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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 17

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 Oktober fand in Emden die fünfte Konferenz der israelitischen Lehrer und Kultus« beamten des Landesrabbinates Emden statt. Herr Lehrer Schwester aus Kapenburg sprach über „Die fördernde Wirksamkeit des israelitischen Lehrers auf die Erwachsenen in der Gemeindei. — Das Stipendium der Michael Deer'schen Stiftung für jüdische Maler und Bildhauer im Betrage von 2500 Mark wurde Herrn Isidor Konti in Wien verliehen. — An« 1. November beging das weitbekannte Bankhaus Salomon Gppenheim ic Eie. in Köln die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Gründer des Hauses war Herr Salomon Gppenheim und wurde das Geschäft in Bonn eröffnet. Als im Jahre 1798 den Juden gestattet wurde in Köln zu wohnen, war Salomon Oppenheim einer der ersten, die von dieser Erlaubnis Gebrauch machten. 1801 traten 17 jüdische Familien in Köln zu einer Gemeinde zusanimen und gaben sich ein Statut. Für das Judentum ist die Familie erloschen, da deren Abkömmlinge zum Christentum übcrtraten. Die jüdische Gemeinde in Köln verdankt diesem Hause eine prachtvolle Synagoge und wohlthätige Stiftungen. — Das Stöcker'sche Matt ,.Dolk" giebt über den praktischen Antisemitismus folgende Ratschläge: Wer nicht bei Juden kauft, wer keine jüdischen Rechtsanwälte oder Aerzte nimmt, wer weder ein jüdisches Theater noch ein von jüdischen Künstlern veranstaltetes Konzert besucht, wer sich keine jüdischen Bücher anschafft und keine jüdischen Zeitungen hält, wer weder in einem jüdischen Hause verkehrt noch einem Juden Eintritt in seine Familie gestattet, kurz wer die Juden geschäftlich und gesellschaftlich vereinzelt, der treibt durch dies Verhalten schon einen höchst praktischen Antisemitismus, aber fügen wir hinzu, eine bedauerliche, den Betreffenden selbst moralisch vernichtende Inhumanität. — Gegen einen Kaufmann aus Gera, der an den Rechtsanwalt Or. Sello in Berlin schrieb, daß er einen jüdischen Mandatar als solchen nicht anerkennen Wune, „weil derselbe vermöge seiner Abstammung und Religion verpflichtet sei, oen Christen zu betrügen" ist, nachdem der Advokat, der selbst Christ ist, mit seiner Klage abgewiesen, sich an den Justizminister Dr. v. Schelling wandte, jetzt die öffentliche Klage erhoben worden. — In der Budgetkommission bei dem Etatstitel des Kriegsministers fragte Abg. Pichler den Kriegsminister, ob Grundsätze in der Militärverwaltung beständen, welche die Juden für die Beförderung zum Offizier ungünstiger stellen oder ausschließen. Wenn solche Grundsätze nicht bestehen, so wünsche er zu wisse«, wie es komme, daß seit Beginn der antisemitischen Agitation die Beförderung von Juden auch im Beurlaubtenstand mehr und mehr aufgehört habe, so daß jetzt seines Wissens dem Offizierkorps kein einziges Mitglied jüdischer Konfession mehr angehöre. Hierauf erwiderte der Kriegsminister: Es bestehen keinerlei Bestimmungen, welche die Juden in Bezug auf die Beförderung zum Offizier znrücksetzen. Nach einigen Auseinandersetzungen sagte der Herr Kriegsminister: Daran, daß antisemitische Agitationen in der Armee keinen Platz haben dürfen, halte ich als selbstverständlich fest. Abg. Hobrrcht äußerte: Es freut mich, daß der Minister jedes Hineinziehen der antisemitischen Agitation in die Armee streng verurteilt. In vielen Kreisen werden die mitgeteilten Zurücksetzungen scharf empfunden. Abg. v. Frrge meint zum Schlüße, alle Parteien könnten nach diesen Erklärungen des Kriegsministers befriedigt sein. — Im Domgymnasium zu Halberstadt wurden am 7. November antisemitische Flugblätter durch den Sohn eines unterrichtenden Lehrers in der Untersecunda verteilt. — In der Broschüre „Der Parademarsch der siebenten Großmacht" (Berlin bei Richard Wilhelmi), von einem alten Diplomaten und Kreuzzeitungsmann heißt es: Und das geistige Leben verdankt auch 2

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