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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-08-01 · Heft 8 (1.8.1886) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (1.8.1886)
Date
1886-08-01
Page
Seite 171 (sequence 2)
Language
German
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171 geblieben, als die trockene Schale, die wir festhaltcn, während wir den Kern weggeworfen, oder einzelne verwehte Blüten, die von ihren Zweigen abgefallen sind? Worin besteht denn eigentlich, um das dis auf den Grund hinab zu betrachten, unser Gottesglaube? Wenn er überhaupt noch besteht, was ist er uns mehr als ein Bekenntnis der Lippen, ein gedankenloses Nachbeten überlieferter Lehrsprüche? Wenn wir das so weiter gehen lassen, daß in Israel jeder sein eigener Gesetzgeber ist, anstatt daß er demütig einem höheren Gottesgebote sich unterordnete, wenn wir bei der Anschauung weiter beharren, daß der nienschliche Wille nur von der menschlichen Macht eingegrenzt werden, nur vor menschlichen Gesetzen seine Schranke finden soll und innerhalb dieser Grenzen alles als erlaubt und rechtmäßig gelten muß, mag es auch zu dem Geiste der göttlichen Wahrheit in schroffstem Widerspruche stehen, ja dann können wir uns auf unsere» Gottesglauben gar nicht so viel zu Gute thun, denn der ist dann nur ein toter Glaube, der aller Bedeutung entbehrt, nicht belebend in's Herz eindringt, nicht bestiinmend auf das Leben einwirkt und nie einer besseren That uns fähig machen kann. Was nützt es uns, daß das Gottesbekenntniß Israels in unfern Büchern geschrieben steht, wenn wir in unseren Herzen es ausgelöscht haben? Was frommt es, daß wir Tag für Tag es uns laut prüfe«: Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig, so unsere Ohren taub bleiben gegen die ernsten Lehren und Mahnungen, die in diese» Worten uns verkündet sind, wenn es wie ein leerer Schall verklingt, wie ein flüchtiger Hauch dahingeht, und unser Leben, das die treue Bezeugung dieses Glaubens sein sollte, sich zur thatsächlichen Verleugnung desselben gestaltet? Da ist ja dieser Glaube nichts mehr als Schein und Form und Name und kein Geist in ihm, von dem unsere Anschauung getragen und geleitet sein soll. Gott mit uns! Das Wort muß in Israel, so es sich selbst nicht verwerfen und preisgeben will, wieder eine Wahrheit werden» eine lebendige Wahrheit, die die Geister bewegt und die Herzen ergreift. Die Quellen des Glaubens, aus denen der Strom der geistigen Lebenskraft kommt, müssen in Israel wieder aufgeschlossen werden, wir müssen zurück zu unserem Gotte, auf daß wir mit unserem Herzen bei ihm seien und er mit uns in. seiner ewigen hinimlischen Gnade. Es mag das für den Augenblick uns ganz wohl behagen, daß wir unserm Eigendünkel nachgehen, nur das thun, was unser Verstand uns anrät, unser Wille uns vorschreibt, und da weiter nicht viel darüber Nachdenken, ob das so auch recht sein kann in den Augen des Herrn, aber was in Zukunft daraus werden muß, wenn das Göttliche und Ewige so ganz aus dem Gesichtskreise unserer Anschauung verdrängt und ausgeschloffen wird und der menschlichen Begierde und dem zeitlichen Vorteil alles geopfert wird, was dem Geiste zu seiner Erhebung notwendig erhalten bleiben müßte, diese Frage sollte doch auch von denen, die ihre bessere Einsicht noch nicht verloren und aufgegeben haben, einmal ernstlich erwogen werden Gott ist nicht mit uns, wenn wir nicht bei ihm sind, ganz und ernstlich bei ihm sind und bei ihm Rat suchen, Lehre und Leitung, auf daß unser Leben ein Wandel im Lichte Gottes sei. Dieses Licht brauchen wir gar sehr, es ist unser Lebenslicht, das Licht der Gotteserkenntnis, der Selbsterkenntnis, das den Weg der Besserung uns zeigt, unserem Geiste Klarheit giebt und unserem Herzen Wärme verleiht, das dürfen wir nicht untergehen laffen oder gar mit eigener Hand es auslöschen, denn dann wird es finster in Israel und wir sinken unver- 15* iiiftiiw' r'irili r ■ airtMrTühai*4'iiri r Jii'n- J ÜB WjMWMÄl

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