Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-12-01 · Heft 12 (1.12.1886) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 12 (1.12.1886)
Date
1886-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969919-2969932--1823-2976438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 273 — gegenüber, wie er liebevoll mit Elieser, dem Knechte, verkehrte. Konnte die da-Imalige Menschheit eine solche Ausnahme in ihrer Mitte dulden, so sie allzudeutuch hervortrat? Mußte nicht eine Lehre, die Wahrheit, Gleichheit, Freiheit, Gotteserkenntnis, Menschenliebe, Barmherzigkeit, Frieden, Duldung, Recht, Einsicht, Schonung und Demut predigte, währendem sonst überall Wahn, Krieg, Tyrannei, Kastenwesen, Götzendienst und Lieblosigkeit, Selbstsucht, Unduldsamkeit, Gewalt, Thorhei,t Stolz und Grausamkeit herrschten, um ihrer gefährlichen Lehren willen verfolgt und unterdrückt werden? Die sollen nur schwer arbeiten, unter der Last des Druckes seufzen, die sollen nur recht gepeinigt und eingeengt werden, da werden sie aufhören sich mit solch müßigen Dingen als Wahrheit,. Freiheit, Gleichheit und was dergleichen noch mehr sind, abzugeben, sagte der König des hochgebildeten Aegyptenvolkes, der schon damals auf der Höhe unserer jetzigen Zeit stand, indem er fragte, wo es denn einen Gott g ebe, dem er folgen solle. Und die Geschichte dieses Kampfes, des Kampfer, den das Heidentum gegen das Judentum geführt hat und der Siege, die wir erfochten haben mit den Waffen des Geistes, .sie wird gewiß durch das Makkabäerfest, das wir demnächst feiern, genug deutlich beleuchtet. — Den Schauplatz des Strettes verließ nun Jsak und grub seinen Quell an einer andern Stelle auf» aber siehe, wiederum fanden sich Neider und Hasser, die ihn befehdeten und den Besitz seines väterlichen Erbes ihm streitig machten, und er nannte diesen Ort Ort des Hasses. Wenn wir von Land zu Land gicngen und alle die Städte aufsuchten, in denen Israel in den früheren Jahrhunderten seine Wohnsitze aufgeschlagen, auf welche paßt dieser Name, den Jsak für seinen zweiten Quellort ersonnen, nicht? Sit nah, Stätte des Hasses und der Anfeindung, so hätte Israel damals die ganze Welt nennen dü^en, von der es umgeben war. Das alte Heidentum war gestürzt, aber nicht überwunden, nicht getötet; es lebte, kaum zu Boden geworfen, wieder auf. Mit Worten wurde es verflucht, aber in Thaten wurde es noch fortgesetzt, aus der Glaubensanschauung wurde es gebannt, aber in den Lebenseinrichtungen wurde es geschont, wurde es mit zäher Starrheit und in blindem Eifer noch forterhalten. Den alten Quell der Religion, den Israel mit so hingebender Treue bewacht und gehütet, den wollte man ihm entreißen; ein neuer Name, den man ihm verlieh, sollte das Andenken an den alten Eigentümer verttlgen und auslöschen. Ob man diesen Quell in Besitz genommen, um ihn zu trüben, zu verschütten und mit Staub anzufüllen, oder um daraus einen Strom der Geisteserfrifchung über die Gefilde der Menschheit zu ergießen, darüber mag die Geschichte ihr Urteil sprechen. Wir wollen die Kämpfe, die um den Quell sich erhöben, jetzt ruhen lassen, wenn sie auch immer wieder zu neuem Leben zu erwachen scheinen. Aber die Erinnerung an die so selbstbewußte und doch so nachgiebige, an die so unbeugsame und doch so hingebungsvolle Haltung, die Israel da bewiesen gegenüber denjenigen, die in den Brunnen, aus dem sie gettunken, den Stein hineinwarfcn, die soll nicht begraben werden, die soll als ein unvergängliches Zeugnis der Treue, des Gottessinnes, der Wahrheitsliebe uns stets bewahrt und erhalten bleiben. Mitten in der Finsternis des Hasses, die immer dichter und dichter sich über dem Haupte unserer Väter zusammengczogcn, haben sie zu dem Lichte der Hoffnung ihr Auge erhoben, haben sie die liebevolle Erwartung in ihrem Herzen gewahrt, daß die Völker, die im Rausche des Wahnes blind dahintaumeln, einst zu besserer Einsicht und Erkmntnis erwachen werden, haben sich erhalten den Glauben an den Gott, der sie nie verlaffen und verstoßen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.