Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 — ib Fabeln in der bereits sch-homiletischen Litterae die christliche, muß in Style angesehen werden. im Ganzen fünf, drei ©reic^niffe1) und zwei Fabeln/) außerdem wird dem Salomo eine große Anzahl Meschalim (Gleichnisreden) zugeschrieben/) Die trefflichste Pflege fand die Parabel wie die Fabel im 2—5 Jahrhundert. Der Talmud zwar hat nur wenige aufbewahrt, der babylonische zwölf, der jerusalemische Talmud nur drei, von den angeblichen dreihundert Fuchsfabeln des Rabbi M e i r sind auch nur drei auf die Nachwelt gekommen^); dagegen findet sich eine! fast unzählbare Menge von Parabeln u genannten, unter dem Namen Midrasch bekannten - exeget tur der ersten nachchristlichen Jahrhunderte. Auch hie sogenannte Apokalyptik, die jüdische w gewissem Sinye nur als eine Gleichnisrede in großem , Während die Propheten religiös-sittliche Wahrheiten verkündeten, haben in verhängnisvollen schweren Tagen die Apokalypsen oder Gesichte in symbolisch-visionärem Gewanpe die Zeitgeschichte! geschildert, um die trostbedürftigen Glaubensbrüder durch herrliche Zukunftsbilder aufzurichtei?). Nicht minder hat das neue Testament, wit es auch sonst die Sprache und den ethischen Inhalt des alten Testaments wiederzugeben verstanden, die übliche auf das Volk mächtig wirkende Gleichnisrede häufig benutzt. Der Zweck'derselben wird unverhohlen gleich im ersten Evangel um, im Ev. Matthäi, deutlich angegeben: „Und er redete zu ihnen", heißt es daselbst"), „mancherlei durch Gleichnisse und sprach: Siehe'es ging ein Säemann aus! zu säen und indem er säete, fiel etliches an den Weg, da kamen die Vögel und fraßen's auf, etliches fiel in das steinick te, da es nicht viel Erde hatte und ging bald auf. darum daß es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es und dieweil es keine Wurzel hatte, ward es dürre. Etliches fiel unter die Dornen und die Dornen wuchsen auf und erstickten's. Etliches fiel guf ein gut Land und trug Frucht".Warum redest du zu ihnen durch Gleichnisse? fragten die Jünger. Er antwortete und sprach (V. 11): Euch! ist es gegeben, daß ihr das Geheimnis des Himmelreichs verstehet, diesen aber ist's' nicht gegeben .... darum rede ich durch Gleichnisse". Es folgen die Gleichnisse und Bilder vom Sauerteig in den drei Scheffeln Mehles, vom Unkraut auf dem Acker, vom verborgenen Schatz im Acker, /'von einem Kaufmann, de« künstliche Perlen suchte, vom Netze, das ins Meer geworfen ist. Diese Gleichnisse knüpfen an das Psalmwort an: Ich will meinen Mund aufthun in Gleichnissen (78, 2). Auch das Lucas-Evang. enthält eine große Anzahl von Parabeln; Preis göttlicher Barmherzigkeit in drei Gleichnissen (c. 15), vom ungerechten Haushälter, vom Reichen und Lazarus (16), Pharisäer und Zöllner (18), von den! anvertrauten Pfunden (19). Die bildlichen Ausdrücke darin: „Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Winde bewegt wird (7, 24). Was siehst du einen j Splitter in deines Bruders Auge und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? (6, 41). „Die Erndte ist groß, der Arbeiter aber wenig"') und i verschiedene andere Bilder und Parabeln klingen oft wörtlich an ähnliche talmudische Sätze an. Die spätere jüdisch-homiletische Litteratur aber hat noch größere Hinneigung zur Gleichnisreoe bekundet. „Nie sei das Gleichnis", heißt es in einer Homilie^) *) 2 Sam. 12, 1—6; das. 14, 4—9; Hesek. 17, 1. -) Richter 9, 8; 2 Kön. 14, 9. 3) 1 Kön. 5,' 12 u. 13. 4) Synhedr 39a; Jatk. Spr § 947. 6) Hesekiel, Daniel, das Buch Hennoch, dys 4. Buch Esra, die Sibyllinen, die Himmelfahrt Mosis, die Apok. Johannis gehören hieher. °) 13, 3 ff. 7) vgl. Spr. d. V. 2,20. ®) Midr R. zu Hohe!. Anfang.