Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1886)
- Date
- 1886-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Hl o rr a 1 s f ch a u. Am 25. Juni wurde das fünfzigjährige Dienstjubiläum des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Elia« Grüarbaum in Landau festlich begangen. Vertreter der jüdischen Gemeinden, der Stadt und des Staätes wetteiferten mit einander, der begeisterten Stimmung aller Theile der Bevölkerung, die in Verehrung für den Jubilar wurzelt, entsprechenden Ausdruck zu leihen. Im Stadthause überreichte Herr Bezirksamtmann von Hartlieb dem Jubilar das ihm von weiland Sr. Majestät Ludwig II. verliehene Verdienstkreuz vom heiligen Michael. Beim Festgottesdienste in der Synagoge hielt Herr Rabbiner Dr. Mayer von ZwribriÄen eine gediegene Festrede, worauf Herr Rabbiner Dr. Landsberg aus Kaiserslautern erhebende Schlußworte sprach, nebst einem Gebete für den Jubilar. Mittags fand im Hause des Herrn Dr. Grünebaum eine Festtafel statt und hierauf erfolgte die feierliche Ueberreichung von Geschenken und Glückwunschschreiben und die Verlesung von Telegrammen aus allen Weltgegenden. Von auswärts ließ der Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. dem Jubilar ein Diplom als Ehrenmitglied überreichen und der Veutsch-Asrael. Grmcindebund eine prachtvoll ausgestattete Adresse. Namens des deutschen Rabbinerverbands wurden Glückwünsche überbracht. Die Feier schloß mit einem Festbankette im Schwanensaale. Dr. Grünebaum gehört mit seinem segensreichen Wirken in Wissenschaft und Leben einer aufstrebenden Zeit an und zählt zu den hervorragendsten Vertretern der classischen jüdischen Theologie dieses Jahrhunderts, denen wir es zu danken haben, daß im Judentums ein Frühling der Verjüngung sich regte. Möge dem Jubilar — geboren am 10. September 1803 in Keipslkirchen, Kanton Lauterecken — die derzeitige Frische an Körper und Geist noch lange erhalten bleiben! — Aus München ist uns zugegangen: Rede gehalten bei der Trauerfeier für weiland Se. Majestät König Ludwig II. am 22. Juni 18^5 in der Synagoge zu München von Dr. Äaseph Kerles, Rabbiner. Der tragische Heimgang des großangelegten Monarchen Ludwig II. hat lange Zeit weit über die Grenzen Bayerns und des deutschen Vaterlandes hinaus die Gemüter mit Teilnahme erfüllt und wo ein Gotteshaus sich erhebt, wurden aus diesem Anlasse in Bayern Träuerfeierlichkeiten abgehalten, über die ■ uns viele Berichte zukamen, welche alle Zeugnis davon ablegen, mit welcher Liebe und Treue die Israeliten Bayerns dem angestammten Herrscherhause anhängen. Herr Rabbiner Dr. Perles schildert in ergreifender Weise die Verdienste des Monarchen und läßt durch die trüben Nebel, die sich um den Ausgang der Regentenlaufbahn Ludwigs II. gelagert haben, die Sonnenstrahlen seiner Tugenden und Vorzüge durchleuchten. Wie Ludwig II. den bayrischen Israeliten das friedliche Zusammenleben mit allen anderen Söhnen des Vaterlandes sicherte und die Mächte der Finsternis nicht aufkommen ließ, so hat auch Prinzregent Luitpold in seinem Schreiben an das Gesammtministerium es ausgesprochen, daß der Schutz der Religionen und die Wahrung des Friedens unter den Confessionen ihm obenan stehe. — In Erfurt wurde Herr Dr. Halcherger zum Rabbiner erwählt. — Herr Rabbiner Dr. Neuburger in Mrth hat mit Einsetzung seines eigenen Lebens am 9. Juni einen nichtjüdischen Knaben den Wellen der Rednitz entrisien. — Unliebsames Aufsehen erregte es in Kegensburg, daß der dortige Rabbiner, Herr Dr. Mayer, während der Bittvrocesfion an der Schuljugend und Geistlichkeit mit bedecktem Haupte vorübergreng. „Bon einem gebildeten Menschen hätten wir mehr Takt erwartet" schreibt der „Regensburger Anzeiger" hierzu. — Am 26. Juni 18