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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-11-01 · Heft 11 (1.11.1886) · p. Seite 263

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 11 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
Seite 263 (sequence 23)
Language
German
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263 durch Colossalstatuen von geflügelten Löwen mit Menschenköpfen".Die Eigenschaft einer dem Menschen freundlichen Macht wird auch im Talmud (Chagiga 14b) den Cherubim zugeschrieben und daraus, daß für das „Rind" Ezech. 1» 10 daselbst 10, 14 der „Cherub" genannt wird, gefolgert, daß letzterer nur als eine Umstaltung des elfteren anzusehen ist. „Der Löwe", heißt es ferner daselbst, „ist der König der Thiere, der Ochs der König des Viehs... über sie ragt der Mensch empor und über alle die Gottheit." Der Cherub, der die Gestalt eines Stieres oder in verwandter Darstellung' auch die eines Löwen mit einem Menschenkopfe erscheint, wird daher ursprünglich als das Symbol des die Kraft der wilden wie der zahmen Thiere in den Dienst seines Willens zwingenden Menschengeistes, in welchem sich dann die höchste irdische Macht repräsentirt, anzusehen sein. — Bon hohem Interesse ist es, daß, wie wir (S. 345) erfahren, der Name Abram auch auf assyrischen Monumenten aufgefunden wurde. Mehrere Jahrhunderte nach dem Tode Abrahams wurde der Name Aburamu von einem Beamten getragen. Direkte Nachrichten, durch welche die biblischen Traditionen über Abrahams Thaten uud Geschicke belegt und ergänzt werden, sind in den inschristlichen Quellen nicht aufgefunden worden, doch liefern Sprache, Sitte und Geschichte der Assyrer, deren Kenntnis wir durch dieselben erlangen, manchen wertvollen Stoff für die Entwerfung eines Situationsgemäldes des Zeitalters und Heimatslandes des Patriarchen, das manche Züge mit dessen Lebensbilde gemein hat. Viel ergiebiger sind die Aufschlüsse, die der Verfasser mit Hilfe der ägyptologischen Forschungen, auf. welche er mit der weitesten Umsicht und gründlichsten Sorgfalt eingeht, über das Leben Josephs und die Geschichte Israels bis zum Tode Moses' ermittelt hat (Bd. 2). „Einem direkten Beweise, belehrt uns der Verfasser (S. 4), „der von Moses in seiner Geschichte Josephs erzählten Thatsachen begegnen wir zwar in Aegypten nicht, aber der indirekten Beweise gibt es dort zahlreiche und sie genügen, um auch die empfindlichsten Kritiker zustieden zu stellen. Es gibt keine Einzelheit seiner Lebensgeschichte, welche nicht - durch einheimische Monumente und Dokumente bestätigt würde." Daß dieses Urteil nicht übertrieben ist, zeigen uns die weiteren Ausführungen, in welchen dasselbe durch reichliche und quellenmäßige Nachweise begründet wird. Fast wie eine Uebersetzung des Titel mer-pa (Chef des Hauses), der den Verwaltern und Auffehern, die die angesehenen Familien Aegyptens für ihr Hauswesen bestellten, beigelegt wurde (S. 28), klingt die Bezeichnung dieser Stellung im 1. Buche Mosis (39, 4, 5; 43, 16; 44, 1). Der „Roman der beiden Brüder", der in einem Papyrus-Manuscripte entdeckt wurde (s. S.. 33 ff.) bietet in Inhalt und Darstellung so viele Analogien mit der Geschichte des Joseph, daß Ebers sie „im Gewände und Tone für identisch" erklärt hat. Auch die Erzählung von den Traumdeutungen Josephs hat ihre Parallelen in den ägyptischen Dokumenten und selbst für das eine Moment in dem Traume des Mundschenken, für welches vergebens eine direkte Aufklärung gesucht wurde, nämlich dafür, daß der Wein aus den Trauben ausgedrückt und unmittelbar in den Becher hineingebracht wird, weist der Verfasser ganz gleichlautende Stellen aus den ägyptischen Dokumenten nach (S. 69). Die Glaubwürdigkeit des pentateuchischen Berichtes über die Leiden der Israeliten in Aegypten kann nicht besser illustrirt werden als durch die Thatsachen, welche der Verfasser mit reichem Wissen und richtigem Taste für die Erläuterung derselben herangezogett hat. Geradezu frappant ist die Mitteilung S. 235 „Ein Papyrus von Leyden bezeichnet ausdrücklich die madjain (Aufseher der Frohne) als beauftragt, die Arbeiten der Hebräer in der Stadt Ramses zu über-

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