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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-08-01 · Heft 8 (1.8.1886) · p. Seite 176

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (1.8.1886)
Date
1886-08-01
Page
Seite 176 (sequence 7)
Language
German
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176 zweite der Sammlung,) sprach nicht minder an. Ein schmeichelhaftes Schreiben des Vorstandes ward dem Kandidaten zu Teil und am 28. Juni eine Aufforderung, interimistisch die Funktionen eines Predigers zu übernehmen. Friedländer nahm den Ruf an und erschien wie ein Messias für die schmerzlich verwaiste Rednerstätte. Durch kleinliche Jntriguen und heimliche Privatkorrespondenzen hatte man es nämlich von gewisser Seite dahin zu bringen gewußt, daß die tüchtigsten! Männer ihre Namen von der Kandidatenliste streichen ließen. So war die Kanzel verwaist geblieben und der Gottesdienst verwahrlost. Bis zum August predigte i Friedländer und gewann sich die herzlichste Zuneigung des Publikums, Eltern und Kinder schlossen sich rückhaltslos ihm an. Da kam die Generalversammlung zur Wahl des Predigers- Der erste Vorsteher, Herr Dr. Stern, suchte auf jede Weise der Wahl Hindernisse Entgegen zu stellen. Friedländer sollte seiner Jugend wegen nur eine Anstellung als zweiter Prediger haben. Als erster Prediger kam Herr Dr. Holdheim von Schwerin in Vorschlag welcher auch gewählt wurde. Außer Friedländer hatten sich zivei Candidaten um die zweite Predigerstelle beworben. Herr Dr. Stern war einem von ihnen, Herr Dr. Rosenberg, einem obskuren und ihm devoten Menschen^ gewogen. Auch einen Herrn Rebenstein, späterer Redakteur der Reformzeitung, protegierte er. Friedländer aber wurde fast einstimmig gewählt. Aber die Kabalen der heimlichen Ränkeschmiede begannen. Herr Dr. Stern war vorher bei der Genossenschaft als Präsident, Uebersetzer und Verfasser der Gebete mit einem jährlichen Gehalte von 1000 Thr. angestellt gewesen und hatte Rebenstein als Substituten zur Seite stehen. Rebenstein war von Geburt Pole und als Händler nach Berlin gekommen, wo er in einigen orthodoxen Familien Privatunterricht erteilte. Er würde bei der Religionsschule placiert geworden sein, wenn Dr. Rofenberg, das Faktotum Sterns, die Stelle eines zweiten Predigers erhalten hätte. - Alle drei sahen durch Friedländer ihre Existenz in Frage gestellt. Sie kämpften p> o aris et focis! ■ Ein widerwärtiges, leider in ähnlicher Weise sich noch heute in jüdischen Gemeinden nicht feiten wiederholendes Spiel begann. Am Versöhnungstage hatte Friedländer am Morgen und Abend zu predigen. Keine kleine Aufgabe für einen Mann, der im Laufe der Woche fünfmal zu predigen hatte, außer den andern gottesdienstlichen Funktionen. Für die Abend- (Ne'ila-) predigt hatte Friedländer aus einer kurz vorher erschienenen Predigtsammlung Thema, Text und Disposition entnommen, im übrigen denselben aber selbständig bearbeitet. Selbst geübte Prediger verfahren in ähnlicher Stimmung in gleicher Weise. Kaum aber war die Predigt gehalten, als unter den Eingesandts der „Vossischen Zeitung" eine Aufforderung erschien, Friedländer möge nach Wunsch vieler Reform-Genossen die Predigt drucken lassen. Am folgenden Tage erschien in dem Blatte die Antwort: „Dem Wunsche ist schon genügt, die Predigt befindet sich bereits wörtlich in der Predigtsammlung „Koheleth." Ein Zeitungsskandal! „Freunde" drangen in Friedländer nach solchem Skandal nicht mehr die Kanzel zu betreten. Es waren von Dr. Stern und Genossen vorgeschobene Persönlichkeiten, die Friedländer so berieten. In der Uebereilung schrieb der unbefangene, alleinstehende Jüngling an die Bevollmächtigten, daß er die Wahl ablehne. Während die allgemeinste Bestürzung fast sämtliche Genossen ergriff, suchten die geheim?» Wühler die unwürdigsten, erlogensten Verleumdungen über Friedländer zu verbreiten. Während man Charakter und Lebensweise Friedländers nicht tadeln konnte, wurden seine Leistungen verkleinert. Seine besten Reden sollten nicht von ihm sein! Friedländer richtete unter solchen Beri j. UMmklir-

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