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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-08-01 · Heft 8 (1.8.1886) · p. Seite 183

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (1.8.1886)
Date
1886-08-01
Page
Seite 183 (sequence 14)
Language
German
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183 In dem Auswandererstrome, der sich nach Italien bewegte, befand sich auch der Sohn Isaak Abrabanels, Samuel, der, beschützt von dem hlinianen Vicckönig von Neapel Don Pedro, alsbald eine hohe staatliche Stellung gewann und dieselbe auch zur geistigen und körperlichen Aufrichtung seiner unglücklichen Brüder verwertete. Ein Dichter entwirft von ihm die schwärmerische Schilderung: er verdiene der dreimal Große genannt zu werden: groß im Gesetze, groß im Adel und groß im Reichtum. Er verheirate Waisen ohne Zahl, unterstütze Bedürftige, löse Gefangene aus. Zur Seite aber stand ihm in diesem edlen Streben seine hochsinnige Gattin Benvenida, deren Name von den Zeitgenossen mit geradezu andächtiger Verehrung ausgesprochen wurde. Auch bei Hose war sie so angesehen, daß der Vicekönig seine Tochter Leonora mit ihr verkehren ließ, damit . sie an ihr sich bilde. Voll Verehrung blieb die Prinzessin der südischen Donna zugethan, auch nachdem sie die Gemahlin Cosimo's II. von Medici und Herzogin von Toscana geworden war. Dieses edle Paar förderte nun ebenfalls die Wissenschaft nach Kräften. Unter anderem beriefen sie den aus Portugal geflüchteten Gelehrten David Jbn Jach ja nach Neapel und er mußte nebst anderen Gelehrten, auch christlichen, im Abrabanel'schen Hause Vorträge halten. Der Hauptstrom jedoch der vor den rasenden Schürern der Scheiterhaufen fliehenden Juden zog sich nach der Türkei, dessen hellblickende Sultane ihnen diejenige Liebe erwiesen, deren Macht sie in der bisherige» Heimat, wenigstens in beit letzten Jahrzehnten, nur in Gestalt prasselnder Flammen erfuhren. Sofort gewahren wir auch wieder edle Mäcene erstehen, welche es sich angelegen sein lassen, den jüdischen Geist aus seiner Niedergeschlagenheit zur Höhe idealen Schaffens tragen zu helfen. Zu den glänzenden Gestalten dieser Zeit gehören vor allem die hochsinnige Donna Gracia Mendesia und ihr Neffe Don Josef Nassi aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Beide spanische Marannen, jüdische Scheinchristen, unvermögend länger den Gewissenszwang zu tragen, entkamen endlich unter vielen Quälereien nach dem erlösenden Konstantinopel, woselbst sie sogleich die aufgezwungene Maske abwarfen und sich wieder offen zu dem geliebten Bäterglauben bekannten. Hier erlangeir sie bald vermöge ihrer großen Bildung und ihres hochangesehenen Bankhauses, dem Fürsten und Könige verpflichtet waren, Zutritt in die feine und feinste Welt; Josef steigt immer höher in der Gunst des Kronprinzen Selim, der ihn als Sultan zum Herzog von Naxos und beinahe zum König von Cypern ernennt. Dieser politisch so hochgestellte Josef errichtet nun ein jüdisches Lehrhaus in seinem Palaste, unterstützt fürstlich die Lehrenden und Lernenden, ernennt insbesondere den Historiker Isaak Akrisch zu seinem Hausgelehrten, kauft zahlreiche hebräische Handschriften auf, und läßt seltene Schriftwerke kopieren. Mit der gleichen Freigebigkeit spendet Donna Gracia nicht nur überall, wo das Leid besonders der so grausam verfolgten Marannen Linderung heischte, sondern auch zur Hebung des wissenschaftlichen Strebens unter ihren niedergedrückten Glaubensgenossen. Durch ihren Beistand kommt der Druck der ersten spanischen Bibelübersetzung, die berühmte spanischferrarische Bibel zu Wege, die ihr denn auch mit überschwänglichem Lobe gewidmet wird. Sodann begünstigte sie insbesondere die drei als Gelehrte und Dichter berühmten Brüder USque in fürstlicher Weise. Einer derselben widmet ihr sein Werk mit den verherrlichenden Worten: „Wer hat nicht die göttliche Barmherzigkeit im menschlichen Gewände sich offenbarend gesehen? . . . Wer hat ttÜÜ

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