Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 r- und macht gelegentlich dem Meister derselben seine tiefste Reverenz; aber auch Darwjn's „Kamvf um's Dasein" ist ihm ein Schlüssel mit verbogenem Barte; „es ist nicht allein ein Kampf um's Dasein", bemerkt er — „in weit höherem Maße und Grade ist es „die Beihilfe zum Da sei n", welche die Entstehung und Ausbildung aller Arten und Gattungen von Wesenheit fördern hilft. Es ist nicht allein Hast und Kampf, es ist auch Liebe und Friede, welche in unendlich wirksamerer und erfolgreicherer Weise den Weltwesen zum Dasein verhelfen." Aus diesen kürzen Sätzen wird schon erhellen, daß Rülf's Metaphysik sich vor dem Fehler der sogenannten „übersinnlichen Erfahrung" überall mit gutem Erfolge hütet, und sich mehr als rationalisirter Empirismus darbietct — die einzige Art von Metaphysik, der sich die Teilnahme eines auch breiteren Laienpublikums heutzutage zuwenden dürfte. Sie ist ein rationalisirter Empirismus streng realistische>n Charakters und setzt sich nirgends mit der Logik und den modernen Naturwissenschaften in Widerspruch. Was ihr aber unser ganzes Herz gewonnen hat, das ist die Thatsache, daß sie jeden Pessimismus abzuweisen versteht und einen vernünftigen Optimismus wieder in seine unverjährbaren Rechte einzusetzen beslissin ist. Zu diesem Standpunkte scheint Rülf in Anlehnung an Herbart gekommen zu sein, der mittelst einer positiven Kritik die objektive Welt, die Kant sehr fragwürdig gemacht hatte, in aller ihrer Wirklichheit wieder herzustellen versucht hat. Rülf nimmt die Welt als das, was sie unfern gesunden Sinnen scheint; „aller Sophistik, Kritik und Skeptik und mehr noch allem Jdealismus gegenüber möchten wir mit allem geziemenden Respekt vor ihren philosophischen Kuustleistungen geltend machen, daß in der ganz ordinären Anschauung der Menschen, selbst des Kindes, mehr Weisheit und Wahrheit liegt als in allen complicirten Weltanschauungen, welche man mittelst abgrundtiefer, philosophischer Contemplation aufzustellen vermochte, daß die Welt aber auch tausendfach schöner und besser sei als in den künstlichsten und raffinirtesten Darstellungen philosophischer Schulweisheit." — „Der Schein in der Natur trügt nicht; er ist die wahre und wesenhafte Erscheinung des wahren und wesenhaften Seins." — „Der Sinn ist durchaus nichts a nderes als die Organ gewordene Erscheinung selbst. Das Auge ist das Organ gewordene Licht, das Ohr ist der Organ gewordene Schall." — „Der Pessimist, welcher überall das Schlechte nnd Schlechteste wittert, kann unmöglich Recht behalte», weit unter seine» Voraussetzungen die Welt, natürliche und inenschliche, gar nicht lebens- und existenzfähig wäre, weil unter der Herrschaft des Schlechten die Welt sich nicht erhalten könnte, sondern sich notwendig zu Grunde richten müßte. Die rieseugewaltigen Fortschritte zum Bessern kann nur der leugnen, dem alles und jedes historische Bewußtsein abgeht. Wo ist aber neben einer solchen Einsicht noch Raum für einen Pessimismus? Nur das Gute erzeugt Gutes, das Schlechte kann nur Schlechtes hervorbringen und nur zum Chaos zurückführen." Wir meinen, daß in einer'Zeit, wo der Pessimismus, nicht der metaphysische, der ja vom großen Haufen seiner Nachplärrer gar nicht verstanden wird, sondern der ganz gemeine praktische Pessimismus zur Herrschaft gekommen ist, jener Pessimismus, der die Thatkraft lähmt, das Gewissen chloroformirt und seinem Bekenner entweder einen verzweifelten, oder trotzigen, immer aber einen unschönen Ausdruck verleiht, — wir meine», daß in einer solchen Zeit ein vernünftiger Optimismus erlösend und befreiend wie ein Evangelium wirken müßte. Daß der Rülf'sche Optimismus nichts mit jener von Schopenhauer als ruchlos gebrandmarkten Anschauungsweise gemein hat, mag durch das Bekenntnis des