Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 umsäumte, dann lüber die Gipfel der Berge dahinsprang, in die grünenden Thäler Hinabstieg und »nie mit einem Zauberstabe die Schleier der Finsternis hinwegrollte, die das Antlitz der Erde verbargen. Das war der Morgen, der in lachender'Jugendfrische herangezogen kam; das war das weltumstrahlende Sonnenlicht vor dessen Glanze alle Schatten und Nebel eiligst entflohen. Jetzt sah der Wanderer seinen Weg und wollte immer nur auf lichten Pfade» wandeln und niemals mehr in Dunkel und Finsternis dahinirren. Wenn wir nun fragen, wer der Wanderer sei und ob das alles in Wahrheit sich so verhalte, wie es da erzählt wird, so erhalten wir in den Schriften unserer Weisen, die uns das mitteilen, auch hierüber die nötige Belehrung. Den Wanderer nennen sie Israel und das Sonstige versteht sich von selbst, wenn wir dessen Wege im Laufe der Zeiten betrachten. Finsternis bedeckte die Erde, Dunkelheit die Bölkerwelt. Geistesnacht hatte über die weiten Gefilde der Menschheit sich ausgebreitet, weil sie zu dem Gvtteslichte nicht emporzuschauen vermochte, das allein uns den rechten Weg zeigt, de» Weg der wahren Tugend und Erkenntnis. Israel sollte nun den anderen Völkern voranschreiten und durch die Finsternis zum Lichte hindurchdringen, die Pfade aufsuchen, die zu ihm führen und auf den Bahnen dahinziehen, auf denen die Ziele der Vollendung erreicht werden. Als nun Israel seine Wanderung antrat, da war es selbst auch noch von der Finsternis umgeben. Zwar glänzten an dem Himmel seiner Vergangenheit die hellstrahlenden Sterne seiner großen Vorfahren, aber dieser Himmel war verhüllt durch das düstere Gewölk seiner eigenen Verkümmerung, in welcher es in Aegypten auch zu einem geistig geknechteten Volke herabgesunken war. Da kam Moses und brachte dem in Finsternis hinwandelnden Volke die leuchtende Fackel des Gottesgesetzes; der Herr offenbarte sich seinem Volke und die Herrlichkeit des Ewigen wurde an ihm sichtbar. Nun hätte doch Israel ob auch in der weiten Völkerwelt noch immer undurchdringliche Geistesnacht herrschte, seinen Weg finden und auf dem Pfade der Wahrheit sicher dahin schreiten können, da ihm doch ein Licht gegeben war, das durch alle Finsternis nicht verdunkelt wird. Aber weit gefehlt. Kaum hatte sein Führer Moses es verlassen, da nahm es die Fackel der Gotteslehre und trat sie in den Staub. Sie war ihm etwas zu schwer geworden, um sie immerfort in der Hand zu tragen, und da glaubte es, da sie ihm einmal in die Ferne hinausgeleuchtet hatte, sie auch entbehren zu können. Aber wie das Licht fehlte, war auch gleich die Finsternis wieder da. Auf die Begeisterung bei Sinai folgte, gar bald das Götzentum des goldenen Kalbes, auf Moses und Josua folgte die traurige Richterzeit, in der das ganze Volk den Baalim und Astarten zu Füßen lag. Min war die Finsternis gar groß in Israel geworden, es wandelte in steter Nacht dahin und hatte jede Spur, die auf den rechten Weg es hinführen könnte, verloren. Doch abermals flammte eine neue Leuchte vor ihm empor. David und Salomo brachten über Israel eine Herrlichkeit, wie es sie niemals früher gekannt hatte, so daß es groß und angesehen unter den Völkern dastand, nicht nur gefürchtet in seiner Macht sondern auch berühmt durch seine Weisheit, Äeichtümer der Erde und Schätze des Himmels in seinem Besitze vereinend. Doch wie rasch gieng das Alles wieder dahin! Es kamen auch bald wieder die Stürme, die Israels Macht zertrümmerten, und die vielbewnnderte Weisheit, die myn von fernen Landen zu hören kam ist, da sie von Gott sich abwandte und nur auf menschliche Einsicht sich aufbanen wollte, sogar zum Wahne und zur Thorheit geworden. Auch diese Leuchte, die so vielen weitstrahlenden Glanz um sich verbreitete war 1*