Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 Eifer in der Frage des Glaubenswechsels entwickelt: Ich kann mit gutem Gewissen behaupten der Frage des Glaubcns-Uebertrittes ferne zu stehen. Als ich einmal erfuhr, daß Jemand seinen Glauben gewechselt, um eine Anstellung zu erhalten, da habe ich dem Betreffenden die Anstellung verweigert. — Herr Dr. Krasst-Ebing, Professor der Psychiatrie in Wien, hat in einer Vorlesung über die Motive des menschlichen Handelns gesprochen und unter Anderem gesagt: Der Antisemitismus trage ganz das Gepräge der unmotivirten Handlungen und werde wohl von einer späteren Zeit geradeso beurteilt werden, wie etwa unser Jahrhundert die Zeit der Hexenprozesse beurteilt. — In Tirol wird für den Antisemitismus Propaganda gemacht. In einer Flugschrift, die in die ftiedlichen Hütten der Bergbewohner zu Tausenden gebracht wird, heißt es: Der Jude Ersanger sei Eigenthümer der Meraner Bahn, der Jude Dreyfuß sei Besitzer der Achenseebahn, die Jnsbruck-Haller Trambahn sei in den Händen des Baron Hirsch u. s. w. Das „Jnsbrucker Tagblatt" nimmt gegen den Antisemitismus Stellung und schreibt: Die Juden sind Menschen; nach ihren Thaten sollen sie behandelt werden, wie andere Menschen, nicht aber nach ihrer Religion und Abstammung. — Am 22. September wurde in Enghien les Bains die neuerbaute Synagoge eingeweiht. — Zum Großrabbiner von Frankreich wurde der bisherige Großrabbiner von Paris, Herr Zador Kahn, geboren zu Mommenhein 1839, seit 1865 Großrabbiner von Paris, ein edler Mensch, ein tüchtiger Gelehrter und hervorragender Kanzelredner, einstimmig gewählt. Die religiösen und geistigen Angelegenheiten der Juden in Frankreich konnten in keine bessere Hand gelegt werden. — In Uanry starb Herr Oberrabbiner Liebermann, Ritter der Ehrenlegion. — Herrn Theodor Keinach in Paris ist für sein Buch „über die alten Müßzen Kleinasiens" von der Akademie ein Preis zuerkannt worden. Auch Herr Silvayn Levi, Professor an der Talmud-Thora zu Paris, hat für eine kritische Studie über das Theater bei den Hindus von derselben Anstalt einen Preis erhalten. — Der jüdische Deputirte Kischofsheim hat der jüdischen Gemeinde in Nizza 10,000 Frs. zur Deckung ihrer Schulden geschenkt. — Herr K. K. Kischoffsheim in Paris hat dem dortigen Museum 325 Diamanten seltenster Art zum Geschenke iiberwiesen. — Der berühmte Komponist des im Pariser Konservatorium so beifällig aufgenpmmenen „Kolnidre", Max Brueck, hat neuerdings noch zwei andere jüdische Stüske komponirt. Es sind dies „Zeäna Urena" von der Peßach-Liturgie und das! bekannte „Moaus Zur" von Chanuka. — Herr Leopold Kerenstamm aus Riga erhielt von der Jury der diesjährigen Ausstellung in Paris die goldene Medaille. Sein Marmorbild „Der Sieg Davids über Goliath" gehört zu seinen hervorragendsten Kunstwerken. — Am 9. Oktober starb in London Sir Denjamin Samuel Philipps, geboren 1811. Die Familie stammte von dem berühmten Saul Wahl ab. Er wurde am 21. Dezember 1846 zum Stadtrat, den 15. Juni 1857 als Aldermann und am 29. September 1865 zum Lord-Mayor erwählt. — Das „British Museum" ii: London hat eine Ausstellung phönicischer, hebräischer und anderer semitische: Alphabete und Inschriften veranstaltet. Die Ziegelstein-Inschriften aus. U:-Casdim gegen 2000 vor Christi sind die ältesten unter den Keilinschri sten. — Rev. K. fj. Kadden, der Bicar von St. Botholph, Aldgate in London, hat dreimal die Benutzung der jKirche zu Judenmissionszwecken zurückgewiesen mit der Begründung: Es wird mir vollkommen genügen, wenn alle Christen meines Pfarrbezirks gute Christen uyd alle Juden gute Juden sein werden. — In Kedford wurde Herr Lewyno zunii Mayor der Stadt gewählt. — In Keerkdorp wurde