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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 ei»gingen? Wozu diente ihm seine Macht über die Geister und Dämonen? Er konnte Samael und Aschmodai bannen, wen» er wollte, und die schöne Lidlith zwingen, seinen Geboten zu gehorchen, aber er war machtlos gegen den Nebelnder sich um ihn zu Gestalten zusammenballte, gegen die Stimmen, die in de?- Stille des Abends heimlich zu flüstern begannen. Ja, er war allein niit seinen toten Schätzen, und er hatte doch einst ein geliebtes Bleib gehabt, schön und tugendsam, und einen Sohn — ja, dieser Sohn — wo war er? '— lebte er noch? . . . oder war er geschieden von der Erde wie seine Mutter? Sie lvar ein stilles, reizendes Geschöpf, diese kleine Frau, die schlank und scheu wie ein Reh durch sein Zimmer schlüpfte, wenn er in seine Folianten versunken war. Selten nur stahl sich ihr Lächeln wie Mondlicht in seine Seele, meist beachtete er sie gar nicht. Vergebens schmückte sie ihre anmutigen Glieder, vergebens ließ sie ihre Helle Stimme, ihr verschämtes ^Lachen in diesem finsteren Raume ertönen, in dem sich ein kleiner Menschengeist! vermaß, die Pforten des Paradieses und der Hölle aufzureiße».! Und st«! hatte ihn dennoch geliebt, aber einsam, mit ihrem armen, darbenden Herzen war sie zu früh dahingewelkt, und! eines Tages lag sie mit ihrem letzten Lächeln auf den kqlten Lippen da, und er hatte sie verloren, für immer.! Und jetzt! jetzt hätte er den kleinen Samtpantoffel an ihrem Fuße küssen mögen, toenn er nur wieder einmal ihren leisen Schritt hätte vernehmen können inmitten dieser mit Staub und Moder bedeckten Welt, die ihn umgab. * * * Aber sein Sohn! Er lebte vielleicht noch, nur weit von ihm, sehr weit in der Ferne! Er war sein ganzer Stolz gewesen. Er sollte nicht allein der Erbe seines Namens, aller seiner Habe werden, ein ungleich kostbareres, heiliges Vermächtnis wollte er ihm hinterlassen, seine ganze Weisheit, das Gold der Wissenschaft, das er aufgespeichert, alle Geheimnisse, die ihm die Zauberkraft der Kabbalah aufgeschlossen hatte, und er hatte dies alles verschmäht um eines thörichten Mädchens, um einiger grüner Bäume und um eines Feldes voll reifender Aehren willen. Zum Rabbiner war er bestimmt, der kleine Simon, aber er liebte die Stubenluft nicht. Wenn der erste Sonnenstrahl auf den Lederband fiel, vor dem er saß, wer es wie ein goldener Faden von Feenhand gewoben, der ihn ..„s. hatte er erst diese schwarze Erde betreten, die der russische Bauer da fühlte er gleich diesem den Atem der treuen unwandelbaren Einzigen, die uns jede Sorgfalt, jeden Dienst tausendfach zurückgibt, da hörte er in den säuselnden Halmen, in den rauschenden Blättern die geheimnisvolle Sjimme der ewigen Mutter. „Oh! ich kenne ein schöneres Buch", sprach er dann zu seinem Vater, auf den Talmud deutend- „das hat Gott selbst geschrieben, darin ist der grüne Wald zu sehen und Sonne, Mond und Sterne." Wenn dre Bauern ackerten, folgte er von ferne, gleich den Krähen, ihrem Pfluge, und wenn die Sicheln zur Erntezeit erklangen, verbarg er sich hinter den hinauszog, und so zärtlich liebt. Freundin, der Garben und we reichen Mannes Rabbi Abdon hatte ihn schon als Kind verlobt mit der Tochter eines nte. von gleich edlem Stamme, des Kaufherrn Jonathan Ben Levy

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