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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-12-01 · Heft 12 (1.12.1886) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 12 (1.12.1886)
Date
1886-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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I — 271 — indem sie so ihre weisen Mahnungen und erhabenen Wahrheiten in sichtlichen Gestalten ausprägt, uns durch die klare Anschauung zu sittlicher Gesinnung anleiten, uns durch das Leben für das Leben erziehen will. Sie beginnt nicht sofort damit, Weisungen und Vorschriften an uns zu richten, die so lehrreich, so trefflich, so beachtenswert sie auch sein mögen, doch oft nur dem gereiften Denker, dem vielerfahrenen Forscher in ihren Gründen sich offenbaren. Auch das bunte, vielgestaltige Völkerleben mit seinen mannigfachen Erscheinungen und Verzweigungen, das ruhelose, geräuschvolle, den Blick verwirrende Getriebe der großen Weltgeschichte ist es nicht, was sie uns zunächst vor Augen stellt. Nein! in die engumgrenzte Häuslichkeit einzelner Menschen, einzelner Familien führt sie uns zunächst ein und ganz alltägliche Vorgänge, die, so bedeutsam sie dem, den sie betreffen, auch erscheinen mögen, doch gar oft sich wiederholen, sind es, die sie uns da zeigt. Wir sehen die Liebe, die vereint, und wiederum die Zwietracht, die die! .Vereinten trennt. Wie sehen die schwere Sorge und den harten Kampf des Lebens, der da jeden zur Arbeit ruft und zu hilfreicher Teilnahme, wir sehen wiederum die Wonne, die aus der Innigkeit treuen Zusammenlebens erblüht, den Segen, der aus den Gefilden redlicher Thätigkeit erwächst. Zwischen den vier Wänden des Hauses bewegt sich ja auch zunächst unser Dasein, da ist der eigentliche Wirkungskreis des Menschen, das ist das Reich, das ihm zugewiesen ist und wer da seine Pflicht nicht erfüllt, da sein höheres Menschtum nicht bekundet, der mag von aller Welt sein Wirken riihmen und bewundern lassen, er muß dennoch sich ehrlos vor sich selbst erscheinen, wenn der stolze Bau--seines Ruhmes auf den Trümmern seines häuslichen Glückes sich erhebt, das er zerstört hat mit eigener Hand. Keine Mahnung, keine Betrachtung kann daher für uns so lehrreich sein, als der Einblick in das Leben der Familie, in deren engem Kreise so viel Tugend und Seelengröße sich entfaltet, in deren Mitte der Mensch sich in seinem rechten Lichte zeigt und nie wäre in den Häusern und Familien Israels eine solche Innigkeit und Herzlichkeit, ein solch unvergänglicher Segen und Frieden heimisch geworden, hätte es nicht die Gestalten seiner Väter stets vor Augen gehabt, die Bilder! seiner ehrwürdigen Ahnen, die die Vorhalle zum Heiligtum seiner Lehre schmücken. Wie aber das, was sie, die Einzelnen, in ihrer kleinen Umgebung gewollt^ und gethan, für Alle, für den ganzen Stamm, der von ihnen sich herleitet, Beispiel und Mahnung werden kann, wie jeder Zug, der an ihnen bemerkbar - gemach! ist, dazu dienen soll, uns vorbildlich unsere eigene Pflicht darzustellen, das ersehen wir aus der schlichten Erzählung der heiligen Schrift von den Brunnen, die ein't Abraham hatte aufgraben lassen in dem Lande und welche die Philister mieden m verstopft und mit Erde bedeckt hatten. Als sein Sohn Jsak in das vc terliche Erbe eintrat, da ließ er — wie uns erzählt wird — alle die Wasser wellen, die man in den Tagen Abrahams aufgegraben und die inzwischen die Philister verschüttet hatten, nach dem Tode des Vaters wieder öffnen und gab ihr en dieselben Namen, die ihnen einst sein Vater gegeben. Nicht daß die Not ihn dazu gedrängt hätte — denn er war mit außerordentlichem Reichtum gesegnet — nicht daß Widerspruch seiner Feinde ihn! dazu gereizt hätte — er war ihnen stets friedlich aus dem Wege gegangen — aber es war die Ehre seines Hauses, die Ehre seines Stammes, es war die Ehre des im Grabe schlummernden Vaters, die den Sohn nicht ruhen ließ, die er nicht der Geringschätzung und Herabsetzung preisgeben konttte. Der Quell, den Abraham eröffnet, den soll keine fremde Hand trüben und zufülleß; wenn auch einstmals vergraben und verschüttet, soll doch wiederum reich und klar sein Sttom sich ergießen. Der Name, der ihm gehört,

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