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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Da ging sanft und zagha leise, ganz leise die Thür, ein Schritt ließ sich vernehmen, so t wie vormals jener seines Weibes, und dann zupfte es am Äermel, erst furchtsam und dann immer dringender. Rabbi Abdon ließ die Hände sinken und hob den Kopf. Träumte er noch weiter, oder war es eine selige Vision? Vor ihm stand ein Knabe, groß und schön — Simon — sein Sohn — wie er in jenen Tagen gewesen war, alsder Greis sich abgemüht hatte, ihn beim Talmud und bei der Kabbalah festzuhalten. Langsaiii, immer von der Furcht geleitet, das schöne Bild könnte zerfließen wie der Nebel, wie die Phantome, die seine Erinnerung ihm vorzauberten, hob Rabbi Abdon die zitternde Hand und berührte den Knaben. Nein, es war kein Scheinen, er lebte. Der Greis, der die Arnie »ach ihm ausbreitete, um ihn zu segnen, um ihn an sein Herz zu ziehen, sprach feierlich den Namen des Ewigen aus, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, und begann dann laut zu schluchzen. Durch di: offene Thür stürzte jetzt Simon herein und zu den Füßen seines Vaters, der den verlorenen Sohn stumm an seine Brust drückte. Darka folgte, ein kleines Mädchen an der Hand ltnb ein zweites auf dem Arme. Als Simon aufstand, staunte ihn der Rabbi an. Er stand so groß, so kräftig vor ihm in seinen hohen Stiefeln, seinem roten Hemde und seinem langen Tuchrock, und wst schön kleidete das junge, jüdische Weib der Kokoschnik der russischen Bäuerin! „Deine Kinder!" sprach Rabbi Abdon. Es waren die ersten Worte, die über seine Lippen kamen. „Ja, Vater, dies ist Simon, der älteste, er hilft mir schon säen und führt die Pferde, wenn ich pflüge, und er liest^auch schon die Thora und den Talmud." „Ihr habt Land gekauft? womit?" fragte der Rabbi. „Mit dem Erlös unsrer Arbeit," erwiderte Simon, „wir haben gepflügt, gesäet, geerntet und gespart, und heute sind wir reiche Bauern." „Und es wird dir nicht schwer dein Feld zu bestellen?" forschte der Greis „kann dein Körper es aushalten?" „Vater! ich war auch Soldat," rief Simon stolz, „ich habe mich gegen die Türken in Affen geschlagen und war dabei, als Grenadier, an dem Tag der Ehren, wo wir Russen die Festung Kars mit Sturm nahmen." „Wir sind! gekommen, um Dich zu holen, Vater," sprach jetzt Darka mit einem herzlichen Lächeln. „Ja, Großvater," rief der Enkel, der zwischen seinen Kniee» stand, „ich habe schon eine Laube füwDich erbaut vor dem Hause; dort werden wir zusammen die Haggadoth lesen, willst Du?" „Ob ich will!" rief der Greis, „gewiß will ich, Simonchen!" Heute wohi seinen Enkeln. D die Reise mitgema der kleine Simon das der Knabe ih leuchtet der blau klingen die Sichel Gottes mit seinem <t der Rabbi Abdon bei seinen Kindern und mitten unter e Gesetzesrollen, der Talmud, der Sohar und der Jlan haben st. Er sitzt aber lieber in der Laube vor dem Hause, die ihm erbaut hat, und noch, lieber in/ dem Haus aus Garben, n aufrichtet, jedesnial, wenn die lernte begonnen hat. Dann Himmel über ihm, mn ihn wehen die Halme und Gräser, die Lieder der Schnitter, und er sitzt mitten in dem Segen Talmud, wie ein Patriarch.

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