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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 18

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 in Deutschland den Juden viel. Wer möchte in Berlin die Kreise der Mendelssohns nicht ehren und achten und manche andere noch, die in den besten Zeiten geistiger Entwickelung den Ton angabcn, der besser wahrlich und edler anklang, als der wüste Lärm der antisemitischen Hetze. — Man hat sie wie die Parias behandelt, aber sie sind keine Parias geworden, sondern sie haben von der Niedrigkeit in die maii sie hinabtreten wollte, immer wieder das Haupt erhoben zum geistigen Licht und zum Ringen nach dem Ideale des geistigen Lebens. — Wenn die Juden vom Christentum nichts spüren, als die kalten Stürme des Hasses und der Verachtung, des Hohnes und der Verfolgung, so werden sie den Mantel trotziger und schmerzlicher Opposition nur fester schnallen — Dinge muß man angreifen, nicht Personen. Der Kampf muß geführt werden niit den Waffen des Geistes, der Wahrheit und Gerechtigkeit, nicht mit den vom Hasse vergifteten Pfeilen der Verfolgung und Verleumdung. — Es ist uns zngegaugeii: Bericht des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur zu Kerlin über das Sommer-Semester 1889. Es ist ein erfreuliches Zeichen innerer Regsamkeit, daß in diesem Vereine auch im Sommer neun interessante Vorträge gehalten wurden. Möchte man doch die Bibliothek durch Zuweisung von geeigneten Büchern und Schriften erweitern helfen. — „Die Hochzeit von Valeni" ist der Titel eines neuen Schauspiels von L. Ganghofrr und W. Krorimir, das mit glänzendem Erfolge vor kurzem in München und dieser Tage in Breslau über die Bretter gieng, nächstens auch an de» Hoftheateru in Dresden und Karlsruhe, wie auch in Berlin und Weimar u. s. w. zur Aufführung gelangen wird. Weite Kreise interessiren dürfte es, daß den dankbaren Stoff zu diesem wirkungsvollen Bühnenstück der Roman „Jonel Fortunat" von Marco Brociner bot, der unlängst in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erschien und in der Presse die anerkennendste Beurteilung fand. Wir wollen nicht unterlassen, nochmals auf das hochinteressante Werk Brociners hinzuweisen. — I» dem „Weltuntergang", dem neuesten Romau von Felir Dahn, der im Jahre 1000 n. Ehr. spielt, finden sich auch einige interessante Schilderungen, die Juden betreffend. — Im Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. W. hielt Herr Leopold von Sacher-Wasoch, einer Einladung des Vorstandes freundlich folgend, vor einem zahlreich erschienenen Publikum, einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag „Bilder ans dem jüdischen Leben". Von den drei in Deutschland noch nicht bekannten Erzählungen haben wir die zweite in dieser Nummer des Blattes abgedruckt. Das erste Lebensbild schilderte dc n armen frommen Jüngling Kalrb Ietalin, der, von stiner Schwester ernährt, über ssineu Talmndstudieu von der Sehnsucht nach Jerusalem verzehrt wird. Endlich macht er sich auf, ergreift den Wanderstab und pilgert zu Fuß durch viele Läi der bis zur Küste. Ein tüchtiger türkischer Kapitän nimmt ihn als Motrose auf, nach einem heftigen Sturme wird er! auf dem Wrack von Seeräubern gefangen und nach Kleinasien als Sklave verkauft. Hier muß er den Gärtner machen, seine Herrin, deren Liebe er zurückweist, verhilft ihm zur Flucht nach Jaffa. Dann wandert er weiter. Au den Mauerrestcn des Salomonischen Tempels sinkt er gebrochen nieder, um nicht wieder aufzustehen. Sein letzter Seufzer war: Jerusalem! — Das dritte Lebensbilds das der Vortragende in einer humorvollen Skizze entrollte, war das des Buchbinders Simcha Kaliman in, dem ungarischen Dorfe Kort. Er hatte noch die Zeiten der Verfolgung mitgemacht, dann sich 1848 begeistert den Fahnen Kossuths angeschloffen und sich einigermaßen nagyarisirt. Er nannte sich mm Hunyady. Sein Streben nach Bildung veranlaßte ihn, alle Bücher, die ihm zum Einbinden gegeben werden,

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