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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 201

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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— 201 — Buch der tugendgeläuterten Spruchweisheit in ihre Sammlung auf. In den Jahrhunderten des zweiten Tempels, sonst so arm an geistigen Erzeugnissen, erblüht ein Sirach. Das Gesetzbuch der Mischna wird angelegt, und der Traktat, der die edelste Sittenlehre faßt, bildet einen Teil derselben. Als wäre er die Krone des Werkes, als wären seine Aussprüche der höchste Ruhm der Lehrer, werden gerade in dieser Abteilung die Schuloorstchcr Und Meister nach einer bestimmten Ordnung genannt und vorgeführt. Der Talmud ist vollendet und abgerundet. Jedes Buch enthält auf vielen Seiten Weisungen der Tugend und des Rechts. Das Wort der Sage und der Erzählung sst, wie um den ermüdeten Geist zu erfrische», zwischen die ernsten, tiefsinnigen! Forschungen gesetzt. Und dies sinnige Wort trägt die wundervollsten Blüten der Herzensinnigkeit. Unfern Lehrern aber, welche den Talmud abgeschlossen finden, ist dies zuwenig. Haben die alten Schulverhandlungcn nicht den Anlaß geboten, ein eigenes Buch der Tugend weitläufig anzulegen, so sollte doch dem Talmud zur Seite ein größerer Traktat gehen, der nur Moral und allgemeine Menschenliebe lehrt. Sagt dieser ganze Zug unseres Schrifttums nicht, daß nebst dem reinen Gottgedanken die Treue des Herzens, die Hingebung des Gemütes, Tugend und Sittlichkeit als Pfeiler -des Glanbenslebens gesetzt sind, daß sie durch alle religiöse Erhebung, durch den ganzen Ernst der Gesetze gefördert und geläutert werden sollen, daß sie den Gegenstand des ernsten Geistesstrcbens aller -jüdischen Denker bildeten? Was das Traktat lehrt und festsetzt, das verbinden in diesen Zeiten die Prediger in den jüdischen Gebet- und Lehrversammlunäen. In den fpäteren Jahrhunderten dieser ersten nachtalmudischen Epoche zeigenl die Geonen eine vermehrte wifsenschaftliche Thätigkeit, welche sich verschiedenen Zweigen der Glaubenskunde zuwendet. Es sehen sich die Lehrer jener Tage, namentlich im alten Lande der Propheten, nach den Resten der ethischen Schrifterklärungeu um, sammeln Bruchstücke der alten Homilien, legen Entwürfe der zum Herzen sprechenden Predigten zusammen, formen den agadischen Midrasch. Noch besitzen wir in einen« alten Buche, welches den Zeiten der späteren Geonen angehört, und das auch ältere Stücke aufgenominen hat, Beispiele zusammenhängender öffentlicher Vorträge, deren reicher, glatt hinfließender Strom der Rede uns in hohem Grade fesselt und unser Gemüt durch das warme Wort, die Innigkeit des Ausdruckes bewegt und gewinnt. Der Redner nennt sich nach dem großen Erwecker des Glaubens im Reiche Ephraim: „Lehrer aus der Schule des Elia." — Hören wir die Sätze des Traktates, lassen wir den alten Volksredner zu uns sprechen. „Ich rufe" also wendet dieser sich an die Versammlung, „ich rufe für die Wahrheit meines Ausspruches Himmel und Erde als Zeugest an: Dem Geiste nach, den Gott in die Seele strahlt, sind sie einander vollkommen gleich, der Jsraelite u. der HeiK, der freie Mann und der dienende Knecht, die herrschende Frau und die sich beugende Sklavin. Ist der innere Kern ihrer Thaten und Handlungen würdig und wert, da durchzucktsie der heilige Geist, die Flamnie vom Himmel." *) Ein anderesnial läßt er im poetischen Schwünge des Gedankens Gott selbst zur Gemeinde sprechen: „Wie einst," tönt der Gottesruf, „wie einst lege ich meine Hand auf den Thron meiner Weltenherrlichkeit; wahr und heilig, wie mit einem Md besiegelt ist es, meine Söhne: dem einfachen Kinde, welches zu den Füßen des Lehrers sitzt und der Unterweisung horcht, wenn Herz und Gemüt frei bleibt hon jedem sündhaften Streben. *) Tana dibe Eliahu. Elia rabba K. 9.

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