Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 — heit, mit der,dieser scharfe auch seiner ausgesprochenen erei wäre diesem vornehm Kraft, um mit der durch die Chemie nachgewiesenen Regelmäßigkeit alle seine Verbindungen zu Molekülen, Elemente», anorganischen und organischen Materien, Partial- und Universalkörpern einzugehen? Hierin liegt das »große Rätsel, welches durch mechanische Erklärungsversuche zu lösen wohl niemals möglich sein würde. „Weit eher mag es gelingen, die Thatsachen des Bewußtseins als die Kxäfte der Atome aus mechanischen Ursachen herzu leiten/ * Wir müssen uns leider' auf diese wenigen Andeutungen beschränken, um noch ein kurzes Wort über Methode und Stil des Werkes zu sagen. Das Neue in der Philosophie bilden »ach Ansicht Rülf's überhaupt nicht die philosophischen Begriffe und Prinzipien — die seien zu allen Zeiten dagewesen und ausgesprochen worden — sondern vielmehr die Methode, in welcher der geschichtliche Fortschritt sich zu erkennen giebt. Und bei aller wohlthuenden Bescheiden- .. Denker auftritt (er erkennt bereitwillig jbie Verdienste Gegenfüßler an, und eine Schoppenhauer''sche Schimpfruhigen Geiste ganz und gar unmöglich), versichert er doch selbstbewußt im Vorworte zum 1. Theil: „Eines wird man aus dem Buche lernen können: Methode, systematische Behandlung und zwar; die wahrhaft genetische Methode, nicht wie sie künstlich -erdacht und gemacht, sondern wie sie der Natur des Dnges unb, Begriffes abgelauscht worden ist."- Während in dem ersten Theil der Weltgedanke zur Behandlung gelangt, wird in eii em zweite die „Gedankenwelt" behandelt. Wenn wir leider darauf verzichten müssen, diesen zweiten, wahrhaft glänzenden Theil des Werkes hier näher zu beleuchten, so wollen wir doch eine einzige Probe aus demselben anführen, die darthun — t— mag, wie der Verfasser über die Philosophie im Allgemeinen und den großen Haufen der sog. Gebildeten denkt. „Die Philosophie", fac t er (II, 43), „ist nicht jene unpraktische, unpopuläre, geheimnißvolle, esoterische Wissenschaft, als welche sie 'bei 8er Welt in Verruf bekommen ist Der gebildete Mensch hantirt offenbar mehr mit philosophischen Begriffen, als mit exacte». Jeder Menfch ist somit ebensogut ein Stück Philosoph, als er schon in Folge seines Schulunterrichts ein Stück Gelehrter in exacter Wissenschaft ist, nur mit dem einen Unterschiede: seine exacte Wissenschaftlichkeit ist ihm methodisch beigebracht worden, seine Philosophie jedoch muß er sich selbst machen, und das ist ein schweres, unverantwortliches, geradezu einem Geistesinorid ähnliches Unrecht unserer Schulerziehung und Heranbildung des gegenwärtiges Geschlechts. Wir füttern unsere Jugend, nur mit dem getrockneten und gedörrten Gras, sonst wohl xruch Heu genannt, welches in den Scheunen der exarten Disciplinen anfgehäuft ist; hier und da bietet man ihr wohl auch eine frische Blume der Literatur, aber nicht um sie an der Schönheit und an dem Wohlgeruche der Blume sich ergötzen zu taffen; sondern nur um an dem Exemplar d e Art nach Staubfäden, Pistillen, Blätterstand und Wurzelfaser anschauen und auswendig leinen zu lassen. Das Paradies der Gedankenwelt mit seinen herrlichen Gewächse», „lieblich zum Ansehen und gedeihlich für den Genuß", hält man ängstlich verschlossen, angeblich der darin hausenden, verführerischen Schlange wegen", u. s. w. Es ist dies die einzige, etwas schärfere und leidenschaftlichere Stelle des ganzen Werkes, und ich möchte sie in ihrer Allgemeingittigkeit nicht gerade unterschreiben; gleichwohl theile auch ich in so weit die Ansichts Rülf's, als ich allerdings glaube, daß eine Befruchtung auch der nicht akademischen Jugend mit philosophischen Begriffen fy zu größerer Milde