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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 161

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 161 (sequence 17)
Language
German
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— 161 — mit so edlem Streben immer neue Freunde zugeführt werden, damit er in der Lage sei, das Elend der armen kranken oft sehr unglücklichen Lehrer nur einigermaßen beheben zu können. — Wie uns von glaubwürdiger Seite in Frankfurt a. M. > mündlich zum Zwecke der Veröffentlichung berichtet wird, hat in einer jüdischen Gemeinde am Rhein ein Mann als Rekgionslehrer fungirt, der als Cpnvertit dem Christentum angehörte. Ort und Name stehen zur Verfügung. Werden dann die jüdischen Gemeinden nicht endlich an eine bessere Organisation ihrer Verhältnisse denken? Der Convertit war zufällig auch nur Schneider und hatte zum Religionslehrer gar keine Qualifakation. Doch das nimmt uns gar nicht mehr Wunder. Der jüdische Religionsunterricht ist herrenlos und wird wie eine Waare behandelt und um Religionslehrer zu werden, bedarf es keines | Ausweises mehr, daß man auf diesem Gebiete etwas gelernt und geleistet hat. » Wer von jüdischen Eltern abstammt, kann zu diesem Kandelsartikel Mareiien! I Woher soll da dre Jugend Liebe zum Judentum bekommen? —Äu^ Mergentheim wird dem „Neuen Tagblatt" in Stuttgart geschrieben: Anläßlich des 100jährigen Geburtstags Ludwig Börne'» dürste für weite Kreise von Interesse sein, zu erfahren, daß die Familie Börne aus Württemberg stammt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist Börne's Großvater als Hofagcnt des Deutschmeisters von Grdhrim (O.-A. Neckarsulm) nach Mergentheim übergesiedelt, wo auch sein Enkel, Ludwig Börne, im großelterlichm Hause erzogen wurde, während Börne's Vater und Oheim in Frankfurt a. M. und Bonn Wohnsitz nahmen. Die Synagoge, das Rabbinats- und Schulhaus in Mergentheim waren ehedem im Besitze der Familie, die sich damals „Baruch" nannte. Die Synagoge ist von derselben gesttftet worden und es soll sich in der Sttftungsurkunde die Klausel befinden, daß die „Synagogenstühle" niemals Eigentum eines Gemeindemitgliedes werde« sollen, sondern jewetts auf Lebenszeit des Betreffenden zu miethen seien. In Unter- ' balbach, wo der israelitische Friedhof für Mergentheim sich befindet, liegen mehrere Mitglieder der Börne'schen Familie begraben. — In Frankfurt a. M. fanden zu Ehren des 100. Geburtstages Ludwig Körne'« drei Gedenkfeierlichkeiten am 1., 5. und 6. Mai statt und wurden, um ihn zu ehren, dabei fünf Reden gehalten. Das Denkmal Börne's in den Promenaden war am 6. Mai mit Blumen und Kränzen geschmückt. Die Loge „zur aufgehenden Morgenröthe", deren Mitglied Börne gewesen, widmete ihm eine besondere Feier. — In „Saat und Hoffnung" (XXIII. Jhrg. II. Heft) findet sich eine Biographie der beiden Convekttten Heinrich Aaron Ater», geb. am 11. April 1820 in Unterreichenbach bei Gelnhausen und Ehr. A. H. Halbar, geb. am 27. Nov. 1803 in Ltockholm. Jntereffant find einige Sätze aus den „Briefen und Gedenkblättern Charte« Ki»g»lry'r", worin es unter Anderem heißt, „daß die Juden noch immer das auserwählte Bott find und eine herrliche den Gipfel bildende Rolle in der Menschheitsgeschichte haben" und „Run habe ich immer gehalten, ein christlicher Jude müffe den Schlüffe! für uns finden, weil er mit den Augen der Berfasier ihre Bücher zu lesen, weil er die nationalen Sympathien, Leiden und Hoffnungen zu verstehen vermag, gar nicht der antiquarischen Winke zu gedenken, die er für dunkle Stellen geben könnte, koenn er als Jude nicht als Rabbinist lesen wollte". — Bei dem am - 9. Mai in Heusenstamm feierlich begangenen fünf und zwanzigjährigen Priester- . jubiläum des dortigen Pfarrers C. Hott war auch die jüdische Gemeinde durch ' eine Deputation vertreten. Herr Pfarrer Bott, ein äußerst toleranter und humaner Man«, hebt oft die Tugenden der Juden auf der Kanzel zur Nachahmung ■ hervor. Sein Name verdient in unserer haßerfüllten Zeit in Ehren erwähnt zu; 14

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