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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-11-01 · Heft 11 (1.11.1886) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 11 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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-VT.'*'' — 246 — mit Jost, den er 1859 bei seinem Aufenthalte in Frankfurt a. M. gelegentlich einer Ferienreise auffuchte, berichtet. Hier zeigte sich so recht das versöhnliche, urbane und liebenswürdige Wesen Jost's, dem Grätz gerade nicht sehr wohlwollend litterarisch gegenübeygetreten war. Veranlaßte ihn ja die Objektivität Jost's zu dem Urteile über ihn,' daß er der jüdischen Geschichte einen trockenen philisterhaften Charakter gegeben und ihr den Schimmer geraubt habe, den sie selbst in den . Augen unbefangener christlicher Beobachter habe. Grätz's Wärme in der Darstellung des geschichtlichen Stoffes ist auch nicht immer ein Vorzug, denn statt der Wahrheit mischt zuweilen> die Phantasie die Farben zu seinen historischen Gemälden und nur daraus ist es zu erklären, daß er manchmal zum planlosen Panegyriker und wiederum sonst zuni übereifrigen Tadler wird. Wie ungerecht ist z. B. Grätz gegen Holdheim! Wenn er nur den reichen Schatz an ethischen und theologischen Gedanken, die in dejseir Predigten aufgeschichtet liegen, mehr besehen hätte, wahrlich er hätte ihm meinem ganz anderen Lichte erscheinen müssen. Freilich hat Grätz ein weiteres Quellenmaterial tiefer beherrscht wie Jost und die Ereignisse der jüdischen Geschichte mit Aufwand von Geist und Scharfsinn behandelt, die ihn über alle Anfechtungen weit hinaushebt und ihm die Hochachtung und Dankbarkeit aller Ernststrebenden sichert, wenn auch in jüngster Zeit die Judenheit in Deutschland in ihrer korporativen Spitze wieder einmal gezeigt hat, daß Undank gegen verdiente Männer im Judentum noch immer üblich und an der Tagesordnung ist. Interessant ist, daß Abraham Geiger, als Jost 1835 nach Frankfurt a. M. übersiedÄtc, zu ihm eine Wallfahrt zu Fuße unternahm — den Luxus des Fahrens könnt« sich ein Wiesbadener Rabbiner damals nicht erlauben. — Später war er allerdings nicht so gut auf ihn zu sprechen. Auf Reisen liebte 1 es Jost, einen unbedeutenden Durchschnittsmenschen zu spielen, und das Inkognito gehörte zu seinen Lieblingscapricen. Gelegentlich der Erwähnung, daß Jost, gleich allen in der Avantgarde des Liberalismus stehenden Männern der Frankfurter Gesellschaft, hem Freimaurerbunde angehörte, ist zu berichtigen, daß nicht die Loge Socrates, sondern die zur ausgehenden Morgenröthe und zum Frankfurter Adler Alles umschlössen, was die jüdische Gesellschaft Frankfurts an Geistesblüthe und seiner Gesinnung damals besaß. In seiner Stellungnahme zur Synagoge und zu Rabbinen krankte Jost an dem damals den jüdischen Pädagogen anhaftenden Uebel, für dergleichen Teilnahmslosigkeit oder übereifrigen Spott zur Schau zu tragen und jede positive Theologie überhaupt zu negieren. Als ein Bekannter den Verfasser der Jsraelitcngeschichte einmal fragte, ob er bei einem gewissen Anlasse den Gottesdienst besucht hätte, antwortete er mit seiner gewöhnlichen kaustischen Trockenheit: „Schon seit zwanzig Jahren pflege ich kein Theater mehr zu besuchen". Was niag wohl den Historiker sonst zu diesem ihn nicht ehrenden Ausspruche veranlaßt haben? In den Synagoge» herrschte damals noch ein frischer Zug der Begeisterung, die Gotteshäuser waren noch nicht zu Gemeindehäusern herabgesunken, in welchen man nach Willkür schalten und walten konnte, die Reform des Judentums war damals ja noch im Aufschwünge begriffen und nicht im Niedergange. Doch genug hiervon. Wir könne» nach weiteren Gründen hier nicht suchen, die Jost zu einem solchen Ausspruche veranlaßten. Daß Herr vr. Zirndorf mit s seinen biographischen Skizzen auch Zeitschäden geißelt ist dankenswert und können wir nicht umhin, ihm für gelegentlich eingestteute Bemerkungen unsere volle Anerkennung auszusprechen. Wir lassen hier eine Stelle , folgen, die auch auf Jost's oben erwähnte Haltung Licht wirft: „Indessen könnte über die Schrullen und Excentricitäten gewisser jüdischer Schulmeister als über

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