Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969927--1708-2976318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
162 i werden. — In Kempen haben sechs Schusterjungen 30 Grabsteine auf dem ■ [ jüdischen Friedhofe zertrümmert und die Gräber geschändet. — Die Rauchwaaren-; Händler in Leipzig haben an die Regierung eine Eingabe gerichtet, die russischen Juden aus der. Stadt zu weisen. Die Regierung hat auch die Ausweisung vervkdnet. Was diese Angelegenheit aber noch zu einer traurigeren gestaltet, ist, daß die Eingabe an die Regierung zuerst von jüdischen. Kaufleuten deutscher Nation unterzeichnet worden sein soll. Heißt das nicht sich selbst in'S Fleisch! schneiden? — Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 11. , April d. I. einen Artikel über die Stadt Meh. In demselben heißt es: „Am treuesten an der deutschen Muttersprache hielten die Juden fest. Die Machthaber der ersten französischen Republik fanden keinen anderen Ausweg, die jüdische Bevölkerung mit den neuen Grundsätzen bekannt zu machen, als indem sie für dieselbe eine deutsche Zeitschrift herstellten. Dieselbe erschien vom Jahre 1789 ab einmal wöchentlich in sogenannter jüdisch-deutscher Sprache im Berlage von Abraham Spirr (Speier). Dieses Blatt scheint aber die Französirung nur wenig gefördert zu haben, denn im Jahre 1820 sah sich die französische Regierung veranlaßt, den Oberrabbiner von Metz, den ausgezeichneten Talmudisten Aaron Worm», seiner Stellung zu entheben auf Grund des Artikel 20 der Verordnung vom 17. März 1808, wonach vom Jahr 1820 ab kein Rabiner in Frankreich wählbar war, der nicht der französischen Sprache mächtig war. Auch heut noch spricht die ziemlich zahlreiche, einheimische jüdische Bevölkerung von Metz deutsch, von den älteren Leuten etliche dies ausschließlich. In der bedeutenden Metzer Stadtbibliothek fehlt die erwähnte Zeitschrift, gleichwie so manche andere auf das Deutschtum bezughabende wichtige Urkunde." — Herr Rabbiner Dr. Blumenstem : in Luxemburg wird im „Luxemburger Wort" angegriffen, weil er in einer dortigen Loge am 18. April 1885 in einem Vortrage über „die Stellung des Judentums zur Freimaurerloge" unter anderem geäußert: „Judentum und Freimaüererei gehen zusammen. — Das Judentum ist keine Kirche mit Hierarchie, keine Heilsanstalt. Die Akte des außercultuellen Lebens werden nach dem Begriff des j Judentums nicht in Beziehung gebracht mit dem Judentum als Konfeffion. Das Judentum entbehrt der Priester und hat keine Dogmen. Das Judentum hat nur eine Grundwahrheit, die aber keine Glaubenslehre ist, nämlich die Existenz Gottes und über Gott kann man noch denken was man will. Beweis: Der Pantheismus geht aus der jüdischen Philosophie des Maimonides durch Spinoza t hervor." Zur Beruhigung des Herrn Dr. Lehmann in Mainz, der nach jüdischen Rabbinern, welche Freimauerer sind, Umfrage hält, sei hier erwähnt, daß der selige Herr Rabbiner Dr. Schwarz in (Sb'ln, dessen Orthodoxie unbezweifelt ist, j stauch Freimaurer war. — Herr Dr. Kosenstein, ein Zögling der Budapester i rLandesrabbinerschule, wurde in Tapolcza zum Oberrabbiner erwählt, und in i Eroshaza Herr Dr. Joseph Kosenfeid. — Am 20. April starb in Lemberg Herr Jakob Jüttes. Er veröffentlichte 1848 eine Gutachten-Sammlung „Ohole Jacob“ und gab 1864 Bibel-Exegesen unter dem Titel „Mikroe Kodescb* heraus, '(Er war lange Zeit hindurch der Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Lem- -! berg. — In Budapest verstarb der Oberstabsarzt und LandeS-SanitätSchef Dr.- - Jakob Böhm. — Der Justizminister Ungarns, Dr. Theodor Pauler, durch seine antisemitische Gesinnung, die anläßlich des Tisza-Shlarr Prozesses zu Tage trat, bekannt, ist am 30. April in Budapest gestorben. — In Wie« starb Herr Dr. Caoch Ascher, Religionslehrer am Gymnasium in der Wasagasse im Alter vou 80 Jahren. Herr Rabbiner Dr. Südemann schilderte am Grabe daS verdienst-