des einfachen Moral- oder Lehrspruchs durch Gleichnisse beliebt geworden. Auch diese zeugen noch von der kindlichen Lehrart der religiös gestimmten.Altvordern, die zur Wahrung der Herzenseinfalt eine eigentümliche Sprache der Einfalt gewählt und die tiefsinnigsten Gedanken in das Gewand volkstümlicher Klarheit gehüllt haben. Solche bildliche Einkleidung, die Parabelbildung, spann sich etwa vom fünften Jahrhundert n. Ehr. an nur schwach fort; zwar hörte sie bis in die Gegenwart hinein nicht ganz auf; sie hörte aber wohl auf, eine aus dem gewöhnlichen Leben geschöpfte Volksallegorie zu sein, in welcher die tiefen Gedanken, obschon in ein einfaches Kleid gehüllt, doch nichts von der inneren Erhabenheit und dem kernigen Gehalte einbüßen. Mehr und mehr wurde sie eine gekünstelte, gesuchte Dichterallegorie oder eine tiefsinnige verhüllte Natursymbolik. Auch in den neuen Schöpfungen, in den Gleichnissen der Gegenwart ist ja die deutliche Hinweisung auf Moral und sittliches Leben nicht zu übersehen, doch die Kraft und Stärke der früheren gottbegeisterten Gemüther und tiefteligiöser Naturen geht ihnen ab, die Kunst kann eben die Natur nachahmen, nicht ersetzen. £>er Klaube an Unsterblichkeit und die Idee der Wiedergeburt des Menschen. Von Di-. Rothschild. Unter „Wiedergeburt des Menschen", Palingenesie genannt, versteht man die Idee oder den! Glauben, daß mit dem Tode das Leben des Menschen nicht aufhöre, sondern ein Fortleben stattfinde, ein zweites Leben folge. Nur der Leib des Menschen sterbe, die Seele lebe fort. Die Seele aber mache das individuelle Wesen, die persönliche Existenz des Menschen aus; mit dem Fortleben der Seele werde demnach auch die persönliche, individuelle Fortexistenz des Menschen erhalten.! Der Mensch lebe nicht nur in der Gattung fort, wie die Pflanze und das Tier, sondern! als dasselbe Individuum, als dieselbe einzelne Persönlichkeit, wie im vorherigen irdischen, leiblichen Leben. Der Mensch existire also nach dem leibliches Tode also noch fort, aber, da der Tod ein Weggehen und Verschwinden bedeute und der Mensch nach dem Tode von den Hinterbliebenen nicht wieder gesehen werde, trete er nochmals in die Erscheinung, werde er wiedergeboren, — in einer andern Zeit und Welt, oder sofort in dieser. Im Grunde ist diese Idee nichts anderes, als die gewöhnliche Unsterblichkeitslehre. Da diest aber hier in einer besonderen Artung und speciellen Gestaltung auftritt, haben! wir sie nicht als feststehenden Glaubenssatz, als allgemein gülttge Wahrheit ausgesprochen, sondern als problematische Meinungsäußerung, deren Ursprung, Wesen und Wahrheit untersucht und geprüft werden soll. Die Begriffe > „Gott und Unsterblichkeit" gehören zusammen und finden sich schon im heidnischest Altertum; jedoch fehlt hier die Unterscheidung Mischen