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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-10-01 · Heft 10 (1.10.1886) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 10 (1.10.1886)
Date
1886-10-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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I — 221 — | das zur Erde j fällt, und statt der Früchte edler Geisteswerke, die den köstlichsten Genuß in deinem Erdendasein dir darbieten, hast du dürres Holz, das kein Mark und keine Frische in sich hat. Da entzündet sich bald die Flamme der Leidenschaft und verzehrt den ausgedorrten Seelenstamm, daß keine Faser und kein Zweiglein von ihm zurückbleibt, darails neues Wachstum edler Triebe sich hervorbilden könnte. Nicht gedankenloses, pflichtmäßiges Wohlthun verlangt der Herr von dir, sondern Liebe zu guten Thaten, herzliches Verlangen nach Bethätigung tugendhafter Gesinnungen, innige Seelenfreude in der Wohlthätigkeit. Die vermag aber nur der zu empfinden, der das Gute um des Guten willen ehrt, der reinen Geistes und lauteren Herzens ist, der sein Streben auf Rechtschaffenheit gründet, nicht mit der Dankbarkeit der Menschen rechnet und in Bescheidenheit vor seinem Gotte einherwandelt. Eine Wohlthätigkeit ohne Recht und ohne Liebe, ohne Bescheidenheit und ohne Gottesfurcht, eine Wohlthätigkeit, die blos mit der Hand geübt wird aber nicht mit dem Geiste und dem Herzen, eine Wohlthätigkeit, die zu allem zu gebrauchen lmd nur da nicht zu haben ist, wo der hohe Zweck, für den sie gefordert wird, über den niederen Gesichtskreis der gewohnten Anschauung hinausragt, eine Wohlthätigkeit, die nicht von edlen Gesinnungen genährt wird, die mit Eigendünkel, Ehrgeiz, Stolz und Böswilligkeit vermischt ist, eine Wohlthätigkeit, die auf Erlangung von Menscheugunst berechnet und angelegt ist, die. wenn schon der Gedanke an Gott einen Antheil an ihr hat, dann auch nur als ein Kaufpreis angesehen wird, mit der die Gnade des Himmels erworben werden soll, eine solche Wohlthätigkeit ist selten vom Guten, sie wird verschwenderisch, wo man sie ganz gut entbehren könnte und spart und geizt mit ihren Gaben, wo einem dringenden Bedürfnisse, einem drückenden Mangel abgeholfen werden muß. Hat uns Gott das Glück zu Teil werden lassen, daß wir der größeren Menschheit uns durch edles Wirken für die Linderung der Not und für die Förderung des Heiles nützlich machen können, dann müssen wir auch darauf achten, daß die Wohlthätigkeit, die wir gerne üben, nicht mißbraucht und mißleitet, nicht gefälscht und verdorben wird, daß sie uns nur zur Unziere gereicht und aussieht wie ein Mantel, der zwar aus kostbarem Stoffe hergestellt, aber so befleckt, so von Rissen durchlöchert, so verunstaltet ist durch die groben Lappen, die an ihm zvtteln, daß das Auge, das bewundernd ihn betrachten möchte, sofort von diesem Anblicke mit Unbehagen sich wegwcnden muß. Wohlthätigkeit mit achter Menschenliebe, mit edler Gesinnung verbunden, das ist ein herrlicher Schmuck, den wir zu unserer Ehre anlegen dürfen, ein heiliger Schmuck, der uns Würde verleiht in uns selbst, Ansehen vor den Menschen und Liebe von Gott. Pas „Koknidre-Hebet" in seiner geschichtlichen Kntwicktung und Bedeutung. „Kolnidre" ist der Name der vielverleumdeten liturgischen Formel der älter» Gebetsordnung für den Versöhnungstag, die in den Synagogen des alten Ritus am Vorabend dieses Festes den Gottesdienst eröffnet und ihn einlestet.

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