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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 die Zahl 50 als geeigneter Abschluß eines Zeitraumes bezeichnet, und das Wort „Jubel", welches mau mit solchen Festen in Verbindung bringt, ist' biblische» Ursprunges. „Und ihr sollt heiligen das 50. Jahr, ein Jubel sei eS euch; ihr sollt genießen seine Frucht.!" Wohlan denn, lasses auch uns genießen die Früchte der 50 jährigen Wirksamkei theorei Gele des Jubilars, verfolgen wir seine Wirksamkeit nach ihrer praktischen und ischen Seite, vergegenwärtigen wir uns, was er als Rabbiner und hrter geleistet. Bewußt oder unbewußt wählt sich jeder Mensch irgend ein Vorbild, lehnt er sich an irgend ein Mhsterleben an. Wenn ich mir nun vor Augen führe, was oer Jubilar als Rabbiner erstrebt und geleistet, und wenn ich auf Grund dessen! sein Leben in vergleichende Beziehung setzen möchte mit dem Leben eines biblischen Tugendhelden, so wurde ich sagen: Es ist wohl der Profet Samuel, der ihm besonders nachahmenswert erschienen, dessen Thätigkeit beeinflussend auf die semige gewirkt. Es liegt schon eine äußere Aehnlichkeit darin, daß der Jubilar mit Samuel in dem bereits erwähnten Profetenabschnitte sprechen kann: „Ich bin vor euch gewandelt , von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. Als Jüngling trat ich in euere Mitre und in euerer Mitte bin ich ein Greis geworden." Ich habe gar Vielen den Segen gespendet beim Eintritt in das Leben, Vielen aber auch beim Austritt aus demselben. Bei allen Ereignissen eueres Familienlebens habe ich durch Teilnahme die Freude zu doppeln und das Leid zu mindern gesucht. Aber nicht nur die Zeitdauer, auch die Zeitlage dort und hier bietet Anlaß zur Vergleichung. Samuel lebte in einer Uebergangszeit, er bildet das Mittelglied zwischen der schwindenden Richterzeit und dem aufblühenden Königtume. So bildet auch denÄnfang dieses Jahrhunderts, die Zeit der Heranbildung und der ersten Wirksamkeit unseres Jubilars, in der Geschichte des Judentums eine Zeit'des lieberganges, eine Periode gewaltiger Gährung. Durch die großen politischest Umwälzungen war eine Reform der äußeren Verhältnisse der Juden, durch Mendels ohns Auftreten eine solche im Innern des Judentums ungebahnt worden. Während der langen Dauer ihrer Abgeschlossenheit war den Juden die Fühlung stnt der Welt abhanden gekommen. Als nun der Lauf der Geschichte sie plötzlich. mi tten hinein in das volle Getriebe und Getümmel der Welt warf, da verloren sie teilweise das Gleichgewicht der Seele. Die Einen, mißtrauisch gegen das neue Licht, klammerten sich nur um so starrer an das altgewohnte Herkommen; die Andern, geblendet undverblendet zugleich, verwechselten Form und Wesen des Judentums und warfen beides von sich. Da aalt eS denn, das Juwel des Judentums neu zu fassen, der Menge seiner Bekenner den Glauben der Väter in veränderter Form zu erhalten. So bildet sich um die Goldmünze, die viele Jahrhunderte imlSchooße der Erde gelegen, eine Erdkruste; der weise Finder wird diese Erdkruste entfernen, um dann durch Umprägung wieder eine gangbare Münze zu erhalten. Ein solcher Finder war und ist unser Jubilar. Im Parteiengewoge dieser! Uebergangszeit nimmt er den Standpunkt des Fortschrittes ein; aber dieser Fortschritt dürfe nur auf die Form und nicht auf das Wesen gerichtet sein, das!er gerade in seiner Ursprünglichkeit erhalten wolle. Wann erst die Zeit der Gährung und des Parteigrimmes vorüber sein wird, dann wird man jenen Männern mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen, die q Herrlichkeit des Judentums zu erhalten bemüht waren. s diese äußere Aehnlichkeit mit Samuel ist die innere. durch Umprägung die alt Wichtiger jedoch ä

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