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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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Wahl von Deputaten mehr statt. Seither werden die Juden einer jeden Stadt in der Duma (Magistrat) von zwei jüdischen Abgeordneten wie alle anderen Konfessionen von den ihrigen vertreten, der einzelne Jude wie jeder andere Bewohner der Stadt hat sich in allen Fällen an den Magistrat in corpore resp. an den Präsidenten desselben zu wenden und so ist auf diese Weise der Deputirten-Willknhrherrschaft ein Ende gemacht worden. I. Elk. Entgegnung an Kerrn Ghrich Lehnhardt, Verfasser des Artikels „Judentum und Antisemitismus". (6. Heft der Preußischen Jahrbücher 188f> ) Sie wundern sich über das passive Verhalten der Jude» in der Judenfrage und erklären es aus der ursprünglichen jüdischen Weltanschauung „Aug um Aug, Zahn um Zahn". Sehr treffend sagt die Gartenlaube S. 858 Jhrg. 1884: „Von jeher haben die meisten Menschen an den Vorstellungen, welche ihnen in der Kindheit beigebracht worden sind, mit einer Pietät festgehalten, die alle Kritik ausschließt; gewiß sind darunter jederzeit sehr ehrenwerte, sehr wohlmeineude, oft auch sehr geistreiche Männer gewesen und die von ihnen vertretene Tendenz des Beharrens hat als mäßigendes Element auf den Gang der menschlichen Entwicklung im Ganzen vorteilhaft eingewirkt. Aber ebenso sicher ist, daß, wenn sie einzig, maßgebend wäre, die Menschheit noch nicht einmal die Kulturstufe des Australnegers erreicht hätte. Jeder Fortschritt, und handelte es sich auch um die Abschaffung der elendesten Mißbräuche, muß diesem konservativen Teile der Menschheit im heißen Kampfe abgerungen werden." So steht es auch mit der Judenfrage. Ich finde, hochgeehrtester Herr, daß die christliche Weltanschauung der jüdischen Weltanschauung „Aug um Aug, Zahn um Zahn" vollkommen entspricht; denn das Judentum war im Altertum nicht eine Religionsgesellschaft, sondern eine Nation — ein Staat, — der als solcher neben seinen Religionsgesetzen auch seine Staatsgesetze (Strafgesetzbuch) hatte. Das Religionsgesetz der Juden sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", das Strafgesetzbuch: „Aug um Aug, Zahn um Zahn", gerade wie wir jetzt in allen christlichen Staaten neben der Liebe predigenden Religion jedem Verbrechen die richterliche Strafe folgen sehen und wenn es auch nicht „Aug um Aug" heißt, so gilt jetzt „Kopf um Kopf." Die Hauptlehre der Christen: „Liebe Gott vor Allem und deinen Nächsten, wie dich selbst" (Ev. Marc. 12, 30, 31) ist eben nur ein Citat aus dem alten Testament (Buch Mosis 3, 19, 15). Demnach sind die Grundlehren beider Religionen gleich. Die Entstehung des Christentums aus dem Judentum zu einer Zeit, wo letzteres durch die römische Uebermacht unterging, weist darauf hin, daß Christus wohl die Ohnmacht des jüdischen Volkes als Nation gegenüber der Macht Roms erkannte und eine Wiederaufrichtung des jüdischen Reiches für unmöglich hielt, dagegen die Lehren, welche die Religion der Juden vorschreibt, für so wahr hielt, daß sie sich über alle Welt (katholikos) verbreiten müßte. —

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