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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 195

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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WM..AWWWWW 195 Während die Richter mehr Helden des Schwertes waren, welche Israel gegen die Feinde ringsum schützten, war Samuel ein Held des Geistes, der Religio«. Er faßte das Uebel an der Wurzel an und bekämpfte die Gottlosigkeit in Israel als Ursache des Abfalls von Gott und der dadurch veranlaßten Abhängigkeit von den übrigen Völkern. Zu dem Zwecke durchzog er selbst alljährlich das Land nach allen Richtungen, lehrend und unterweisend, und gründete Prophetenschulen, damit die Jünger sein Werk förderten und weiter führten. Und haben wir hierin nicht ein buchstäblich zutreffendes Bild eines Hauptteils der rabbinischen Wirksamkeit unseres Jubilars? Als derselbe vor 50 Jahren hier sein Amt antrat, da bezeichnete er in seiner Antrittsrede als eine seiner Hauptaufgaben die Ausbreitung der Kenntnis der Religion und die Belebung des Gefühls für ihre Wahrheiten. Neben dem Elternhause, führte er damals weiter aus, seien besonders die Schule und die Synagoge'diejenigen Stätten, in welchen der Hebel zur Erreichung dieses Zieles angesetzt werden müsse. In getreuer Ausführung dieses Programmes entwickelte der Jubilar zunächst persönlich eine reiche Lehrthätigkeit, indem er die höheren Studien sich widmende Jugend in die heiligen Hallen der Religion einführte; Hand in Hand damit ging eine verständnisreiche, aufmerksame Fürsorge für den religiösen Unterricht an der Volksschule. Dazu bedurfte es vor allem eines pädagogisch geschulten Lehrerstandes an Stelle der früheren fahrenden Schüler, die an den meisten Schulen das Schulszepter schwangen. Schon während seiner nur zehnmonatlichen Wirksamkeit als Landesrabbiner des Fürstentums Birkenfeld gelang es ihm, die dortigen Schulen mit seminaristisch gebildeten Lehrern zu versehen. In welchem Maße dieses Bestreben in diesem Bezirke vom Erfolge gekrönt wurde, wie er jüngst erst nach kaum überstandener schwerer Krankheit in Gemeinschaft mit den Lehrern einen einheitlichen Lehrplan feststellte, wie er auf seinen jährlichen Rundreisen den Zustand der Schulen prüfte, bald lobend, bald leise mahnend» immer jedoch als freundlicher Berater der Lehrer, dies Alles darf ich getrost als hinlänglich bekannt und gewürdigt voraus :n. Was die Schule für die Jugend, das ist die Synagoge für das reifere Alter, nicht blos eine Stätte der Andacht und Erbauung, sondern hauptsächlich auch der Belehrung und Unterweisung. In seinen Predigten sucht der Jubilar das Elternhaus zur Mitwirkung an dem Erziehungswerke der Jugend heranzuziehen, er erschließt dem Hörer das weite Gebiet religiösen Fuhlens und Wissens, weist hin auf die Schäden am Heiligtume Israels und erhebt zürnend seine Stimme gegen falsche Anklagen. Ganz besonders bemerkenswert aber ist sein steter, nie ermüdender Kampf gegen den Lippendienst und die Werkheiligkeit. Schulter an Schulter kämpft er tn diesem Punkt mit dem Profeten Samuel, der zuerst die Wucht seiner Persönlichkeit gegen die bloß äußere Bethätigung religiöser Gebräuche in die Wagschale geworfen hatte. „Siehe, hatte er zu Saul gesagt, Gehorsam ist besser denn Opfer, Acht haben mehr als Fett der Widder." Nicht als ob die Zeremomen nicht ein wesentlicher Bestandteil unserer Religion wären; im Gegenteil, sie sind ein starker Pfeiler am Religionsgebäude Judas und wer an ihnen rüttelt, laust Gefahr, das Gebäude dem Einsturze nahe zu bringen. Aber etwas anderes ist Wertschätzung, etwas anderes Ueberschätzung. Sowie der Künstler eine künstlerische Idee nur durch das Mittel eines Modells zur Anschauung zu Ätt vermag, so sind die Zeremonien verkörperte religiöse Gedanken. Sie sind ittel und Erinnerungszeichen der Religion, damit diese sich nicht verflüchttge, nicht aber die Religion selbst. 17*

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