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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-08-01 · Heft 8 (1.8.1886) · p. Seite 180

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (1.8.1886)
Date
1886-08-01
Page
Seite 180 (sequence 11)
Language
German
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gepriesen, „der wie ein Vater für alle sorgt, dessen Mund für jedermann eine Heilsbotschaft, dessen Herz voll milder Freigebigkeit ist." „Er beherrschte — rühmte man von ihm — mit seinem Herzen die Herzen, flehte die Armen an, von ihm Gaben anzunehmen und zwang sie dazu, wenn sie sich weigerten." Gleichwohl wäre dieser Edle vielleicht unbekannt geblieben, hätte ihn nicht ein unsterblicher Dichter, dem er in der Not ein Tröster und Beschützer war, unsterblich gesungen. Es ist Salomo b. Juda Jbn Gabirol, das dichterische und philosophische Genie des 11. Jahrhunderts, der jüdische Plato, wie ihn ein Historiker nennt. Früh seiner Eltern beraubt, vermögenslos, auch sonst, wie es scheint, von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht, hatte sich des zartbesaiteten, sinnenden Dichtergemütes schon in früher Jugend eine tiefe Schwermut bemächtigt, und nicht viel fehlte, daß die wunderbare Harfe, welche in diesem Gemüte lag, für immer stumm geblieben, wenn nicht Jekutiel's liebreiche Hand ihr jene ersten Zaubertöne entlockt hätte, welche der Welt verkündeten, es sei ihr ein neuer Genius erstanden. Nur kurze Zeit indeß war Gabirol dieser Beschützer gegönnt. Er ward ihm plötzlich durch den Tod entrissen. Aber was er ihm war, das kündet nicht allein das begeisterte Lob, das er ihm schon in früheren Liedern gesungen, das kündet besonders der tiefe Schmerz, den der trauernde Dichter in einer ergreifenden Elegie ausgehaucht. Er klagt darin: „Jekutiels Leben ist abgelausen, — So sind denn auch die Himmel vergänglich. — Lasset mich weinen, nicht schauet mich an — Fraget nicht, warum meine Lippen beben —■- Von meinem Haupte ist der Schütten gewichen — Jekutiel ist hin, der die Schwachen mit Kraft gerüstet."x) j Dem trauernden Gabirol erblühte indeß in Südspanien ein anderer tröstender Mäcen. Es ist Samuel oder Jsmael Halevi Jbn Nagrela, ein Mann, der „in seiner Person allein die verschiedenen Eigenschaften des Triumvirats vereinigte, Elches im vorhergegangenen Jahrhundert den Ruhm des jüdischen Spanien gegründet hat." Er war zugleich Chasdai, der hochherzige, wissensfördernde Fürst, Mo seh b. Chan och, der tiefe Talmudkundige, und Dunasch b. Lastrat, der Dichter und Grammatiker. In Cordova geboren (993) und in der Hochschule daselbst mit dem reichen Stoff des Talmud vertraut gemacht, eignete er sich zugleich die Kenntnis von sieben Sprachen bis .zur Meisterschaft an. Besonders aber im -arabischen Stil und der hochgeschätzten arabischen Kalligraphie erreichst er eine merkwürdige Vollendung, und dies begründete sein Glück nach manchem bitterem Drangsal. Er hatte nämlich gleich vielen anderen angesehenen jüdischen Adelsfamilien wegen ausgebrochener Verfolgungen das geliebte Cordova Verlässen müssen und siedelte sich in Malaga an, das damals zu dem berberischen Königreich Granada gehörte. Hier ernährte er sich kümmerlich von einem kleinen Kramladen. Dieser Kramladen aber grenzte an den Pallast, welchen der Besir des Königs Habus bewohnte, und so bekam derselbe eines Tages durch einen Zufall Samuels wundervolle Handschrift zu sehen, und war davon so entzückt, daß er auf den Schreiber neugierig wurde und ihn an seinen Hof berief. Da gewahrte er nun .bald, daß er es nicht nur mit einem geschmackvollen Stilisten, sondern auch mit einem einsichtigen Politiker zu thun habe, und so mußte denn der jüdische Gelehrte nicht nur der Geheimschreiber, sondern auch der vertrauteste Ratgeber des moslemitischen Staatsministers werden. Als dieser nun erkrankte und der König in Verzweiflung war, was er ohne ihn in den ■) Grätz VI. <B. 31.

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