Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1886)
- Date
- 1886-11-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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*’ *v< x r»~-, WMWMD — 262 — Gen. 2, 1 bewies, daß die Schöpfung der Erde der des Himmels vorangegangen sei, wie denn auch an einem Palaste die oberen Stockwerke nicht früher aufgeführt werden können, als bis der Bau der unteren vollendet ist. Die Ansicht der Schammaiten scheint die ältere und allgemein verbreitete gewesen zu sein, denn unter den Fragen, die Alexander der Macedonier an die „Weisen des Südens" gestellt haben soll (Tamid 31»), erscheint auch die nach der früheren Erschaffung des Himmels oder der Erde und die Antwort wird mit dem einfachen Hinweise auf Gey. 1, 1 iin Sinne der Schammaiten erteilt. Dieselbe Frage wurde auch später noch in den Kreisen der Schriftgelehrten besprochen, so daß endlich auch eine vermittelnde Ansicht zur Geltung gelangte, nach welcher die Schöpfung des Himmels und der Erde gleichzeitig erfolgt ist (Gen. r. a. a. O. und Mechilta Ed. Friedmann la). Wie man sieht, hat also die Schule Schammais die assyrische altsemitische Tradition, die den Himmel vor der Erde erschaffen sein läßt, beibehalten und. ist dann durch den Babylonier Hillel die persische oder chaldäische Anschauung, die er in seiner Stammheimat kennen gelernt hatte und die ihm als die natürlichere erschien, in die jüdische Kosmologie eingeführt worden. — Einzelne gleichlautende Bezeichnungen und analoge Darstellungen, welche der Verfasser in dem biblischen iSchöpfungsberichte und in den keilschriftlichen Darstellungen der Weltentstehung nachweist, machen es fast unzweifelhaft, „daß der israelitische Schriftsteller und der mesopotamische uns eine und dieselbe Ueberlieferung berichtet haben, die iü ihrem Ursprünge eine gemeinsame war, die aber verschiedene Niianeen angenommen hat, indem sie verschiedene Canäle durchwanderte" (S. 182). Weniger läm uns die Thatsache, daß das keilschriftliche Gedicht sowohl die Beschreibung der sechs Schöpfungstage als auch die des Sündenfalls enthält, einen sicheren Schluß auf die Unhaltbarkeit der Hypothesen, welche den Pentateuch als ein aus verschiedenen Urkunden hervorgegangenes Sammelwerk ansieht, ziehen. Da derselbe als Lehre und nicht als ein Geschichtswerk angesehen sein will, wie deren die Profanlitteratur genug aufzuweisen hat, kommt es auch gar nicht darauf an, daß die in dieselbe aufgenommenen historischen Traditionen, die so, wie sie eben von alten Zeiten herüberliefert waren, mitgeteilt wurden, streng buchstäblich aufgefaßt werden. Die durch keine Kritik zu erschütternden Wahrheiten der Theologie und der Ethik, die in der heiligen Schrift uns offenbart sind, leuchten zu sehr aus derselben hervor, als daß man von der Fragmentenhypothese, die übrigens schon im Talmud in anderer Form aber doch im ähnlichen Sinne vertreten ist, eine Beeinträchtigung ihrer unantastbaren Hoheit zu befürchten hätte. Von den vielen Parallelen, welche der Verfasser in fortlaufender Vergleichung der biblischen Erzählung und der assyrischen Ueberlieferungen nachweist, niöge hier besonders das (S. 199) über die Cherubim Gesagte hervorgehoben sein. „Die Cherubim", sagt der Verfasser, „spielen eine bedeutendesRolle in der Bibel. Sie erscheinen auf der Bundeslade, in dem Allerheiligsten des Tempels Salomos, bei der berühmten Vision Ezechiels. In Assyrien finden Cherubim tragen. wir gleichmäßig außergewöhnliche Wesen, welche den Namen In dem Palast von Ninive wurden enorme Kolosse an den Thurmwänden ausgegrcben, welche geflügelte Tiere mit Menschenkopf darstellen, sie sind^deren Wächter sind Hüter. . . Sie werden im Keilschrifttexte bald „Alapi" Eleph) bald „Kerubi" gerannt. In weiterem Gebrauche welche sie schmücken, selbst Kerubi genannt". „Man darf »er Verfasser mit Recht (S. 20), daß es die Repräsen- Wesen wohlthätiger Art gewesen; denn sie sind vor den andere Statuen ersetzt, die uns wohlbekannt sind, nämlich (d. i. Stier gleich hebr. werden die Pforten, nicht zweifeln, bemerkt tauten übermenschlicher Palastpforten oft durch