Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1886)
- Date
- 1886-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Dem einfachen Kinde ist reicher, ewiger Lohn gesichert. Und wenn ein Mensch seinen Geist auch nicht durch Kenntnisse bereichert hat, aber Sittenreinheit bewahrt und zu seinem Gotte, wie es das schlichte Wort der Schrift lehrt, emporzublicken vermag, für ihn ruht reiche Vergeltung in dem Schatze meiner Gnade, wenn nur Herz und Hand sich rein bewahrt und ferne bleibt jedem sündhaften Verlangen. Und wenn ein Mensch auch nicht das Wort der Schrift zu lesen verstünde, aber in den erweckenden Ruf von Gott einstimmt, der aus dem Chor der Gemeinde, erschallet, und sich lauter und tugendstark im Leben erweiset, er wird ausgenommen in Gnade, sein wartet segengewährende Anerkennung."x) Einmal ruft unser Prediger am Schlüsse seines Vortrages: Gepriesen sei der welterfüllende, ewige Geist! ihm werde Huldigung für unb für! Er gab dem Volke Israel das Gesetz, damit man aus demselben reine Sittlichkeit lerne und gewinne, damit Sünden imd Uebelthaten vermieden werden. Denn, wer das Gebot nicht achtet, welches so milde Tugend lehrt, der raubt sich selbst den Frieden, der stört die Wohlfahrt des bürgerlichen Lebens, er hat sein Heil für immer verwirkt!I 2) j Hat der Volksredner die Sittlichkeit als ein Zielpunkt der Gottesoffenbarung, als die höchste Würde des Menschen, als ein Band, welches alle Erdenshhne umschlingt, bezeichnet und dargestellt, so unterrichten uns Sätze aus der systematisch angelegten älteren Schrift über die Tiefe der sittlichen Auffassung. Pa heißt es: Dein Geist sei enge in sich geschlossen, er habe ein kleines Pförtchen, üm nur das Gewichtige aufzunehmen; öffnet es sich leicht und weit, um jedem Windeshauche Eingang zu gestatten, dann ist das Herrlichste und Edelste vor Trübung nicht gesichert."3) — In diesem Buche lesen wir die Mahnung: „Haben Andere von dir etwas Uebles behauptet, urteile darüber nicht, als gelte es nur eine geringfügige Angelegenheit. Erwiedere in der ersten Aufwallung nichts . . . gehe hin und prüfe dich. Hast du über Andere eine ungünstige Meinung ausgesprochen . . so betrachte dies auch als ernst und gewichtig, als griffe es tief in das Leben des Fremden ein . . , ruhe nicht und raste nicht, bis du ihn versöhnt hast und beruhiget."*) Ein anderer Spruch lautet: „Führe alle deine Handlungen um ihrer selbst willen aus, so daß du von ihnen zum Himmel sprechen und erzählen könntest; nicht damit sie wie eine Krone dein Haupt zieren, nicht damit du sie wie ein Gerät benützest, um Lohn zu gewinnen, oder wie einen Eimer, um das Glück heraufzuholen. Legt dir das Wort der Lehre Entsagung auf und Selbstverleugnung, halte cs dennoch hoch und wert. Das äußere Zurücktreten erscheine dir niemals als eine Verletzung deiner Würde, die du wieder Herstellen müßtest. Berechne es wohl, prüfe und lege es genau auseinander. Du gewinnst innere Festigkeit und Geschlossenheit, du erlangst innere Treue und Wahrheit."5) | Und wieder ein Satz lehrt: „Achte und schätze das ganze Menschentum. Sprich aber nicht also: Gegen den will ich freundlich sein, gegen den will ich mich liebend erweisen; denn die Menschen bedürfen einander, und in Speise und Trank und Kleid und Haus und Hof wechselt nur Dienst und Gegendienst." #) Die Würde des Menschen steht unserem Buche so hoch, daß es den Satz aufstellt:!„Die Pracht und die Herrlichkeit Gottes zeigt sich im Menschentume."7) Ueber Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit lesen wir: „Die sich den Anschein geben, immer wahr zu sprechen, die Oelglatten, welche, um sich zu behaupten, I ') Tana (übe Eliahu. Elia rabba K. 2. -- Das. K. 15. Dertch Ere, Sutta 1, Hschr. Halbrrstamm. *) Das. *) Das. 2. vgl. Babli Redarim 62 I *) Das. ’) Das. 10: