Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1886)
- Date
- 1886-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 TW?' WWWSWW Edelsteinen, den ihn Gott in seinem Zelte entdecken ließ, genannt.*) Die Propheten werden sämmtlich als reich geschildert.2) Auch der Hohepriester sollte reich sein, und war er es nicht vom Hause, so wurde er durch die Geschenke der andern Priester reich gemacht.3) Gott selbst wählt zu den Eigenschaften, die den Menschen gefügig machen, daß die göttliche Majestät auf ihm ruhe, auch den Reichtum.^) Grund dafür ist wohl, die Möglichkeit, die Mittel guten Zwecken znzuführen und überall Un eigennützi gkeit an den Tag zu legen.3) Kaiser Antonius schickte dem Patriarchen R. Jehuda täglich große Säcke mit Goldstaub gefüllt, an der Oeffnung mit Getreide belegt, damit die Diener es nicht wüßten und Getreide zu bringen glaubten. R. Jehuda wollte im Hinlveis auf seine eigenen Reichtümer, die Geschenke ablehnen. Antonin bat ihn aber, sie zu behalten, weil möglicherweise die Nachkommen R. Jehuda's sie für die folgenden Kaiser zu Geschenken benötigen könnten.e) Mit einer beispiellosen Leichtigkeit konnten die Rabbiner auch auf die Reichtümer verzichten, so' daß man auf R. Jochanan den Satz des Hohen Liedes anwendete: Würde jemand für die Liebe, mit welcher R. Jochanan die Thora liebt, das ganze Vermögen seines Hauses opfern wollen, so würde man ihn verschmähen. Denn einst ging R. Jochanan mit R. Chija von Tiberias nach Sepphvris; sie kamen an einem Felde vorüber und R. Jochanan erklärte: das gehörte mir, ich verkaufte es, um mich dem Studiuin der Thora hingeben zu können. Sie kamen weiter zu einem Weinberge und R. Jochanan gab dieselbe Erklärung und ebenso bei einer folgenden Anpflanzung. Da begann R. Chija zu weinen. Weshalb weinst du? fragte R. Jochanan. Daß du gar nicht an dein Alter dachtest, erwiederte R. Chija. Erscheint dir, versetzte R. Jochanan, so geringfügig, daß ich Gegenstände, die in 6 Tagen der Schöpfung geworden, für etwas, was in 40 Tagen, in welchen Gott die Thora dem Moses gab, eingetauscht?7) . . Niese; ben Hyrcanos, der sich, 28 Jahre alt, vom Ackerbau zum Studium der Thora wandte, erregte dadurch den Unwillen seines Vaters, der sich nach Jerusalem begab, um ihn daselbst zu verstoßen und zu enterben. Als er da zu seinem Erstaunen erfuhr, welche Ehren und Auszeichnungen seinem Sohne von : den berühmtesten Lehrern in Israel zu teil wurden, bereute er sein Vorhaben, wollte vielmehr die andern Söhne, die ihn dazu bewogen hatten» enterben und sein ganzes Vermögen seinem nun berühmten Sohne zum Geschenke machen. Dieser aber wies es zurück mit den Worten: Hätte ich Grundbesitz von Gott dem Herrn gewünscht/, so hätte er es mir gewähren können, hätte ich Geld verlangt, so hätte er es ebenfalls geben können, ich bat aber nur um Thora, um die Erkenntnis der Gotteslehre.8) Ein Vater, welcher seine Söhne, die mißraten waren, zur Strafe enterbte, I hinterließ sein ganzes Vermögen dem berühmten Jonathan ben Usiel. Dieser verkaufte ein Dritteil, ein anderes widmete er dem Heiligtum und das letzte gab er den Kindern zurück.3) Die Menschen, besonders die Gelehrten, die dem Gelde keinen Wert beilegen, die auf das Geld keine Rücksicht nehmen, heißen Söhne der Heiligen oder Heilige.^) (Fortsetzung folgt.) ') Schekal. s. -) Nedar. 38. '-) Horajolh s. <) Nedar. 38. °) Ebend. ") Aboda E. 10b. 7) Midr. Schir-ha-schir. zu C. 8, B. 7. “) Pirke di R. ©tiefer C 2. ») Baba b. 133b. >°j Pesach. 104. 4