Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWPSWM^WMM WW — 174 — stellten mir in liebenswürdiger Weise Werke des früh verstorbenen Gelehrten zur Verfügung. Salomvn Friedländer ward am 14. Oktober 1824 in Brilon geboren, Sein Großvater Joseph'Friedländer war dort Rabbiner. Sein Lehrer in der Elementarschule seiner Vaterstadt war der bekannte Lehrer Leeser, der sich durch Herausgabe eines hebräischen Sprach- und Uebungsbuches auszeichnete und später! in der Gemeinde Lübbecke eine seinen viel umfassenden Kenntnissen wenig angej messene Stellung bekleidete. So war schon von der frühesten Kindheit auf der I junge Friedländer wahrhaft freisinnigen und wissenschafllichen Einflüßen unterstellt. Er sprach sich später darüber aus: „Ich aber werde stets mit gewohnter Uneigennützigkeit und Aufopferung, wie sie mir von Haus aus ist gezeigt worden, und mit jugendlichem Feuer alle meine Kraft an die Geltendmachung des freien Fortschritts setze», denn ich gehöre nicht, wie die meisten unserer heutigen Rabbinen und Theologen zu. denen, welche erst tausendfache Phasen der Entwicklung und Entpuppung so lange durchwachen, bis sie dem Schmetterlinge gleich, eine Blume gefunden haben, jaus'der sie Nahrung saugen können. Durch Erziehung und Bildung bin ich hingegen naturgemäß innerhalb des Judentums und der Religion überhaupt aris den Standpunkt angelangt, auf welchem ich jetzt, so jung ich bin, unerschütterlich feststehe!" Nachdem er die (Gymnasien in Brilon und in Trier besucht hatte, legte er an dem letztgenanntest sein Abiturientenexamen ab und trieb gleichzeitig unter Leitung des dortigen Rabbiners Kohn hebräische Studien. In Bonn und Heidelberg studierte er darauf Theologie, und nebenbei Medizin, ein Studium, (welches dem alten Rabbinerfache sehr nahe lag. Erlöste sowohl eine theologische zum Doktor pronioviert. Sicher ist seine günstigen Verhältnissen als eine niedizinische Preisfrage und wurde in Heidelberg ungewöhnliche frühe Begabung den seiner Entwicklung zum guten Teile zuzuschreiben. Eine zeitlang ward er Rabbinatsadjunkt bei seinem Großvater in Brilon. Da erhielt er ein Schreiben des Obervorstehers Hellwitz in Soest, eines für die Entwicklung des fortschrittlichen Judentums in Westfalen bedeutenden Mannes, dem die Stadt Soest npch ihren feierlichen, nach portugiesischem Ritus geordneten Gottesdienst verdankt.! Hellwitz teilte dem jungen Rabbinatsadjunkten mit» daß derselbe bei der im April 1846 stattgefundenen Deputirtenversammlung der Genossenschaft für Reform im Judentum zu Berlin als Prediger vorgeschlagen sei und sich daher melde»! solle. Friedländer that dies und wagte somit die Konkurrenz mit den damals berühmtesten Kanzelrednern Solomon, Frankfurter, Hirsch, (Luxemburg), Philippwn. Am 5. Jnni, (Donnerstag Abends, kain Friedländer ermüdet, unbekannt in Berlin an, ohne aste Empfehlung, allein. Am Sonnabend schon sollte er vor einem intelligenten, anspruchsvollen Publikum predigen, von welchem er schon Tags vorher mit ätzender Schärfe über jene berühmten Konkurrenten hatte kritisieren hören. Außerdem hatte er sich auf der Reise eine kleine Heiserkeit zugezogen. Trotzdem bestieg er die Kanzel und sprach über: „Israels Beruf"; die erste in den „Predigten, gehalten int Tempel der Genossenschaft für Reform im. Judentume, zu Berlin." (Leipzig 1847. Verlag von Otto Wigand.) Zn geschickter |9!Beife faßte der jugendliche Redner den Beruf Israels dahin zusammen: „Es soll stein Förderer und Verbreiter der wahren Gotteseinheitslehre, Förderer und Verbreiter des Lichtes und der Wahrheit, Förderer Und Verbreiter