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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Meer und ertrank. Tief betrübt, im^Sklavengewaude, langte nun Mose mit seinem einzigen Söhnchen in Cordova an- Mit gewohnter Liebe löste die Cordovaner Gemeinde de» Fremdling aus, im Augenblicke nicht ahnend, „daß sie in ihm die Suprematie Spaniens über die Judenheit erwarb". Aber sie sollte es bald erkennen. Denn der Fremdling hatte sich, kaum befreit, nach dem Lehrhaus begeben, tvelchem ein gewisser Nathan, mit sehr dürftigen, aber in dem damaligen Spanien angestaunten Keniitnissen Vorstand. Wie erstaunt waren nun Alle, als sie aus dem Munde der schüchtern an der Thür'stehenden Bettlergestalt Einwände horten, die sofort den großen Meister verrieten! Sofort erklärte beredte Nathan, angesichts eines solches Weisen nicht länger des Lehramts würdig zu sein, und so übertrug es die Cordovaner Gemeinde dem Babylonier und überhäufte ihn mit Ehren. Doch war ein Hindernis zu bewältigen. Als nämlich Jbn Romahis merkte, wie teuer sein Gefangener den Juden war, da wollte er den Loskauf als einen zu wohlfeilen rückgängig machen. Allein zum Glück stand damals Andalusien unter der Regierung des edlen Chalifen Abdul-Rahman III, und sein einflußreichster Berater war der hervorragende jüdische Staatsmann und Mäcen Chasdai Jbn Schaprut. Dem Einfluß dieses Mannes ist es zu danke», daß Mose den Spaniern verblieb und so ein andalusisches Sura erstand, aus welchen! mit der Zeit die glänzenden Namen Jona Jbn Gamach, Maimonides u. A. hervorgcgangen. Ans allen Ländern strömten jetzt die lernbegierigen Jünglinge nach Cordova; Chasdai aber ließ für sie in großen Massen Bücher aufkaufen, und sorgte auch sonst mit edler Freigebigkeit für ihren Unterhalt. Wenn man vielleicht gegen die Mäcenität Juda's und Abba's einzuwenden hattte, daß dieselben jenen Ehrentitel doch nicht ganz verdienten, weil sie einmal nicht jene weltliche Bvrnehmheit befassen, wie sie der Römer in sich verkörperte, und weil sie ferner ihre Gunst nicht wie dieser auf einzelne Geistes-Grvßen vereinigten, sondern auf eine große Anzahl tvißbegieriger Jünger verteilten, so füllt dieser Einwand bei dem Spanier Chasdai Jbn Schaprut weg>. Denn derselbe war nicht nur der leitende Staatsmann des arabischen Spaniens, die rechte Hand des luoslemitischen Herrschers Abdul-Rahmans III., er hat auch, von geringeren, weuiger bekannt gewordenen Talenten abgesehen, besonders zwei bedeutenden Vertretern der jüdischen Wissenschaft seine volle Gunst zugewendet. Um seine staatsmünnische Bedeutung wenn auch nur flüchtig zu berühren, so sei erwähnt, daß er die Geschäfte eines Handels- und Fiuanzmiuisters sowie die eines diplomatischen Vermittlers nnd Gesandten in seiner Hand vereinigte. Er war zu Letzterem ganz besonders wegen seiner ausnehmenden Klugheit und seiner damals seltenen Sprachkenntnis befähigt. Seiner diplomatischen Kunst verdankte der Chalif den Besuch christlicher Fürsten, die nach dem maurischen Hof gekominen waren, um mit ihm Bündnisse zu schließen. Zu dem gleichen Zwecke war auch einst eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Constantin VIII. in Cordova angelangt, und von dem jüdischeil Staatsmann zur Audienz geführt. Hierbei feierte Chasdai's Kenntnis des Lateinischen einen besonderen Triumph. Unter den kostbaren Geschenken nämlich, welche die Gesandten mitgebracht, befand sich auch das damals hochgeschätzte medizinische Buch des griechischen Schriftstellers Dioskorides. Um es den arabischen Gelehrten >o zugänglich als möglich zu machen, ließ es der Kaiser auch ins Lateiuische übertragen. Ällein außer Chasdai, der auch Arzt war, gab es^keineu unter den arabischen Aerzten, der das Lateinische verstand, und so wtlrde jener mit der Uebcrsctzung ins Arabische beauftragt. Die Freude des Chalifen war groß über die vollendete Arbeit, welche in der That

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