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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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203 gewandt und rasch ihre Meinung ändern und zurücknehmen, ihnen und den Mutwilligen gilt das Wort: „Siehe, der Arm des Bösen! der bald drohend faßt, bald zart und schmeichelnd an sich ziehen will, er erlahmt und bricht. Die da in des Gedankens Tiefen Böses hegen, aber ihre Worte' künstlich setzen, so sanft und warm mit den Lippen sprechen, sie trifft des Dichters Ruf: Ihr Pfad ist glatt und düster, sie sinken, wie von einem Engel Gottes hingestürzt. — Die im Geheimen treffen, wie die, welche öffentlich beleidigen, die da Saaten der Zwietracht im Stillen streuen und die, welche in ihrem Hochmute Volk und Volkstum herabwürdigen, wie von Korah kann man von ihrer Zukunft sagen: Sie und ihr Werk sind verloren, es birgt sie die Erde." ‘) Die Gerechtigkeit wird in unserem Buche durch folgenden Satz verherrlicht: „Der du listig deinen Nachbar beobachtest, der du die Mühe ablehnst, das verlorene Gut dem Eigentümer zuzuführen, der du ein Darlehen giebst, und die Absicht hegst, der Schuldner solle dir einst als Erstattung einen Teil seines liegenden Besitztumes überlassen, zu dir spricht im Namen Gottes der Prophet: „Ich erforsche das Herz und prüfe die Nieren." Der du aber treu bist und das Geheimnis birgst, das in Verwahrung Genommene sorgsam hütest und verabfolgst, auf dir ruht das Auge Gottes! Der du aus sicheren Beweisen dein Urteil schöpfst, der du mit dem Worte der Wahrheit bessernd zur Rede stellst, in Reinheit der Absicht schaffst und in Lauterkeit der Gesinnung wandelst, erweckend tönt es dir entgegen: So gut und mild und freundlich blickt der Herr auf solche Söhne Israels, auf alle, die klaren Herzens sind."2) Verleiht Tugend dem Einzelleben einen Glanz und eine Klarheit, welche den ganzen Kreis verherrlicht, dem sich dieses Leben naht und anschließt, so gewährt und bietet doch die Sittlichkeit ihre reichsten Segnungen dem menschlichen Verehr in seiner größeren Gestalt, so reifen ihre schönsten besten Früchte in dem Staate. So offenbart auch die Natur in jedem ihrer Gebilde die herrlichsten Formen; wir staunen sie an, die hellen Farben, die kunstvollen Gestaltungen, das genau bestimmte Ebenmaß, die aneinanderschließcndk Fügung; aber am erhabensten zeigt sich die Vollendung des Schöpfungsgedankens in dem umfassenden Ganzen; in dem wundervollen Jneinandergreifen aller Arten und Reiche, in dem Spiele der zusammentreffenden und ineinanderfließenden Kräfte. Nicht anders ist es im Leben des Geistes, und auch den Weisen der geonäischkn Zeit war es bekannt, daß die Tugend ihre beglückendsten Gaben, ihren glänzendsten Lohn dem Volke und dem Volkstume aufbewahrt und vorbehält. „Warum" fragt unser Prediger, „warum fielen von den Stämme» Israels,, welche in der Zeit der Richter vor Gibeon gegen Benjamin kämpften 70000' Mann? hatten etwa alle Stämme an Benjamins Missethat teilgenommen? . . Allerdings. Schwer sündigten die Häupter und die Führer alle. Nach der Eroberung Palästinas war es Pflicht der Lehrer und Fürsten, sich mit festem, eisernen Mut zu gürten und sich mit Ausdauer zu rüsten. In alle Gaue mußten sie damals ziehen, und in allen Gemeinden Tugend lehren, und in allen Volksverbänden Gesittung predigen, damit der Name Gottes verherrlicht werde. Sie hatten aber nicht also gethan. Jeder ging hin und pflegte seinen Weinberg und bestellte sein. Feld und sprach: Wozu die Mühe? Wenn ich nur in dem herrlichen Lande meine Lust und meine Freude habe! So sank das Volkstum!"*') Das Moralbuch lehrt: Jene, welche die öffetitliche Gerechtigkeit fördern. ') Drrech Errz. s) Drrrch Ercz 2. «) Elia Rob. S. 12. Ü MM IÜäi

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