Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWWWWW VWW 175 der uralten Religion der Liebe, Träger jener reinsten undhöchsten Ideen, und als solcher den Völkern den Segen bringen! Und die da noch nicht erkannt haben den Ewigen und sein Gesetz, die Natur und ihren Meister, und die da noch nicht klar über die heiligsten Angelegenheiten der Menschen, und die da noch dienen den Götzen, und deren Sinn noch umdüstert ist, und deren Auge noch umschleiert, und die welche die höchsten Wahrheiten nur auf einem Umwege finden wollen, und sie trüben durch beigemischte menschliche Glaubenssätze — sie alle sollen kommen uyd von Israel die wahre Erkenntnis, den wahren Gottesglauben lernen und sich äneignen!" „Was hat Israel bisher gethan, um diesen Beruf zu erfüllen?" „Das war der Probirstein Israels, daß es litt und aushielt, ein vom Blitz geschlagener Baum, seine Wurzeln in den Pyramiden, seine Zweige dennoch immer grünend, immer neue Stämmchen ansetzend, tragend die schönsten Früchte, gedeihend unter allen Zonen. In den eingezwängten Leibern der Juden, in den engen Ghettos, lebte fort der Glaube an den Einen, in frischer, grünender Kraft und lehrte seine Anhänger erhaben sein über alle Drangsale. Israel zeigte der Welt ringsum, was es heißt nur den Einen Gott verehren und anbeten, und ihm, einer Schaar von Märtyrern, ahnrten erst später Einzelne in dem Aufopfern für eine große Idee nach." „Was bleibt uns zu thmr übrig, um unsere Sendung zu bewähren und zu vollenden?" „So Vieles auch geschehen, Mehreres bleibt uns zu thun übrig. In die reine Lehre des Judentums, wie hat sich da so manches Ungehörige hineingedrängt, wie hat da die Trauer der Zeiten und die Verkehrtheit oer Menschen so Vieles hinzugefügt, daß kaum mehr der gesunde Kern durch die verdichtete Schale zu erkennen! Und da wollen noch so viele jetzt, wo ein Jeder zu begreifen sucht, wozu man Israelit, wo man seinen Beruf höher und allgemeiner, faßt, — da wollen noch so Viele, daß wir blindlings glauben und hinnehmen, was Jahrhunderte vor uns unter ganz anderen Verhältnissen für sich gehsligt haben, daß wir es ja nicht wagen, Ceremonien und Gebräuche, Formen der Religion, die der Veränderung je nach verschiedenen Zeiten und den in diesen herrschenden Gewohnheiten und Sitten und Ansichten unterworfen sind, umzugestalten oder gar wegzuschaffen, als müßte das ewig so stehenbleiben, als dürsten wir nicht unsere Vernunft unseren Bildungsgrad, unsere Zeit berücksichtigen, so daß am Ende Alles in williger trauriger Gleichgültigkeit gegen die Religion der Väter zergehen und sich auflösen müßte. Und doch ließ sich ja immer der Höchste herab zu der eigenen Anschauung und steien Erkenntnis seiner Geschöpfe, und doch ward uns von ihm die köstliche Gabe des Verstandes, daß wir sie preise benutzen. Nirgends befiehlt uns unsere Religion ein blindes Glauben, sondern aus innigster, vollster Ueberzeugung muß uns ihre Wahrheit in Saft und Mark, in Fleisch und Blut übergegangen, zum tiefwurzelnden, klaren Bewußtsein geworden sein. Darauf muß hingearbeitet werden, daß wieder belebt werde die einfache, lichte Gotteslehre, daß erfaßt und erkannt werde der wahre Gehalt des Judentums in seiner Reinheit und einfachen Erhabenheit!" Ein unbeschreiblicher Beifallssturm brach nach Beendigung des Vortrages aus. Die leicht exaltirten Berliner überhäuften den jugendlichen Prediger mit Schmeicheleien und verglichen ihn mit Schleiermacher, der auch so begonnen habe. Nolens volens mußte Friedländer gänzlich unvorbereitet, am folgenden Sonntage predigen. Der faßt extemporierte Bortrag, „die Erhebung Israels" (der üa mmmmhü WM