Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 erloschen und hatte die Nacht nicht zu! bannen vermocht, durch welche Israel ininitten der Völker dahinschritt. Wann ist nun Israel endlich doch auf den Weg gekommen, auf/welchem es seiner Bestimmung gerecht werden und jene geistige Standkraft gewinnen konnte, deren es zur Wahrung seiner heiligen Geistesgttter so sehr bedurfte!? Nicht eher, als bis ihm selbst der Morgen der vollen Gotteserkenntnis aufgegangen und kein götzendienerisches Verlangen mehr in seinem Herzen zurückgeblieben war. Als Israel ans. seiner irdischen Heimat vertrieben, seine Geistesheimat sich zu erhalten suchte, als es an den Strömen Babylons der Vergänglichkeit irdisches Größe gedachte und in Gottessinn, Seelengröße und Glaubenstreue seine wahre Macht und Stärke erkannte, da hatte es sich Über die Finsternis früherer Zeiten für immer erhoben und sich einen unvergänglichen Bestand für die Zukunft gegründet. Jetzt erhebe dich und laß „dein Licht erstrahlen," ruft der Prophet dem geistig erlösten Israel zudenn „dein Morgen, ist gekoinmen und Gottes Herrlichkeit strahlt auf deinem Haitpte. Mag Finsternis die Erde bedecken und Dunkel alle Völkerkreise, über dir strahlt Gottes Licht und in seiner Herrlichkeit wird er an dir sich offenbaren." Erst wenn der großen Äesammtheit des Volkes die Religion zur innereu Lebensmacht geworden und die Lehre des Ewigen in den Herzen ihre Tempel sich anferbaut hat, so daß sie nicht etwa auf einzelne Männer sich stützen muß, mit denen sie steht und sällt und noch weniger äußerer Prunk und Menschenweisheit als Ersatz an ihre Stelle treten, erst dann ist in Israel die Nacht der Geistesfinsternis geschwunden und der Tag seines Lichts gekommen, der strahlende Morgen, der immer heller emporleuchtet bis die weite Erdenwelt erfiills. Lassen wir nun, wie unser uns daran gemahnt, dfls Licht unserer , erhabenen Israel erstrahlen daß es da nicht wieder finster werde, daß rige Nacht des Wahnes und der Gottlosigkeit zurücksinkeil den Weg der Wahrheit, verlieren!! Glauben! wir nichts daß das bloße Festhalten an den Ueberlieferungen der Vergangenheit, die äußere Uebung des Gesetzes, die blinde Unterwerfung unter das "Herkommen, die Religion vor Verfall und Untergang schützen könnte. Wenn sie nicht in unserem Herzen ivohut uiid unsere Seelen mit heiliger, gottergebener Gesinnung erfüllt, dann ist und bleibt sie uns fremd, so sehr wir es uns auch einbilden mögen, daß sie ihre Heimat in unserer Mitte hat und uns zum unverlierbaren Besitze geworden ist. Formen können den Geist anregen, aber nicht ersetzen, weiden sie aber noch dazu mißbraucht, ihn zu verhüllen, zu verdunkeln und zu verdrängen, dann wird dadurch nur das Gegentheil von dem erreicht, was die Religion in uns bezwecken will. Die leere Formgerechtigkeit ist nur ein Fackelschein, der wohl für den Augenblick in die Finsternis unseres Herzens hineinleUchtet, sie aber nicht für die Dauer zu bannen vermag. Höher als solchen müssen wir die Reinheit unserer Gesinnung schätzen die in dem himmlische» Sonueülichte der Religion uns erblüht. Wir sollen uns aber auch nicht durch den Glanz des äußeren Ansehens, der schützend auf dem Judentum zu ruhen scheint, täuschen lassen und damit genug gethan zu haben glauben, daß wir nur vor den Äuge» der Völker uns groß stellen, damit sie uns viel Hohes und Rühmliches nachzusagen haben. Unsere Ehre finden wir nur darin, daß wir unsere Lehre achten, üben und pflegen, und selbst wenn die gebührende Ehre von außenher uns versagt wird, wenn wir.geschmäht und verkannt werden, wird es uns umsomehr zur Pflicht, die geistige Größe Israels durch unser Thun und er mit seinem Glanze makkabäisches Lichtfest Glaubenswahrheit in wir nicht in die schau- und unseren Weg,