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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 9

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 j Gerhard v. Amyntor über die philosophischen Leistungen eines Rabbiners. Eine neue Metaphysik und zwar, wie ihr Verfasser sich bescheiden ausdrückt. ein „System einen Metaphysik"! Wie dr reine Lyriker unter den Dichtern, so ist in neuerer Zeit auch der reine Metaphysiker unter den Philosophen, und zwar dort zuni Nachtheil der Dichtkunst und hier zum Nachtheil der Denkkunst, in einigen Mißkredit gekommen. Die Metaphysik ist aber so alt wie die Menschheit! der erste Mensch, dem, sich schon zwischen Erfahrung und Logik scheinbar unüberwindliche Widersprüche, boten, stand ahnungslos vor metaphysischen Problemen, mit denen er sich auf seine Art abzufinden hatte; und noch der letzte Mensch wird mit seinen! letzten Seufzer die Fragen des metaphpsischen Katechismus um eine unbeantwortete vermehren. Ueber Dem, was „hinter" der Natur steckt, werden wir nie zur Ruhe kommen, der treibende Wiederspruch wird nie ganz ausgeglichen werden, und so wird es eine Metaphysik geben, so lange es Menschen giebt- Daraus evhqllt klärlich, daß kein System der Metaphysik, und wäre es das tiefste und glänzendste, uns jemals an's heißbegehrte Ziel des Wissens führen wird, daß sich! der Methaphysiker schon seiner Aufgabe gewachsen zeigt, wenn nur die Art, wie er forscht und wie er mit dem Netze der Logik seine Schlüsse aus deni großein Gedankenocean fischt, eine eigenthümliche, uns iuteressirende und mehr oder minder zur Beistimuiung zwingende ist. Wer dies zugiebt, der wird mit höchster Genugthuung von dem in der Geschichte der metaphysischen Forschung jedenfalls eppchemachenden Werke des Dr. I. Rülf: „Wissenschaft des Weltgedankenis und der Gedankenwelt — Systein einer neuen Metaphysik" (Verlag von W, Friedrich, Leipzig, gedruckt bei F. W. Siebert in Memelj 2 Bde.) Kenntnis nehmen, und ich inöchte Jeden, dem sich die Welt und das Leben noch nicht so materialistisch verflacht hat, daß er nirgends mehr ein Räthsel findet, auf diese „Wissenschaft des Weltgedankens und der Gedankenwelt" als! auf eine reiche Quelle hohen Genusses nnd mächtig nachwirkender Anregung hierdurch Hinweisen. Dr. Rülf ist j ein strenger Logiker, der niemals in's Blaue hinein irrlichtelirt. „Keine Metaphysik ohne Logik!" ruft er gelegentlich aus, „die Metaphysik fußt auf der Logik, welche im Zerlegen die Verbindungen klarlegt, den Umfang im Inhalte aufzeigt. Jede Metaphysik nur so von oben herab durch allerlei Methoden und Betrachtungsweisen entworfen und gezeichnet, kann sehr tief und geistreich, sehr originell und instruktiv sein; allein sie bleibt so lange ein Luftschloß, eine glänzende Fata Morgana, als ihr nicht durch die logische Betrachtung und Unterscheidung ein in allen Theilen geklärtes und bestimmtes Material zugeführt wosden ist, aus welchem sie von Grund auf Schicht um Schicht, Stockwerk um Stockwerk ihres Gebäudes aufgerichtet." Dr. Rülf ist aber nicht bloß Logiker, er hat sich auch befruchtet mit dem Gedankenertrage aller seiner Vorgänger in der Denkkunst, jedoch so, daß er jedem derselben gegenüber seine eigene Art und Weise des Denkens behauptet hat. Er verwirft die „Substanz" Spinoza's, die „Monade" Leibnitzens, das „Ich" Fichte's, das „reine S^in" Hegel's und bezeichnet sie als Gedanken, aus denen eine von der wirklichen ßVelt nur grundverschiedene Gedankenwelt abgeleitet werden konnte. Auch mit beif modernen Naturwissenschaft hat er engste Fühlung

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