Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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auf die Fortentwicklung der medizinischen Wissenschaft im Mittelalter einen bedeutenden Einfluß geübt. So aber in der Gunst seines Herrn und an staatsmännischem Ansehen aufwärts steigend, erkaltet nicht, vielinehr erglüht gleicherweise Chasdai's Teilnahme für seine Glaubensgenossen auf dem ganzen Erdenrunde. Er benutzt seinen diplomatischen Verkehr yiit den Gesandten aller Länder, um über die Lage der Juden in denselben Auskunft zu erhalte», und ihr zumeist trauriges Los zu bessern. Er entdeckt solcher Weise den jüdischen Chazarenstaat in Südrußland, und wechselt Briefe mit einem chazarischen Fürsten. Er hilft, wie schon erwähnt, die berühmte Hochschule in Cordova gründen, und läßt auch der babylonischen reiche Spenden zufließen. Er gestattet den Gelehrten Cordova's freien Zutritt in seinen Palast, unterhält mit Dunasch b. Tamim, einem besonders als Astronomen berühmten jüdischen Gelehrten in Kairnan, sowie mit Dossa, dem Sohne Saadja's, regen schriftlichen Verkehr. Beide müssen ihm ihre Schriften senden. Endlich beruft er die zwei bedeutendsten, jüdisch-litterarischen Berühmtheiten der Zeit, die Grammatiker und Dichter Me nachein b. Saruk aus Toetosa und Dunasch b. Lab rat aus Bagdad an seinen Hof, welche beide, von der belebenden Gunst Chasdai's beschienen, die hebräische Sprache und Poesie zu neuer Blüthe bringen helfen. Wenn die hebräische Dichtkunst bis dahin nur einen synagogalen Charakter trug, wenn so ihr Antlitz ein einziger edler, aber etwas düsterer Zug in eintöniger Unveränderlichkeit beherrschte, so gab Chasdai den Dichtern Gelegenheit, das Thema zu wechseln. „Seine imposante Persönlichkeit, seine hohe Stellung, seine Thaten und seine fürstliche Freigebigkeit wirkten begeisternd auf die Dichters"; und ob auch in dieser Zeit, verglichen mit der späteren poetischen Vollendung eines Gabirol und Jehuda Halevi die Sänger erst zu „zirpen" begannen — wie ei» späterer Kunstdichter treffend urteilt — ohne Menachem und D»nasch ist eben diese spätere Entfaltung nicht denkbar. Die Gntwicktung der Givikisalion unter den russischen Juden. Seit der letzten Teilung Polens im Jahre 1795 bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts war der Bildungsgrad der polnischen Judenschaft fast unter Rull geraten. Erst nachdem der blutige polnische Jnsurectionskrieg von 1832 niedergeworfen war und die Regierung die Russifizierung der Polen in Angriff nahm, waren auch die Blicke derselben auf das jüdische Schulwesen gerichtet. Die eigentliche Veranlassung dazu gaben aber die Juden selbst, denn schon lange vor der Zeit, ehe der damalige Kultusminister Uwarow beabsichtigte, dasselbe neu zu gestalten, versuchten die Inden in Rußland, besonders aber diejenigen Ren-Rußlands und Kurlands, ihren Kindern eine ordentliche, zeitgemäße Erziehung angedeihen zu lassen. Das im Jahre 1811 erschienene, vom Kaiser Alexander I sanktionierte Decret, demgemäß allen israelitischen Kindern der Besuch von Gymnasien, Universitäten, Akademien rc. gestattet worden war, bewirkte schon zu jener Zeit, daß jüdische Jünglinge in Rußland höhere Lehranstalten besuchten y Grätz, Gefch. der Juden V, S. 335.