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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 163

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 163 (sequence 19)
Language
German
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163 liche Wirken des Dahingeschiedenen» — Herr Wilhelm Zrristiidtler in IttfMMt wurde von Se. Majestät dem König von Ungarn in den erblichen ungarischen Adelsstand erhoben, ebenso Herr Leopold Kleiner in Großwardeiu. — Am 13. April wurde in Budapest das im gothisch-romanischen Stile ausgeführte VereinShauS des dortigen Talmud-Vereins in feierlicher Weise seiner Bestimmung Übergabe». — Am 24. April fand in Wien die konstituirende Generalversammlung des Beveins „Oesterreichische israelitische Union" statt. Herr Hof- und GerichtSadvokat Or. Aino eröffnete die Sitzung mit einer Rede, in der er die Veranlassung und! die Tendenzen des Vereins entwickelte. Zum Präsidenten des Vereins wurde Herr Heinrich Werger gewählt. Zum Schlüsse hielt Herr Rabbiner Dr. Gilde«»«» einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag „Ueber die Bedeutung der jüdischen Wissenschaft für das Judentum". — Herr Aosrf Kitter von Wertheimer in Wie«, t der ergraute Kämpe für die'Emancipation der Juden, hat eine Schriftüber die i Gesinnungstüchtigkeit des jüdischen Stammes veröffentlicht, in welcher er von der Liebe berichtet, die dem jüdischen Stamme von Hause aus eigen ist. Auf Grund h einer Chronik erzählt er, was die Juden in Klein-Nördlingen, Harburg, Gunzen- , hausen, Weimar, Hildesheim an den aus dem Erzbistum Salzburg vertriebenen j nach Preußen gegangenen Lutheranern gethan, denen die katholischen Christen l noch nicht einen Trunk Wasser reichen wollten. Auch werden zahlreiche Beispiele j jüdischer Tapferkeit und jüdischen Heldenmuts nach den Berichten der Chronisten : aus dem Mittelalter mitgeteilt. Weiter führt der Verfasser Söhne jüdischen? Stammes als Krieger, als Männer 'der Wissenschaft, als Aerzte, Mathematiker, ■» als Philosophen, Philologen und Industrielle vor. Der greise Präsident der Allianz verdient Dank für diese Leistung, die zu weiteren ähnlichen Arbeiten die Anregung giebt. — Am 6. Mai hielt Herr Oberkantor Aosrf Gotdstri« in Wie» im Letd-lm bliärasvd daselbst einen Vortrag „Ueber den. traditionellen Synagogengesang." — In der Josephstadt in Prag kam es am 22. April zu einer starken Menschenansammlung, veranlaßt durch die Gattin eines Seifensieders, welche ein Gerücht verbreitete, ein Jude hätte ihren acht Jahre alten Jungen blutig geschlagen und denselben dann in die Neusyuagoge geschleppt. Daß in einer Großstadt wie Prag solche Thorheiten noch Publikum finden, ist für den Bildungsgrad der dortigen Bevölkerung bezeichnend. — In Ungarn wird, wie der „Wiener Israelit" schreibt, in den verschiedensten Gemeinden am letzten Tage des PefsachfesteS eine Gedächtnißfeier begangen für den seligen Rabbi Gbadja Krankl, welcher als heiliger Märtyrer zu Ende des 14. Jahrhunderts starb. Der tergänz seines Todes war folgender: Um jene Zeit waren über die jüdische emeinde Schercsch verhängnißvolle Tage eingebrochen. Ueber 600 Familien wurden in Ketten gelegt, in das Gefängnis geworfen und mit allen nur erdenklichen Martern gepeinigt, wie solche zur Zeit der Inquisition gerade üblich waren, weil man sie angeklagt hatte, ein christliches Mädchen ermordet zu haben. Die Ursache zu jener Verdächtigung war folgende: Eine jüdische Familie kehrte von einer Hochzeit nach Scheresch'zurück. Als man demnächst an dem Wege, den dieselbe pasiirt hatte, die Leiche eines christlichen Mädchens fand, nahm man alle Einwohner der Stadt gefangen in dem Verdachte, daß jene Familie das Mädchen tobt geschlagen, um das Blut derselben zum Pefsachseste für die Gemeinde zu verwerten. Zeugen der That waren nicht aufzutreiben, trotzdem war man fest überzeugt von der Richtigkeit der Vermutung. — Unzweifelhaft wären nun sämmtliche 600 Familien zum Tode verurteilt worden, wenn nicht der Rabbi Obadja, seligen Andenkens, welcher die Pein und den Jammer seiner schuldlosen 14*

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