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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 211

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
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— 211 — talmudfreundlich ist, ohne talmudkundig zu sein. Er wurde auf seinen Wunsch in Kreßburg, seinem Geburtsorte, bestattet und die heilige Bruderschaft daselbst hat es für richtig befunden, Schreiber auf einem von den übrigen Gräbern abgesonderten Platze begraben zu lassen. — Am 20 Juli starb in Kngvar Herr Oberrabbiner Ä. H. Mannheimer im 73. Lebensjahre. — Aus Groß Berskerek ist uns zugegangen: Worte der Trauer von Oberrabbiuer 0r. M. Klein gesprochen an der Bahre der Frau Susann« Berger. Präsidentin des israelitischen Frauenvereins zu Gr. Becskerek, gest. zu Arad am 23. Juli 1886, beerdigt zu Gr. Becskerek am 25. Juli. Redner schildert in warmen Worten die hohen Tugenden der Verblichenen, die eine Zierde jüdischer Hausfrauen, eine Pflegerin jüdischen Geistes gewesen, die unermüdlich war, den Armen zu spenden und Roth zu lindern. — Von Wien berichtet man uns von dem Tode des Herrn Hofrates Kitter von Kleingraber, geboren zu Trappau 1837, der von der untersten Beamtenlaufbahn sich zu großer Stellung in Staatsbahndienste emporgeschwungen. — In seiner Villa in Mödling bei Wien starb Herr Arthur Kitter von Schnapper. Er stammt aus Vrankfurt a. |H. und war in Wien eine bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit. Schnapper hatte, als Wien noch nicht mit Frankfurt telegraphisch verkehren konnte, eine Verbindung mittelst flink reitender Boten hergestellt, wodurch er früher über die dortige Course unterrichtet wurde, als dieses durch die Post möglich war. — Aus. Budapest schreibt man uns: Die trotz der mißbilligenden Gutachten der hiesigen jüdischen Landeskanzlei und des Präsidiums des ungarischen Rabbincrseminars, von Seite des hohen königl. Ministeriums bestätigte neue Reformgemeinde ist noch immer in der Konstituirung begriffen. Es werden schwerlich vor den großen Feiertagen Bethaus und Schulhaus derselben eröffnet werden. Aber so groß auch die Zahl der Mitglieder dieser neuen Gemeinde, die in stetem Zunehmen begriffen ist, sein mag, eben so wenig ist doch Eifer und Begeisterung im Anwachsen. Es kann auch nicht anders sein. Dort, wo das Motiv und die Basis der jüdischen Reform die Bequemlichkeit ist, und man gegen das Unnötige, und nicht gegen das Sündhafte vieler der Satzungen mit Ausmerzungen zu Felde zieht, da kann auch keine wahrhafte Erregung herrschen und da wird auch kein kleines Fünkchen Fanatismus bestehen, ohne welchen kein Umsturz des lang Bestandenen und zum Teil in seiner crassen Herkömmlichkeit noch Bestehenden möglich ist. Da die Geldkräfte der neuen Gemeinde beschränkt sind und sie es in keiner andern Beziehung den andern hiesigen jüdischen Prachttempeln und sonstigen großartigen jüdischen Institutionen gleichthun kann, so muß sie trachten, durch die äußerste Bescheidenheit zu imponiren. Sie wird sich wahrscheinlich ein hier befindliches einfaches Häuschen zum Muster nehmen» welches die deutsche Aufschrift: „Bethaus der Baptisten" trägt und durch seine Schlichtheit Achtung erregt. Wird der Gottesdienst noch ein ganz gesichteter und geläuterter, wird er dem Geschmacke der Zeit und dem Geiste des ursprünglichen jüdisch-religiösen Bewußtseins entsprossen sein, dann bleibt'nur noch zu wünschen übrig, daß sowohl in den gottesdienstlichen Vorträgen als in dem Religionsunterrichte in den Schulen vorzüglich die späteren Propheten Text und Thema abgeben mögen. Wenn die Männer der Stabilität auf das 3. Buch Moses wegen seiner Lehre des Opfercultus das Schwergewicht legten, um mit viel größerem Rechte müssen die Beffergesinnten trachten, daß der Geist der späteren jüdischen Propheten Eingang in die Herzen der Unsrigen erhalte und dort heimisch werde. Der bisherige Gründer und Leiter dieser neuen Gemeinde ist der frühere Rabbiner mehrerer jüdischen Gemeinden, Schwiegersohn des sel. 18* mmätm

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