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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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— 198 — Gemäß der Weisung unserer Alten, einem Anwesenden nicht das volle Lob zu spenden, habe ich aus dem Lebensinhalte des Jubilars nur Einzelnes herausgegriffen; ich spreche jedoch dem Hohenpriester, nachdem er am Versöhnungstage dem Volk einen Abschnitt aus der Thora vorgelesen, die Worte nach: „Mehr als, ich hier vorgetragen ist niedergeschrieben" in der Lebensgeschichte dieses Mannes. Wenn ich die Summe der Wirksamkeit des Jubilars als Rabbiner und Gelehrter in eine kurze biblische Formel zusammenfassen wollte, so würde ich ihm die Worte des gleichnamigen Pwftten Elias in den Mund legen: „Ich habe geeifert für den Ewigen, den Herrn Zebaoth." |>i< jüdische Moral im ersten nachlakmudischen Zettatter. Vortrag, gehalten im Saale der Gesellschaft der Freunde in Berlin am 1. Februar 1886 von Or. Joel Müller, Docent für die rabbinischen Wisienschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Hochgeehrte Versammlung! Im Zuge des großen und feierlichen Religionsgespräches, welches im Jahre 1413 in Tortofa unter dem Vorsitze des Pabstes Benediktus XIII. stattfand, wurde die Moral, welche die umfangreiche Sammlung der talmudischen Schriften lehrt, angeklagt, sie sei eine enge und einseitige, sie habe nur die Anhänger des mosaischen Glaubensbundes im Auge, sie sende keinen Blick der Liebe den Bekennern einer andern Lehre zu, mit eineni Worte, die Moral der rabbinischen Bücher sei eine-.beschränkte, national-jüdische. Die Sendboten der arragonischen Gemeinden^ welche die Sache des Judentums führten, begnügten sich in ihrer Vertheidigung der alten Schriften nicht damit, die aus denselben von ihren Gegnern hervorgehobenen Aussprüche zu erklären und zu erläutern, ihre Bedeutung und ihren Wert in dem weiten Rahmen der gelehrten Untersuchungen zu beleuchten; sie beriefen sich auch mit Nachdruck auf die Auffassung und auf die Ansicht, welche in dem Kreise der späteren Lehrer maßgebend blieb. Sie führten den Satz aus dem Gesetzbuche des Moses Maimuni an, daß die Frommen aller Völker des ewigen Lebens teilhaft würden, sie wiesen auf das Wort des weisen Beraters eines' Fürsten hin, der es nach der Darstellung Juda Hallewi's hervorhebend betont: „Nie sprechen wir irgend einem Menschen, möge er welchem Volke immer angehören, etwas von dem Lohne ab, welcher seiner edlen That angemessen ist."') Man kann nicht sagen, daß in unserer Zeit, als im Verlaufe des Kampfes gegen die Männer jüdischen Stammes die eigenartige rabbinische Litteratur zum Oefteren auf ihren sittlichen Gehalt geprüft wurde, sich in der Beurteilung ihres Wertes eine neue Methode geltend gemacht hätte. Ihre Ankläger und Gegner suchten in den verwitterten Herbarien des Mittelalters nach Blumen und Blättern, die man einst aus dem Talmud zusammengelesen und als gifthaltig bezeichnet hatte. Die Verteidiger-traten den Beweis an, daß die Prüfung eine verfehlte, die Beurteilullg eine unrichtige, die Folgerung eine grundlose sei. Andere zeigten im Lichte eines freieren Blickes, daß die verdächtigte Blüte auf dem weiten Grunde ') Jbn Birga, Schebet Jehuda.

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