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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 210

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 210 (sequence 18)
Language
German
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sjp 210 — starb unser Mitarbeiters Herr Waisenhaus-Inspektor Z. Stern in Seesen, im 71. Lebensjahre und am 2. Juli Herr Rabbiner Zarob sliäiln Obornilr. Bon Berlin berichtet man von dem Tode des Herrn Heimann Cohn, früher Rabbiner in Dlatow. Am 27. Juni starb in Wiesbaden die Wittwe Giacomo Meyerbeerr, Minna geb. Molson, im Alter von 82 Jahren. Bei ihrer Beisetzung in der Familiengruft in Berlitz sprach Herr Rabbiner vr. Mayvaum ergreifende Worte des Nachrufes. In Cham starb Wittwe Grünhut im Alter von 114 Jahren. — Am 15. Juni wurde in Pappenburg der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. — In Wiesenbvonn schlug am 8. Juli der Blitz in die Synagoge ein. Drei Männer wurden lgetroffen, davon einer lebensgefährlich. — Nach dem 55. Jahresberichte des Waisenhauses in Ehlingen beträgt das Vermögen 242816 M. 39 Zöglinge fanden dort Unterkunft. Die Einnahmen betrugen 35 799 M. Die Ausgaben 32894 M. Waisen-Erziehungs-An über ein Vermögen vo Bedarf betrug Mk. 49 Nach dem 53. Jahresberichte der ftorudj Auerbach scheu talt in Berlin zählt die Anstalt, die außer dem Grundstück n M. 682 257.30 verfügt. 50 Zöglinge. Der jährliche 372.57. — Am 13. Juni fand in Dreslau unter Vorsitz Lehrer in Schlesien ui Schulte in Berlin, welck des Herrn Oe. Samuel lohn die Generalversammlung des Vereins israelitischer d Posen statt. — Die famose Verlagsbuchhandlung von e alle Hetzerzeugnisse der Gegenwart vertrieb, und in deren Verlage auch die berüchtigte „Wahrheit" erschien, ist eingegangen. — Der deutsche Antisemiten-Congreß, ver im Monat Juni in Cassel tagte, verlief ohne jede nennenswerthe Beteiligung. — Die „Wucherpille" in Main; hat zu erscheinen aufgehört. — Der jüngst in Berlin verstorbene Herr Adam kleichenheim hat dem Magistrate daselbst letztwillig 150000 M. überwiesen, mit der Bestimmung Wittwen und Waisen Berliner Elementarlehrer ohne Unterschied der Konfession damit zu unterstützen. Nebstdem hat er noch viele Vereine mit reichen Spenden bedacht. Der jüdischen Alterversorgungs-Anstalt hat er 90000 Mk. hinterlassen und dem katholischen St. Hedwigs-Krankenhause 15000 Mk. — Herr Dr. M Grünwald, bisher, in Biseck, wurde als Rabbiner nach Äungbunstau berufen und Herr Zeno Horovih nach Silinl; in Siebenbürgen. — Am 28. Juni wurde Herr Hillel Lechner in Lemberg zur letzten Ruhe geleitet. Er war einer der geliebtesten Schüler Nachmann Hrochmals und war sein Leben lang ein unerschrockener Kämpfer für Wahrheit und Fortschritt. Lechner war ein Kind armer Eltern aus Zollnem. Der Fortschritt wurde ihm zur Religion, der er mit der ganzen Glut seiner Seele sich hingab. Jedes auf Fortschritt im Judentume gerichtete Streben fand in ihm einen warmen hingebenden Vertreter. Er arbeitete an der Neugestaltung des Gottesdienstes und zog gegen Wahn und Lüge, gegen Heuchelei und Obskurantismus mutig zu Felde. Dir orthodoxen Fanatiker waren seine Feinde, weil er sie mit den scharfen Waffen seines Geistes bekämpfte. Lechner hat auch letztwillig zwei jüdischen Gelehrten, von denen einer in Frankfurt a. M. lebt, Janresunterstützungen ausgesetzt. — In Lemberg starb Herr Joachim Chajes, Solch des berühmten Gelehrten und Rabbiners Hirsch Chaje», der im Geiste seines Vaters lebte und wirkte. — Am 28. Juni starb in Budapest der Rabbiner der aut. orth. isr. Gemeinde, Herr Joachim Schreiber, im Alter von 64 Jahren. Schreiber war der hervorragendste Talmudist Ungarns aus der alten Schule, und seine umfassende rabbinische Gelehrsamkeit, die sich aus seinen Werken kundgiebt, müsse» auch die, welche seinen praktisch-theologischen Standpunkt nicht teilten, ehrend anerkennen. Er war, wie mir sein Sohn mitteilte, ein entschiedener Gegner der modernen deutschen Pseudoorthohoxie, die

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