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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-08-01 · Heft 8 (1.8.1886) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (1.8.1886)
Date
1886-08-01
Page
Seite 181 (sequence 12)
Language
German
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— 181 — gerade damals äußerst verwickelten politischen Verhältnissen anfangen solle, da empfahl ihm der sterbende Besir seinen jüdischen Freund zum Nachfolger, denn dessen weisen Ratschlägen hätte er allein seine gelungenen Operationen zu danken gehabt. So ward der Krämer von Malaga, der einstige Talmudjünger der Cordovanischen Akademie, niit der höchsten Staatswürde bekleidet und ihm die Leituüg der diplomatischen und militärischen Angelegenheiten anvertraut, eine Stellung, in der sich Samuel fast drei Jahrzehnte behauptete, weil seine Weisheit und Frömmigkeit ihn von jenem Hochmut bewahrten, der Emporkömmlingen eigen zu sein pflegt und sie verhaßt macht. Hören wir, wie ihn ein mohamedanischer Dichter in Versen preist: „Statt Gott in Mekka zu suchen, Und dort den schwarzen Stein zu küssen, Würden die Menschen, wüßten sie Wahrheit von Wahn zu scheiden, Dir, o Jsmael, die Hände küssen, Die den Segen spenden. Ich bekenne mich in meinen, Hause Offen zum Gotte, der den Sabbath eingesetzt» Unter meinem Volke bekenne ich ihn heimlich." ‘) Dieser hochbedeutende Weltmann aber, der während mehrerer Jahrzehnte auf die politischen Verhältnisse der pyrenäischen Halbinsel so mächtig eingewirkt, versah zugleich die Stelle eines Rabbiners, eines geistlichen Führers seiner Glaubensbrüder, und stand als solcher einem Lehrhause vor, in welchem er vor einem zahlreichen Schülerkreise Borträge hielt. Mit derselben Feder, mit der er Regierungserlaffe ausfertigte, schrieb er Gutachten über religiöse Anfragen, eine Einleitung und eigen Kommentar zum Talmud, mehrere ethisch-religiöse Dichtungen und nicht weniger als 22 Abhandlungen über die hebräische Grammatik. Es ist kein Wunder, daß ein Mann von so tiefem Sinn für Weisheit und Religion auch Wissenschaft und Poesie förderte und die Pfleger des Geistes mit fürstlicher Freigebigkeit unterstützte. Er stand mit den bedeutenden Gelehrten seiner Zeit in Ftak, Syrien, Egypten in brieflicher Verbindung, spendete Ihnen von seinen Reichtümern, ließ Bücher kopieren und verschenkte sie an arme Studierende — eine in jenen vorguttenbergischen Zeiten ebenso große als kostspielige Wohlthat — und munterte überhaupt schlummernde Talente auf. Es war daher natürlich, daß er auch dem größten zeitgenössischen Denker und Dichter Salomo Jbn Gabirol seine volle Huld bewies, sodaß dieser, nachdem er bis dahin hauptsächlich nur poetische und ethische Arbeiten geliefert hatte, nunmehr unter Samuels ermunterndem Zuspruch sein philosophisches Hauptwerk, „die Quelle des Lebens" absassen konnte, ein Werk, das in der philosophischen Litteratur des Mittelalters geradezu epochemachend gewirkt hat. Samuel Hanagid Jbn Nagrela starb von seinen Zeitgenossen auftichtig betrauert im Jahre 1055. Jbn Gabirol aber setzte dem Edlen ein Denknml, indem er sang: „In meinem Herzen ist dein Ort, Fest steht dein Zelt für immer dort. Dich such' ich da, dich find' ich da, Bist mir wie meine Seele nah'." * *) I i ') Grätz Geschichte VI. S. 17. *) Daselbst S. 48.

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