Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Samuels vortrefflicher Sohn Josef folgte seinem Vater wie in allen seinen Würde», so anch in der edlen Eigenschaft eines Mäcens. So groß war . anch dessen Freigebigkeit für die Pfleger der Wissenschaft und so überwältigend ~ sein Gesinnungsadel, daß auch ihn selbst arabische Dichter besangen. „Grüße sein Gesicht" — sagte ein Mohamedaner von ihm - „und du findest Glück und Hoffnung." Als die^Söhne des letzten Gaoil aus Babylon »ach Spanien geflüchtet waren, nahm'sie Josef Jbn Nagrela gastfreundlich auf und ließ sie in Granada eine neue Heimat finden. Bezeichnend für diesen jüdischen Staatsniinister ist auch, daß er seine Lebensgefährtin nicht unter den Reichen und Vornehmen Andalusiens sich .ausgesucht, sondern die gelehrte und tugendhafte Tochter des armen Rabbenu N i s s i m aus Kairuan heimgeführt. Leider hat der wütende Neid der Berbern der edlen Wirksamkeit dieses jüdischen Großen durch einen, mörderischen Ueberfall frühzeitig ein Ende gemacht. Würdig wird die Reihe der jüdischen Mäcene in Spanien mit zwei Abkömmlingen der edlen Familie Abrabanel, welche sich der Abstammung vom königlichen davidischen Hause rühmte, beschlossen. Von Don Samuel Abrabanel, aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der am Hofe des kastilianischen Königs Heinrich ll. ein einflußreiches Amt bekleidete, berichtet ein Schriftsteller, daß er ein hochherziger Freund der Weisen und ein freigebiger Förderer der Wissenschaft gewesen. Sodann erzählt dessen hochberühmter Enkel Don Isaak Abrabanel (geb. in Lissabon 1437), der an dem portugiesischen Hofe Affonso's V. ein hohes Vertrauensamt bekleidete, Folgendes von sich selbst: ,, Friedlich lebte ich in meinem ererbten Hause in Lissabon; daselbst hatte mir Gott Segen, Reichtum und Ehren gegeben.' Ich hatte mir große Bauten und weite Säle angelegt. Mein Haus war ein Mittelpunkt für Gelehrte und Weise." Und um dürfen es ihm glauben, denn die zeitgenössischen Schriftsteller können nicht genug des Lobes über sein edles freigebiges und mitleidsvolles Herz verkünden. Isaak Abrabanel erscheint überhaupt als der letzte glänzende Strahl der untergehendtn Sonne der Juden auf der pyrenäischen Halbinsel. Mit großer Gelehrsamkeit und umfassender Schriftstellerci verband er hohe, politische Einsicht, die er erst am Hpfe Affonso's in Portugal und dann in Spanien am Hofe des bigotten Königspaares Ferdinand und Jsabella glänzend bewährte. Aber mit dem Fall Granada's (1492), dieser letzten Vormauer der Araber, war auch der Juden Schicksal Entschieden. Kein Nichtchrist sollte nunmehr auf Spaniens Boden weilen. Nicht ruhte jetzt die fanatische Jsabella, als bis der König jenes unendlich harte Vertreibungsedikt erließ, welches binnen vier Monaten alle diejenigen treffen sollte, btt; nicht ein schmachvolles Abschwören des Bäterglaubens einem Riesenelend vorzygen. Der edle Abrabanel bot ungeheure Summen und erschöpfte sich im flehentlichen Bitten — der König wollte sich schon erweichen lassen; aber der allmächtige Beichtvater Torquemada erstickte den letzten Mitleidsfunken; -dumpf und schwer fiel der Vorhang vor einer der glänzendsten Geschichtsperiodeu der jümschen Diaspora. —- Es ist natürlich, daß sowie bei wachsendem leiblichen Elend die Lust zu geistig freier Arbeit abnimmt, in dem gleichen Verhältnis auch jener ideale Sinn wird niedergeschlagen, der sich in glücklichen Zeiten bis zur freigebigen Gönnerschaft für die geistig Strebenden, bis zur Mäcenität erhebt. Jndeß, wenn wir auch in der traurigen Folgezeit keinem Chasdai und keinem Jbn Nagrela mehr begegnen, — wir treffen noch einige nennenswerte Epigonen an. Interessant ist es, unter denselben besonders! die Frauenwelt in der edelsten Weise vertreten zu finden.