Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1886)
- Date
- 1886-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 205 — Glaubens allen Menschen bietet. So ruft unser Prediger von Be Elia: „Gott zeigte dem Ezechiel in erhabenen Gesichten seine Welten, seine Engel und die feuerglühenden Seraphim. Und zu dem Propheten sprach der Welteuherr: „In heiliger Verzückung hast du meine Herrlichkeit geschaüet, welche alles Leben und alles Dasein umfaßt. Ist etwa dieser Himmel der Alles umfließenden Gnade dadurch getrübt und sein Glanz dadurch vermindert, daß ich euch Israeliten aus der Mitte der heiligen Völker hob, euch zum Lehrer des Glaubens bestimmte, und einen Tempel zu meiner Verehrung erbauen ließ? Vielleicht könntest du meinen, ich wolle verehrt und angebetet sein, darum nenne ich die Israeliten Priester, darum schweben meine Cherubim in dein Gottesgebäude?! Siehe, tausend tausend Welten und Engel preisen und verherrlichen mich in wundervollen Harmonien, vom Morgen bis zum Abende, vom Abende bis zum Morgen! Und die Völker der Erde nennen ja auch in siebenzig Sprachen meinen Namen! — Und ihr Israeliten wollet vor mir manche unlauteren Thaten vollbringen und ungebührliche Handlungen ausführen!" l) Diese unlauteren Thaten, diese ungebührliche Handlungen sind ein Fortschritt, der sich in der ethischen Litteratur dieser Zeit kundgiebt. Der schon in dem talmudischen Schrifttum bekannte Begriff „Etwas Unreines und Unlauteres" wird gerade in den Jahrhunderten, von denen wir sprechen, sehr häufig angewendkt, wird zum stehenden Ausdrucke für das Unsittliche. Das Zartgefühl, die feine, geläuterte Empfindung, welche mehr fordert, als das strenge Wort des Gesetzes gebietet, ist ein Gradmesser der Sittlichkeit. Dieses Schickliche, auch von der Stoa besonders hervorgehobe», diese Rücksicht für das Geziemende und Angemessene, ist der reinste Ausdruck unseres Seelenadels. Die alten Sätze von „dem Schicklichen" find eben in unserem Traktate besonders betont, aneinandergereiht, nach allen Seiten erweitert. Nach dem, was schicklich und geziemend ist, wird das Kommen und Gehen, wird Handel und Wandel, wird das Verhalten des Lehrers ttttb des Schülers, das Betragen des Gastes und des Wirtes bestimmt; diesem entsprechend wird Speise und Trank, Gruß und Erwiederung und Freude und Freudennml in Ordnung und Regel gebracht. (Schluß folgt.) Gin Brief Dr. Zacharias AranKet's an Urovinzialraöviner Ietfenstein in Kanau. Geehrter Herr Provinzialrabbiner! Ich erinnere mich mit vieler Liebe der bei Ihnen gefundenen freundlichen Aufnahme und war mir daher Ihr geehrtes Schreiben um so schätzbarer als ich hierdurch Gelegenheit finde. Ihnen nochmals meinen herzlichsten Dank nebst der Versicherung, daß ich mit Freuden jede Gelegenheit zu einem Gegendienst ergreifen werde, zu wiederholen. Für jetzt genehmigen Sie den Wunsch, daß Sie auch bald nach Dresden kommen, und ich wenn auch nur zum Thcile Ihre freundliche Aufnahme entgelten könnte. ') Elia Rab. K. «.