Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 — fand ein animirtes Banket statt. — In Köhöny läuteten bei der Beerdigung der Gutspächtersfran Wargolit die Kirchenglocken. Am Grabe sprachen der Rabbiner und der evangelische Geistliche. — - Unter dein Titel „Nationale Strömungen" ist von Herrn Prof. Ludwig Fleischner eine Schrift erschienen, in welcher auf die Verwüstungen hingxwiesen wird, die der Antisemitismus an den Hochschulen angerichtet hat. j An der Hand von Thatsachen wird nachgewiesen, wie durch gewissenlose Agitation der Geist der akademischen Jugend vergiftet-wird und wie dieses Gift in die Mittelschulen hineingetragen wurde. Die Schrift schließt mit dem Nachweise, wie not es thue, bei Zeiten dieses Gift zu beseitigen. — In Gairing wurde der jüdische Friedhof durch zwei ruchlose Buben zerstört und nebstdem die Leiche eines erst vor kurzem bestatteten Kindes aus dem Grabe genommen und hingeschleudert. — Die in Wien im Oktober versammelte fünfte evang. Generalsynode faßte einen Beschluß, in welchem sie ihren Abscheu über den Antisemitismus ausdrücke. —Das Ministerium des Innern in Gesterreich hat Ende .Oktober einen Erlaß gegen die antisemitischen Agitationen an die Landesregierungen gericht», welcher im Wege der letzteren den Polizei-Directionen und politischen Behörden erster Instanz mitgeteilt wurde. Die Tendenz dieses Erlasses drückt sich in dem Schlußpassus desselben aus, welcher folgendermaßen lautet: „Nachdem die Agitationen der antisemitischen Presse zur Ausbreitung der antisemitischen Bewegung und zur Vertiefung des Hastes und der feindseligen Gesinnung gegen hie Angehörigen der israelitischen Konfession beitragen, ist nunmehr allen strafbaren Emanationen der antisemitischen Preßorgane, sowie aufreizenden Kundgebungen dieser Art in Vereins- und anderen Versammlungen mit allen gesetzlichen Misteln entgegenzuwirken." — In Wien fand am 21. Oktober die Eröffnungsfeier des Oesterreichischen Studentenvereines statt. Herr Dr. Kadisch hob hervor, daß her Verein keinen Unterschied der Konfession und Nationalität kenne und daß er stets ein Vorkämpfer jener Idee sein werde, welche zum Durchbruche kommen müsse: Der Gleichheit all dessen, was Menschenantlitz trägt. Herr Prof. Dr. Denedict führte aus, daß nur jene Kreise sich streng national erhalten, welche im Kulturleben zurückgeblieben sind. Herr Dr. Kronawetter sagte, die Grüdung des Oesterreichischen Studentenvereins sei der erste Lichtblick in dunkler Zeit. — Herr Prof. Dr. Scheicher in Wien, einer der Hauptredner des Katholikentages erwiederte eine Zuschrift des katholischen Studentenvereins „Austria" und sagt unter! Anderm: Fast war es ein Vorrecht der österreichischen Jugend und ihrer Studentenverbindung, daß ihre Herzen feuriger für religiöse und bürgerliche Freiheil schlugen, daß sie hohe Ideale in der Brust trugen. Wahrlich, es.krampst sich das Herz des Patrioten zusammen, daß ein so großer Teil der Wiener Studenten den alten deutschen Traditionen, der Achtung fremden Glaubens und fremder Ueberzeugung Hohn sprechen kann. — Feher Doldi ein Jude aus Szegedin, der Kapellmeister einer ungarischen Zigeunerkapelle, erhielt auf der Weltausstellung! zu Paris den Geigerpreis. In jüngster Zeit erhielt er den ehrenvollen Auftrag, die Braut des Erzherzüg's Leopold Salvator, eine Tochter Don Earlos', im Vortrag ungarischer Volkslieder auf der Violine zu unterrichten. — In der Nacht vom 8. zum 9. November wurde der israelitische Tempel in Strakonih nicht nur beraubt, sondern auch geschändet. Sämtliche Thorarollen wurden zerrissen und zerstampft, die Orgel zerschlagen, die Kandelaber umgeworfen und verwüstet. — In einer Sitzung des Ausschusses des Abgeordneten- Hauses in Dudäpch erwiderte der Kultusminister Graf Ezaki Herrn Ignatz Helfy, der die Meinung aussprach, es werde bei Besetzung von Stellen ein besonderer