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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 und Menschenfreundlichkeit führen und ihr im politischen Parteigetriebe bessere Sitten und vermehrte Selbstbeherrschung anerziehen würde. Der etwaige Einwand. daß dies schon die Religion besorge, wäre hinfällig, denn die Geschichte lehrt uns leider, daß es Religionskriege gegeben hat, und wenn man dies auch nicht der Religion, sondern den Menschen, die ihre Religion schlecht verstanden und befolgt haben, zur Last legen will, so ist der Mensch doch heute, wie er vor dritthalb Jahrhunderten war noch immer derselbe, und eine kleine philosophische Zugabe zu seiner religiösen Erziehung würde ihm nur zum Heile gereichen. Was den Stil des Werkes anbelangt, so ist er klar und deutlich, niemals trocken, oft erhebt er sich zu großer Schönheit des Ausdrucks. Rülf vermeidet so weit wie möglich die Fremdwörter und befleißigt sich einer rein deutschen, stets leicht verständlichen Schreibweise. Jeder Gebildete wird an dem Werke, auch wenn er ihm nicht in allen seinen Ausführungen beipflichten sollte, gewiß seine Freude haben. Ich meinerseits schulde dem Autor vielen Dank für die reiche Anregung, die er mir geboten; wenn er selbst bescheiden sagt: „Hier ist nicht stupende und stupide Gelehrsamkeit, sondern einfache, sachgemäße, stets Ziel und Zweck erstrebende Gedankenthätigkeit", so räume ich ihm nur die Thatsache des Mangels einer „stupiden" Gelehrsamkeit ein; Gelehrsamkeit aber im guten Sinne besitzt er die Hülle und Fülle, und es ist begreiflich, daß er seinen „im Laufe vieler Jahre gesammelten und gut geordnete» Gedankenreichtum nicht mit ins Grab nehmen," sondern die „gebildete Menschheit zum Universalerben" desselben einsetzen wollte. Mögen freundliche Sterne über seinem Werke scheinen, und mag der Autor noch Kraft und Trieb finden zur Vollendung Dessen, was er in der Schlußbetrachtung in Aussicht stellt. Er weist dort auf den Urgedanken hi», in welchem Denken und Sein, Denkeil und Gedachtes nicht mehr geschiedeu ist; der erschafft, was er denkt, und denkt was er erschafft; er nennt ihn den Gedanken, in welchem alle Zweiheit des Denkens und des Gedachten aufgehoben und alle Gegensätze der Welt, was sie auch seien und bedeuten und wie sie auch heißen mögen, beglichen sind und zur unverbrüchlicher Einheit verklärt, angeschaut werden — mit einem Worte: den Gottes ge danken, der als Drittes dem Weltgedanken und der Gedankenwelt gegenübersteht, Gedanke und Welt, Welt und Gedanken verbunden, versöhnt, vereinigt darstellt. Dieser Gottesgedanke, obgleich eng an Weltgedanken und Gedankenwelt sich anschließend, bilde doch eine selbstständige Wissenschaft für sich, welche nach Form und Inhalt sich von dem in der.vorliegenden Metaphysik vollendeten unterscheide und darum einer ganz besonderen Behandlung bedürfe. 1)r. Rülf schließt mit dem Wunsche, daß es ihm vom Geschick beschieden sein möge auch noch diese Wissenschaft des Gottesgedankens beginnen und beschließen zu dürfen. Wir gestehen, daß für uns gerade durch diesen Ausblick die Rülf'sche Methaphysik doppelt anziehend und des Studiuins wert erscheint, denn ohne diesen Gottesgedanken sind für uns die Erträge aller mcthaphysischen Spekulation nur leeres Stroh. Der Hinweis auf Trendelenburg ist hier ganz am Platze: „Die Wissenschaft vollendet sich allein in der Voraussetzung eines Geistes, dessen Gedanke Ursprung alles Seins ist, was im Endlichen erstrebt wird, ist hier erfüllt. Das Prinzip der Erkenntnis und daK Prinzip des Seins ist ein Prinzip. Und weil diese Idee Gottes der Welt zu Grunde liegt, wird dieselbe Einheit in den Dingen gesucht und wie im Bilde wiedergefunden. „Der Akt des göttlichen Wissens ist allen Dingen die Substanz des Seins." — Daß Dr. Rülf diesen Standpunkt einnimmt, das dient seiner Methaphysik für Alle zur Em-

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