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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-12-01 · Heft 12 (1.12.1886) · p. Seite 276

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 12 (1.12.1886)
Date
1886-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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276 auf der Straße verharren andächtig lauschend, wenn das göttliche Wort durch die Lüfte zieht, — ja, ein schwacher Laut, aus dem heiligen Buche gelesen, hat überall gleiche Klänge erweckt. Welch ein Zailberbuch bilden diese mit Hieroglyphen gefüllten Blätter! Auch noch andere Gefühle stellen sich im Gefolge dieser heiligen Betrachtungen ein in der Brust des Knaben. Seine Mutter, wie beglückt wird sie in seiner Nähe sein, wenn sie stolz auf ihn, den Lehrer, zeigen wird! sein Vater, -< den die Sorge um das Dasein niederdrückt, wie wird sich seine Stirne glätten, sein Herz erleichtern, wenn sein Sohn ihm einst tragen hilft die schwere % Last des Daseins! Entbehrungen und Entsagungen, was sind sie gegen solche goldene Zukunftsverheißung? — er will, und gelobt es sich heilig, ganz und gar seiner Aufgabe leben, er will alle andere Regungen in sich ersticken, um seines Zieles gewiß zu sein, er will nur die heiligsten Ideale in sich nähren, keinen Makel soll die Welt an ihm finden, kurzum, Prophet, Jude, diese Begriffe, die alles Andere für ihn einschließen — er will es sein, Gotteskämpfer und Gottesmann, nichts ist-ihm schwer. So zieht sein Geist über alle Hindernisse im Fluge, und versetzt ihn schon inmitten der Erfüllung aller Träume! ' Armer, betrogener Jüngling! Tausende haben schon an diesen Träumen, an diesen frommen Hoffnungen und Wünschen ihr Lebensungliick genährt und großgezogen, sind kläglich von der Höhe ihres Aufschwunges herniedergestürzt und siegen nun zerschmettert am Boden! Wer nennt, wer zählt in der Geschichte jene Männer und Helden und Märtyrer, die erfaßt von glühender Begeisterung den Weg der Ideale zogen, die Tausende des Volkes mit sich Heraufziehen wollten und als Opfer ihrer edlen Bestrebungen verbluteten, verbluteten aus tausend Wunden! Blindlings deinem Ideale nachgehend, gewährst du nur der schadenfrohen, ungläubigen Menge ein Schauspiel niederer Befriedigung. Sie begreift dich * nicht und dein Sehnen. Schon lebst du in einer höheren Welt und willst deine Umgebung zu dir hinaufziehen. Geister, nicht Menschen, sind es, die du betrachtest. Du willst auf sie wirken, und auf dich wirken lassen! All dein großmütiges Streben bringt dir Beleidigung und Verachtung als Lohn. Die Höhe, auf die du dich stellst, steht im Gegensätze init derjenigen, zu der Alles strebt, auf der Alle sich glücklich, heimisch fühlen. Du beleidigst die Menschheit, indem du sie in ihrem gemächlichen Wohlbehagen störst. So giebt es nur Kämpfe, Not und Elend in Zukunft für dich. Und Alles dieses weßhalb? Kann der von jener unheimlichen Krankheit, die wir Hypnosie mit modernem Ausdruck nennen, früher aber Prophetie benannt war, Betroffene, kann er anders erscheinen, anders sich geben? Die Hypnosie, jenes tiefe Schauen im Schlafe, jenes magnetische Hellsehen im Sinnentode, ist ein Geheimnis, darin die Welt den Schlüssel zu dem größten Räthsel der Weltgeschichte gefunden haben will! Der Ursprung der Religion, des Glaubens, der Mittheilung Gottes an die Welt, — ist Hypnosie. Moses war von Hypnosie befallen, in einem Zustande, da er nicht aß und nicht trank, vierzig Tage lang, aber göttliche Erscheinung hatte. Ein geheimnißvolles Wesen zog an seinem Sinne vorüber, es ist, es war da, — es sprach mit ihm, aber er nahm keine Gestalt wahr! Im wachen Zustande mußte er Alles, was ihm mitgeteilt war, Wort für Wort wieder mitteilen. Sollte vielleicht der große Gesetzgeber das Geheimnis verstanden haben, das ganze Volk in einen magnetischen Schlaf zu versetzen, und die göttliche Erscheinung am Sinai ihm im Schlafe vorzuführen, so, daß es nun unwillkürlich von jener geheimnisvollen Kunde gej -*11 i'lil üttÜH

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