Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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neuen Metaphysikers erhärtet werden: „Freilich jener Zustand des absolut Guten, welcher dem Pessimisten vorschweben und welchen er als Maßstab für die Wirklichkeit der bestehenden Zustände anlegen mag, ist nicht vorhanden, auch nicht erreichbar. Im Gegenteil, je näher wir ihm zu kommen trachten, je höher wir auf der Staffel des Besseren gelangen, je mehr sich der Ueberdlick erweitert und die Erkenntnis des Bessern vermehrt, um so mehr scheint sich das Ziel zu entfernen und vor unserifl Streben nach demselben zurückzuweichen." — „Die eigentliche Verwirklichung des Guten ist nur das Streben, ist die Entwicklung zum Guten. Das Gute besteht nur in der Ueberwindung des Schlechten." An anderer Stelle sagt er: „Des Pessimismus sieht an alles, was geschaffen worden und siehe, es ist alles seht schlecht! uud wenn auch hier und da etwas Gutes in der Natur vorhanden gewesen, so ist es entartet unter der Hand des Menschen." Daß, wie Schopenhauer behauptet, der Optimismus nicht nur eine absurde, sondern auch eine wahrhaft rauchlose Denkart sein soll, ein bitterer Hohn über die namenlosen Leiden der Menschheit: daß auch von dem geschichtlichen Fortschritte unseres Geschlechtes keine Besserung zu erwarten sein soll, da ein solcher Eigentlich gar nicht stattfinde, indem die moralische Beschaffenheit der Menschheit immer die gleiche bleibe, wie sehr auch die Zustände der Gesellschaft sich ändern mögen — solche Ansichten sind für Riilf schon keine Philosophie mehr, sondern! „Krankheit." „Nur ein moralisch! zerrüttetes oder krankhaft afficirtes Gemüt kann so reden." Ein einziger freier lind offener Blick in die sonnig verklärte, mit aller Schönheit und Pracht ausgestattete Wirklichkeit müsse alle solche trübseligen, hypochondrischen lebensüberdrüssigen Nacht- und Wahngebilde verscheuchen. „Die Welt ist vollkommen überall, wcs der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qüal," und mit diesen kleinen Qualen der Menschheit habe es auch noch so seine eigene Bewandtnis. Ja wenn wir den Menschen, wie er so gern wünscht und wich als die Krone der Schöpfung, als den Mitelpunkt der Welt betrachten dürften. „Was ist jedem, der Mensch, daß du seiner gedenkst, was ist der Erdensohn, daß du ihn in Betracht ziehst?" Der Mensch mit seinen Qualen und Leiden alterire ebensowenig die Weltvollkommenheit, wie das Würmlei», das sich unterm Fuße des Menschen winde, wie der Schmetterling, der sich am Lichte die Flügel verbrannt habe. Schmerzen und Leiden der Menschheit seien für das Naturganze vollkommen unmerkliche Thatsachen, vollkommen verschwindende Momente. Ueber das Naturganze, über die organische Natur, hat Rnlf seine ganz besonderen. von deüen der Schwärmerei für niechanische Erklärung durchaus abweichenden Ansichten. Er zweifelt zwar nicht daran, daß es vielleicht einmal der Wissenschaft gelingen könne, den Organismus auf rein mechanische Weise zu erklären, doch täusche man sich nicht, ruft er ans: auch die vollkommenste mechanische Erklärungsweise des Organismus wäre kein Beweis, daß der Organismus nun auch ein bloßer, ganz ordinärer Mechanismus sei. Der Organismus bleibt und wird stets bleiben das, was er ist, und ivenn auch die Erklärung seiner Entstehung auf rein mechanischem Wege vollkommen gelnugen wäre. „Wenn schon der kleinste Bestandteil, von welchem die Entwickelung beginnt, selbst ein vollendeter Organismus ist und auf rein organischem Wege zur Entwickelung getrieben wird, so kann der vollendete Olmanismus auch niemals wieder zum puren Mechanismus herabsinken. In der Erklärung des Organismus sei überhaupt die Schwierigkeit, die Wunderbarkeit der Sache gar nicht enthalten, als vielmehr in der Erklärung seines Mechanismus, wie überhaupt in der Erklärung des Naturmechanismus. Woher entnehme denn das Atom Vermögen und