Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1886)
- Date
- 1886-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 224 — Wir haben gehört, daß man in anderen Ländern das „Kolnidre" sagt, aber wir haben eS nicht bei unseren Vätern je gehört und gesehen; denn was nützt die Auflösung der Gelübde für den, der nach Ablegung des Gelübdes eine Bedingung stellt?" Diesem Proteste schloß sich auch dessen Nachfolger, der Gaon Hai (879), an. Ebenso noch in dem Responsen Ben-Scheschet's: „Am besten ist es „Kolnidre" nicht zu sagen, was auch in Katalonien geschieht." Einen Ausgleich zwischen diesem dafür und dagegen scheint R. Jakob Tam (1130—1171) beabsichtigt zu haben; er änderte die Lesart von: „vergangenem Versöhnungstag u. s. w." und setzte dafür: „Bon diesem Versöhnungstag bis zum künftigen Versöhnungstag," womit er der Polemik des R. Natronai, daß keine Bedingung nach der Ablegung nütze, ausweichen wollte und dem ganzen „Kolnidre" eine neue Bedeutung gab. Dasselbe spricht nicht nehr von der Auflösung ausgesprochener, längst abgelegter alter Gelübde, sondern von künftigen Gelübden, die im Laufe des neuen Jahres erst abgelegt werden möchten. Bei denselben können Bedingungen im Voraus gestellt werden; es fällt somit die Hauptpolemik der Gegner weg. In neuester Zeit, wo das „Kolnidre" wieder von Judenfeinden als Mittel zu Angriffen auf das Judentum gebraucht wird, als wenn dasselbe am Abend des Versöhnungstages Absolution für künftige Eide erteilte und so den Meineiden Thür und Thor öffnete, haben mehrere Gemeinden in Deutschland und Amerika das „Kolnidre" ganz abgeschafft. Dr. I. Hamburger in Strelitz, Mecklenburg. Me jüdische Mörat im ersten nachlalrnudischerr Zeitalter. Bortrag, gehalten im Saale der Gesellschaft der Freunde in Berlin am 1. Februar 1886 von vr. Joel Müller, Docent für die rabbinischen Wiffenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. (Schluß.) Auch unser Prediger stellt der Sünde und der Missethat sehr oft „das Unlautere" an die Seite. Er verkündet: „Alle kommen sie wieder, die vielzerstreuten Söhne, wenn sie auch nicht mit Kenntnissen ausgerüstet sind, wenn sie nur die Gebote der Sittlichkeit und die anderen Religionspflichten erfiillen, wenn sie sich nur ferne halten von »«rechtem Gute, von jedem Vergehen und von jeder trüben, unlauteren Sache." *) Ein anderesmal ruft er: „Sprich zu den Gefesselten zieht hin zum Heimatlande! Den einfachen, schlichten Männern gilt das Wort, jenen Männern, die, wenn auch nicht reich an Geistesbildung, doch die Gesetze der Sittlichkeit wahren und die Satzungen des Glaubens achten, die Stätten der Bildung halten und heben, jeder Sünde fern bleiben und jedem Unrechte, und allem was nicht rein und lauter ist."2) ' „Erhebe die Hände im Gebete," so spricht er einmal die Versammlung an: „erhebe die Hände im Gehet« ob der Seele deiner Kinder. £>, bewahre sie, die Kleinen, daß keines der Teuer» je in die Schlingen der Sünde falle oder Unziemliches und Unzierliches erfasse."') Und so tönt mahnend die Rede: „Wie ») Das. K, 14. ') Das. K. 27. ->) Das. K. 20.